Am Rickenbach soll es trocken bleiben

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Während die Ach kaum mehr über die Ufer geht, weil der Ausbau zum Hochwasserschutz fast fertig ist, fürchten sich Bürger in anderen Stadtteilen nach wie vor Überschwemmungen. Betroffen ist unter anderem der Rickenbach, der regelmäßig nicht nur die Firma Lindauer Dornier überschwemmt, sondern auch Garagen und Keller entlang der Rickenbacher Straße unter Wasser setzt. Dagegen wollen Stadt und Freistaat in den kommenden Jahren was tun.

Einstimmig hat der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung die Pläne für den Hochwasserschutz in diesem Teil Reutins gebilligt. Nun muss noch der Stadtrat zustimmen und das nötige Geld bereitstellen, dann können sich die Fachleute an die Planung und die nötigen Grundstücksverhandlungen machen. Da solche Genehmigungsverfahren erfahrungsgemäß eine Weile dauern, rechnen die Verantwortlichen damit, dass der Bau frühestens 2017, vielleicht sogar erst 2017 beginnen kann. Die Bauarbeiten werden dann mindestens zwei Jahre dauern.

Die Kosten schätzen Wasserwirtschaftsamt Kempten und Tiefbauamt der Stadt Lindau auf rund 1,1 Millionen Euro, von denen der Freistaat knapp zwei Drittel zahlt. Bleiben für die Stadt fast 400000 Euro. Hinzu kommen Grundstückskosten, für die laut Gesetz die Stadt alleine aufkommen muss.

Norbert Fichtl vom Wasserwirtschaftsamt und Marcus Gebauer vom Tiefbauamt stellten die Pläne am Dienstag ausführlich vor. Grundlage sind Untersuchungen eines Fachbüros, die schon seit drei Jahren prüfen, wie der Bach am besten in den Griff zu bekommen ist. Verschiedene Vorschläge wurden im Laufe der Zeit verworfen, weil sie zu teuer waren oder nicht vereinbar mit Belangen des Umweltschutzes.

Jetzt glauben die Planer aber, dass sie eine verträgliche und bezahlbare Lösung vorschlagen können. Wichtigster Bestandteil ist ein Regenrückhaltebecken, das allerdings nicht in Lindau, sondern im Bereich der Gemeinde Weißensberg liegt. Mit Bürgermeister Hans Kern und den betroffenen Landwirten habe man bereits gesprochen, berichtete Gebauer. Durch Veränderungen im Gelände soll im Bereich Sandbichel, oberhalb des alten Ballergeländes, ein Becken entstehen, das im Ernstfall bis zu 33000 Kubikmeter Wasser fasst.

Damit könne man die Wassermenge im Rickenbach auf die sechs Kubikmeter pro Sekunde drosseln, die durch die Rohre unter dem Dorniergelände passen. Andernfalls wären sehr teure Umbauten dieser Verrohrung nötig gewesen.

Im zweiten schritt wollen die Fachleute im Unterlauf die Sohle des Rickenbacher Baches tiefer legen, weil sie noch höhere Dämme für nicht verträglich mit dem Landschaftsbild halten. Dabei müssen sie den Ablauf in den alten Rickenbach verändern. Um eine Bebauung des Heurieds möglich zu machen, hatten Stadt und Freistaat in den 60er Jahren den alten Rickenbach zwar belassen, den Großteil des Wassers aber über einen neuen, künstlichen Bachlauf direkt in den See geführt. Bisher funktioniert diese Trennung aber nicht so richtig, so dass in dem alten Bachlauf regelmäßig zu viel Wasser steht. Den Abfluss werde man künftig unabhängig vom Regen auf 20 bis 30 Liter pro Sekunde regeln, sagte Fichtl.

Bleibt der Verlauf neben der Von-Behring-Straße: Dort sind sich die Fachleute noch nicht einig, wie man am besten verhindert, dass es dort zu Überschwemmungen kommt, wenn der Bach bei Starkregen dort künftig viel mehr Wasser transportiert als bisher.

Offen ist auch noch, wie die Stadt an die nötigen Grundstücke für das Rückhaltebecken kommt. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder die Stadt kauft die Flächen und stellt sie den Landwirten kostenlos zur Bewirtschaftung zur Verfügung. Sollte es dann zu einer Überschwemmung kommen, läge das Risiko bei den Bauern. Oder die Landwirte behalten ihr Eigentum und würden von der Stadt immer dann entschädigt, wenn Hochwasser ihre Ernte vernichtet. Das soll die Verwaltung verhandeln, nachdem auch der Stadtrat zugestimmt hat.

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