An der Not mangelt es nicht

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Die Caritas-Geschäftsstelle ist seit September vergangenen Jahres im „Römerpark“, in der Anheggerstrasse 2f, zu finden.
Die Caritas-Geschäftsstelle ist seit September vergangenen Jahres im „Römerpark“, in der Anheggerstrasse 2f, zu finden. (Foto: isa)
Isabel Kubeth de Placido

Der Lindauer Caritasverband ist gut aufgestellt und auch für die nächsten Jahre gut gerüstet. Bestens angenommen werden seine vielfältigen Angebote, wie die Tafeln, die Mittagstische, die Betreuungen und die Beratungen. Dazu gehören auch seine beiden neuen Projekte, bei dem Paten Menschen mit einem geringen Geldbetrag helfen über die Runden zu kommen sowie die kostenlose Rechtsberatung.

Über mangelnde Arbeit können sich die Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen des Caritasverbands Lindau nicht beklagen. Allein im Fachdienst für Sozial- und Lebensfragen fanden im vergangenen Jahr 455 Beratungsgespräche statt, bei denen es häufig um finanzielle Fragestellungen und Engpässe ging. Von den insgesamt 182 Klienten kamen 69 Prozent aus dem unteren Landkreis und 25 Prozent aus dem Westallgäu. Bei den restlichen sechs Prozent handelte es sich um Obdachlose, die nicht aus dem Landkreis Lindau kamen. Die Mehrzahl der Klienten, nämlich 62 Prozent, waren Frauen.

Zusätzlich zur Beratung wurden in Lindau und Lindenberg 550 Ausweise ausgestellt, die Menschen dazu berechtigen in den Tafelläden einzukaufen. Das berichtete Geschäftsführer Harald Thomas bei der Mitgliederversammlung des Caritasverbands für den Landkreis Lindau. Dabei räumte er ein, dass die Zahl der Hilfesuchenden Menschen im Vergleich zu den Vorjahren leicht rückläufig sei. Was jedoch hoch bleibe, sei der erhöhte Betreuungsbedarf „um die jeweilige Problematik in den Griff zu bekommen“. Als „sehr erfreulich“ bezeichnete er die Tatsache, dass auch weniger ältere Menschen sich an die Caritas gewandt haben. Dies schrieb der Geschäftsführer unter anderem dem neuen Patenprojekt gegen Armut zu, das die Caritas im November ins Leben gerufen hat. Mit einem Geldbetrag zwischen 25 bis 50 Euro im Monat helfen Paten Menschen und Familien dabei, über die Runden zu kommen und ermöglichen es ihnen so, würdevoll am Alltag teilzuhaben. „Das sind geringe Geldbeträge, die es möglich machen mal einen Kaffee trinken, ins Kino oder in die Hundertwasser-Ausstellung zu gehen“, sagte Harald Thomas und erklärte, dass das Geld „eins zu eins“ an die Menschen weitergegeben werde. Bereits 27 Paten engagieren sich auf diese Weise. „Über weitere würden wir uns sehr freuen.“ Insgesamt gewährte die Caritas aus Eigenmitteln sowie aus Stiftungsgeldern Hilfe für mehr als 32 000 Euro.

Den Grund dafür, dass auch die Zahl der Obdachlosen, die sich an die Caritas wenden, rückläufig ist, sieht Harald Thomas in der Örtlichkeit begründet. Weil der Weg in die Anheggerstraße, wo sich seit dem vergangenen Jahr die Geschäftsstelle befindet, nicht gerade der nächste sei, hat der Vorstand beschlossen das Engagement der Caritas für die Bahnhofsmission auszuweiten. Und zwar finanziell, mit einer jährlichen Unterstützung von 5000 Euro für das Personal und 1300 Euro für die Einzelfallhilfe, wie Vorsitzender Helmut Pietsch berichtete.

Doch auch die anderen Angebote der Caritas fanden großen Zulauf. So wandten sich 67 Personen an die Kontakt- und Beratungsstelle für Kuren. Von 51 Kuranträgen wurden 45 bewilligt. Davon waren 35 Mutter-Vater- Kind-Kuren mit 43 Kindern, zwölf Mütter- oder Väterkuren und fünf Kinderkuren. Neun Frauen kamen nur mit Hilfe von Zuschüssen des Müttergenesungswerkes in den Genuss einer Kur. Was die Betreuungen anbelangt, so betreute der Betreuungsverein 57 Personen mit psychischen, geistigen Erkrankungen, Demenz oder Abhängigkeit. Zudem beriet er Betreuer und organisierte Vorträge zum Thema Betreuungs- und Patientenverfügung sowie zur Vorsorgevollmacht. Weil in den neuen Räumlichkeiten der Caritas jetzt Platz dafür ist, kündigte Thomas an diese Vorträge in Zukunft in der Anheggerstraße stattfinden zu lassen.

Auch die Mittagstische in Lindau und Lindenberg erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und sind nach wie vor ein „wichtiger Treffpunkt“, wie Thomas sagte. In den Monaten von Oktober bis einschließlich März besuchten jeden Samstag 105 Gäste beide Tische. Davon 55 den in Lindenberg und 50 den in Lindau. Insgesamt 173 000 Einkaufsvorgänge verzeichnen dagegen die beiden Tafelläden in Lindenberg und Lindau. Während in Lindenberg 45 ehrenamtliche Helfer die Waren an fünf Tagen in der Woche ausgeben, sind es in Lindau 65 an sechs Tagen. Hinzu kommen noch die Fahrer, die die Waren holen und bringen. Auch die Aktionen, bei denen Firmlinge und Konfirmanden vor Supermärkten Passanten darum bitten „ein Teil mehr“ für die Tafeln einzukaufen, komme laut Thomas bei den Jugendlichen bestens an. Während in Lindau bereits alle Pfarreien mit im Boot seien, sei im oberen Landkreis Weiler neu hinzugekommen.

Als „Highlight“ bezeichnete Thomas die im vergangenen Jahr neu eingerichtete Rechtsberatung, bei der Rechtsanwalt Alexander Greiner bisher 27 Menschen kostenlos beraten hat.

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