Aldi plant Neubau mit Lebenshilfe – Doch diese hat noch gar nicht zugesagt

Aldi plant unterhalb des Schönbühl einen neuen Supermarkt und will eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung integrieren. (Foto: dpa/Evi Eck-Gedler)
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Der Discounter Aldi will unterhalb des Schönbühls in Lindau bauen. Die Pläne sehen nicht nur Räume für einen Supermarkt mit Bäcker und Café vor. Auch die Lebenshilfe soll in dem Gebäude unterkommen – mit einer Werkstatt und Büros. Doch die Verantwortlichen des Vereins sind von den Plänen der Firma Aldi überrascht. Es gibt weder konkrete Zusagen noch einen Vertrag. Im Gegenteil: Der Bezirk Schwaben hat eine größere Werkstatt für die Lebenshilfe erst kürzlich abgelehnt.

„Der geplante Nutzungsmix aus Einzelhandelsmarkt, den Produktions- beziehungsweise Werkstätten der Lebenshilfe sowie der Kindertagesstätte wird sehr positiv bewertet“, heißt es in der Sitzungsvorlage, über die der Bauausschuss am Montag abgestimmt hat. Dort bekam der Entwurf, den Architekt Alexis Uhlig vorgestellt hat, viel Lob.

Konkret plant Bauherr Aldi gegenüber des Parkhauses der Denkfabrik zwei Gebäude: ein größeres und ein kleineres. Im großen Gebäude soll im Erdgeschoss ein Aldi-Markt samt Bäcker und Café entstehen. Im ersten Stock soll eine Werkstatt der Lebenshilfe unterkommen.

Das riegelförmige Gebäude bildet sich zum Ende hin zu einem Hochpunkt aus. In diesem Hochpunkt, also quasi dem zweiten Stock, sollen dann die Büros der Lebenshilfe unterkommen.

Noch kein Betreiber für Kita

Das zweite, kleinere Gebäude ist für eine Kita geplant. Für diese gibt es allerdings noch keinen Betreiber, wie sich am Montag im Bauausschuss herausstellte. „Es gibt ein oder zwei Interessenten, mit denen Aldi im Gespräch ist“, sagt Uhlig auf Nachfrage.

Die Räte sahen das Konzept insgesamt positiv und beschlossen einstimmig, dass der Stadtrat dafür einen vorhabenbezogegen Bebauungsplan auf den Weg bringen solle. Sie halte das Projekt für „lobenswert“, sagte Angelika Rundel (SPD). Im Stadtentwicklungskonzept Isek sei ein Nahversorger an dieser Stelle empfohlen.

 Der Lindauer Bereich der Lebenshilfe-Werkstätten in der Ludwig-Kick-Straße ist längst viel zu klein. Doch den Antrag auf Erweit
Der Lindauer Bereich der Lebenshilfe-Werkstätten in der Ludwig-Kick-Straße ist längst viel zu klein. Doch den Antrag auf Erweiterung hat der Bezirk Schwaben abgelehnt. Wieso jetzt im Bauausschuss die Lebenshilfe als Mieter im geplanten Aldi-Neubau auftaucht, ist den Verantwortlichen der Lebenshilfe unklar. (Foto: Evi Eck-Gedler)

„Es ist gut, dass die Lebenshilfe im Boot ist“, so Rundel am Montag. Laura Brombeis (BL) hätte sich den Hochpunkt des Gebäudes sogar noch größer vorstellen können. Aus städtebaulicher Sicht sei das durchaus wünschenswert. Doch für ein höheres Gebäude, erklärte Architekt Uhlig, fehlten schlicht die Nutzer.

Auf Recherche der LZ stellt sich jetzt allerdings heraus: Auch die Lebenshilfe ist bei dem Projekt längst nicht im Boot. „Es gibt noch keinerlei Mietvertragsgespräche mit Aldi“, sagt Pressesprecherin Monika Illerhaus. Wieso im Ausschuss so konkret darüber gesprochen wurde, dass die Lebenshilfe in den geplanten Aldi-Neubau einziehen werde, ist ihr schleierhaft.

