Alter Geist in neuer Flasche: Lindauer Kleinbrenner setzen auf Wiedererkennungswert

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 Gläser, die teilweise wenig gefüllt sind
Bayern brennt: Edle Brände aus der Region brauchen nicht nur das richtige Glas, um ihren Geschmack entfalten zu können. Sie sollen künftig auch in edlen Flaschen mit Bayernbezug abgefüllt werden. (Foto: Archiv: Christian Flemming)
isa und Isabel de Placido

Ein edler Brand gehört in eine edle Flasche. Weil das so ist und weil sich Gutes dann noch besser verkauft, sollen nach Willen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau die Edelbrände der bayerischen Kleinbrenner künftig in besonders schön designten Flaschen mit Bayernbezug abgefüllt und verkauft werden. Einen Prototyp bekamen die Lindauer Kleinbrenner schon mal auf ihrer Jahreshauptversammlung zu sehen.

„Kameras weg, Handys weg, keine Fotos“, machte Fachberater für Brennereiwesen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Mathias Krönert zur Voraussetzung, bevor er jene Flasche aus der Pappverpackung herausholte, die extra dafür entwickelt worden ist, damit die Kleinbrenner ihre ausgezeichneten Erzeugnissen in Zukunft angemessen und exklusiv verkaufen können. „Je mehr Brenner mitmachen, desto größer ist die Marktdurchdringung und desto mehr wird unsere Dachmarke ,Bayern brennt’ bekannt und wir können am Ende bessere Preise erzielen“, warb Krönert bei den über 50 Kleinbrennern, die zu der diesjährigen Jahreshautversammlung nach Wasserburg gekommen waren, für die Flasche, die sich momentan noch in der Entwicklung befindet.

Um die edelsten und qualitativ hochwertigsten Brände entsprechend und mit Wiedererkennungswert zu verkaufen, hat sich die LWG nicht lumpen lassen und den renommierten Hamburger Designer Peter Schmitt dafür engagiert, eine schicke Flasche mit Bayernbezug zu entwerfen. 20 000 Euro habe die Entwicklung bisher bereits gekostet, sagte Krönert und präsentierte den Kleinbrennern aus dem oberen und unteren Landkreis eine eckige halbliter-Flasche, in die beidseitig in unterschiedliche Richtung verlaufende Vertiefungen eingearbeitet sind. Beim Blick durch die Flasche ergibt sich dadurch ein Rautenmuster und damit der gewünschte Bayernbezug für die „Bayernbrandflasche“.

In die sollen nach dem Willen des LWGs all jene Edelbrände gefüllt werden, die bei der Bayernbrandprämierung ausgezeichnet worden sind. Weil jedoch nur ein Bruchteil aller bayerischen Kleinbrenner alle zwei Jahre an dieser Qualitätsprüfung teilnimmt, gebe es mittlerweile die Überlegung, so erklärte Krönert weiter, auch solche Produkte in die Flasche zu lassen, bei deren Erzeugung sich die Brenner an die Richtlinien der Bayernbrandprämierung halten. Also indem sie beispielsweise ihren Produkten keinen Zucker zugeben. Geplant sei auch die Flaschen für die Brenner so preiswert wie möglich zu machen. Derzeit liege der Preis pro Flasche und ohne Verschluss bei 30 bis 60 Cent. Auf die Frage der LZ, wann genau die Flasche den Brennern denn zur Verfügung stehe, antwortete Krönert: „So schnell wie möglich.“

Was auch gut ist, denn immer mehr Lindauer Kleinbrenner setzen auf die Selbstvermarktung, wie Jürgern Spieler betonte. Der Vorsitzende freute sich zudem darüber, dass das vergangene Jahr ein gutes Jahr für die Kleinbrenner gewesen ist. „Das Jahr 2019 war einwandfrei“, fasste er zusammen und erklärte, dass das geerntete Obst „super“ gewesen sei. Es habe durchweg eine gute Qualität gehabt, ganz gleich ob Apfel, Birne oder Kirsche. Den Grund dafür sah Spieler darin, dass es stets zur richtigen Zeit geregnet habe. „Das hat dem Obst gut getan.“ Und zwar im oberen wie im unteren Landkreis gleichermaßen.

Doch nicht nur das Obst, auch der Verband erfreut sich einiger Erfolge. Erfolge deshalb, weil seine Aktivitäten gut besucht gewesen seien, wie Spieler sagt. Ob bei der Teilnahme von Veranstaltungen, durch die der Verband es seinen Mitgliedern ermöglicht ihre Edelbrände, Geiste und Liköre zu präsentieren, wie etwa die Lindauer Kultur- und Einkaufsnacht, das Lindenberger Käse- und Gourmetfest oder das Hoffest „Bayern brennt“ im Münchner Landwirtschaftsministerium. Sehr gut besucht sei auch die Brennereisaisoneröffnung, mit der der Verband die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen will und die im November in Nonnenhorn stattgefunden hat. Aber auch jene Lehrfahrten, Exkursionen und Informationsveranstaltungen auf denen die rund 600 Lindauer Kleinbrenner die Möglichkeit haben sich weiter zu bilden, wurden angenommen.

Zudem steht dieses Jahr wieder die alle zwei Jahre stattfindende Bayerische Obstbrandprämierung an, deren Teilnahme Jürgen Spieler seinen Brennerkollegen wärmstens empfahl.

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