In der jetzigen Werkstatt wird es eng

Klar ist: Die Lindauer Werkstatt im Gebäude der Pfannenfabrik an der Ludwig-Kick-Straße ist mittlerweile zu klein. Nach Illerhaus’ Worten gibt es dort offiziell 60 Plätze für Menschen mit Behinderung. Tatsächlich bräuchte die Lebenshilfe aber Platz für deutlich mehr Beschäftigte.

Denn schon jetzt haben rund 80 Menschen aus Lindau und der näheren Umgebung wegen eines persönlichen Handicaps dort ihren Arbeitsplatz. Das habe während der vergangenen gut zwei Pandemie-Jahre insoweit funktioniert, „weil unsere Beschäftigten aus dem Wohnheim nicht in die Werkstatt durften“, wie Illerhaus sagt. Die Lebenshilfe habe jenen deshalb, so weit möglich, Heimarbeit organisiert.

 Aldi plant unterhalb des Schönbühl einen neuen Supermarkt.
Aldi plant unterhalb des Schönbühl einen neuen Supermarkt. (Foto: Symbol: dpa)

Doch nun sollten alle wieder an ihre Arbeitsplätze auf dem Areal der Pfannenfabrik zurückkehren. Da wird es jetzt eng. Zumal sich auch noch Betreuende um die rund 80 Lebenshilfe-Beschäftigten kümmern müssen.

Die Verantwortlichen der Lebenshilfe haben deshalb beim Bezirk Schwaben eine Erweiterung der Lindauer Werkstatt beantragt – für bis zu 100 Beschäftigte mit Behinderung. „Denn deren Zahl im Landkreis Lindau steigt“, wie der Lebenshilfe-Vorsitzende Jakob Steib schildert. Allerdings: „Aktuell hat der zuständige Kostenträger, der Bezirk Schwaben, unseren Antrag auf Erweiterung beziehungsweise Neubau der Werkstatt in Lindau abgelehnt.“

Ohne Zusage durch den Kostenträger könne die Lebenshilfe derzeit keine weiteren Entscheidungen fällen. Zwar habe es ein unverbindliches Gespräch mit Aldi gegeben. „Aldi hat nachgefragt, ob wir uns das vorstellen könnten“, sagt Steib. „Wir haben darauf hingewiesen, dass wir uns das erst mal überlegen müssen.“

Sein Auftrag sei es gewesen, die Lebenshilfe in das Gebäude mit einzuplanen, sagt Architekt Alexis Uhlig im Gespräch mit der LZ. „Die Pläne sind voll auf die Lebenshilfe angepasst.“ Alles weitere sei eine Angelegenheit zwischen Aldi und der Lebenshilfe.

Flächen „auch sehr gut für andere Nutzungen geeignet“

„Seitens Aldi können wir mitteilen, dass wir das Projekt zwar so wie vorgestellt hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Mietflächen in den Obergeschossen mit der Lebenshilfe geplant haben, aber es tatsächlich noch keine vertraglichen Abmachungen hinsichtlich eines späteren Betriebes gibt“, schreibt Ralf Breitkopf, Immobiliendirektor bei Aldi, auf Nachfrage der LZ. „Wir würden uns zwar sehr über ein gemeinsames Projekt mit der Lebenshilfe freuen, aber die zur Verfügung stehende Mietfläche wäre aufgrund der Konzeption auch sehr gut für andere Nutzungen geeignet.“

Auch Patricia Herpich, Sprecherin der Stadt, bestätigt am Freitag: „Es hat Gespräche zwischen Aldi und der Lebenshilfe gegeben, aber noch keine Einigung.“

Für die Lebenshilfe gibt es noch andere Alternativen, um mehr Platz für die Lindauer Werkstatt zu schaffen. Dazu gehört laut dem Vorsitzenden Jakob Steib vor allem auch eine bauliche Erweiterung – „natürlich in Absprache mit unserem Vermieter“ – am bestehenden Standort der Pfannenfabrik. Vorstellbar sei aber auch, dass die Lebenshilfe auf einem geeigneten Grundstück selbst baut.

Die Geschäftsführung der Lebenshilfe habe jetzt erst einmal Widerspruch beim Bezirk gegen die Ablehnung einer Werkstatt-Erweiterung eingelegt. Bis wann über darüber in Augsburg entschieden wird, kann Jakob Steib derzeit nicht abschätzen.

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