Achberger Kinder schwitzen für querschnittsgelähmte Trampolinspringerin

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Umringt: Nach dem Lauf ist noch Zeit für Gespräche. Hier interviewt Bürgermeister Johannes Aschauer Tabea Schoch und einige Läuf
Umringt: Nach dem Lauf ist noch Zeit für Gespräche. Hier interviewt Bürgermeister Johannes Aschauer Tabea Schoch und einige Läufer. Die kleine Leni weicht nicht von ihrer Seite. (Foto: yvonne Roither)

Sie laufen für Tabea Schoch, weil sie es nicht mehr kann: 65 Achberger Mädchen und Buben sind am Freitagnachmittag gerannt, was das Zeug hält, um Geld für die verunglückte Trampolinspringerin zu sammeln. Und es hat sich gelohnt. Bei der gemeinsamen Aktion von Grundschule, Förderverein der Grundschule und Sportverein haben sie 3417 Euro erlaufen – die Hälfte geht an die Lindauerin Tabea Schoch.

„Ich bin nervös“, sagt Kim. Die Zehnjährige hüpft aufgeregt hin und her und dreht immer wieder an ihrem blauen Armband. Da sollen möglichst viele Striche draufkommen, denn Kim hat sich viel vorgenommen. Vier Sponsoren hat sie organisiert, die für jede Runde ihren Geldbeutel zücken: Neben Mama, Papa und Onkel ist auch sie selbst Sponsor. Für Tabea gibt sie gern ihr Taschengeld.

Schon beim Start gaben die Mädchen und Jungs Vollgas.
Schon beim Start gaben die Mädchen und Jungs Vollgas. (Foto: roi)

Die Achberger Kinder haben zu ihr eine besondere Verbindung, denn Tabea Schoch hat ihren Freiwilligendienst in Kindergarten und Grundschule absolviert. Als sie im Trampolintraining verunglückte, war das auch für die Kinder ein großer Schock. Der Kontakt riss nie ganz ab, sie schrieben ihr, malten Bilder und fragten immer wieder, wie es Tabea geht.

Wiedersehen auf dem Schulhof

Nach mehr als einem Jahr gibt es auf dem Schulhof ein Wiedersehen: Als Tabea mit ihrer Mutter kommt, sind die Mädchen und Buben noch zurückhaltend. Nur ein paar laufen gleich auf sie zu, die meisten warten erst mal ab. Bürgermeister Johannes Aschauer, der Schirmherr des Sponsorenlaufs, übernimmt die offizielle Begrüßung und erklärt den Kindern, dass Tabea noch mehr Therapie braucht: „Für Tabea laufen, damit sie wieder gesund wird.“

Nach dem gemeinsamen Aufwärmen sind die Kinder kaum zu halten. Mamas reichen Trinkflaschen, Kim nimmt noch einmal einen Traubenzucker. Dann der Countdown zum Start: Die meisten rennen los, als würden sie nur hundert Meter sprinten.

Bürgermeister Aschauer geht mit Tabea ins Rennen

Dabei ist Ausdauer gefragt, denn die Runde durchs Neubaugebiet ist lang. Von 400 bis 500 Metern ist anfangs die Rede, als Eltern abends die Strecke noch einmal vermessen, kommen sie auf stolze 800 Meter. Doch die meisten sind schnell unterwegs und holen sich gleich ihren ersten Strich ab. In Runde zwei gehen auch Johannes Aschauer und Tabea gemeinsam auf die Strecke. Der Bürgermeister im Bauhof-Shirt schiebt Tabea schnell durchs Dorf – und merkt, dass auch kleine Bordsteinkanten ein großes Hindernis sein können: „Wir wären fast gekippt“, sagt Tabea lachend, als sie nach einer Runde wieder sicher im Schulhof angekommen ist.

Der stolze Sieger: Drittklässler Patrick rennt 13 Runden.
Der stolze Sieger: Drittklässler Patrick rennt 13 Runden.

Dort feuern Eltern, Omas, Opas und Lehrerinnen den Nachwuchs lautstark an. Nebenbei stärken sie sich mit Kaffee und Kuchen, während die Kinder ihre Runden ziehen. Jetzt ist Zeit für Gespräche mit Tabea. Schulleiterin Birgit Erletz erinnert sich noch genau an ihre letzte Begegnung mit Tabea. Das war kurz nach ihrem Unfall in der Klinik in Ravensburg, als Tabea nur ihren Arm bewegen konnte. „Deine Fortschritte sind enorm“, freut sich die Schulleiterin. Tabea erzählt von ihren ersten Schritten, ihrer erfolgreichen Rehatherapie und dass sie jetzt das Abendgymnasium besucht.

Beim Laufen auch noch entspannt lachen

Die Gesichter werden immer roter, der Atem immer schwerer. Einer kommt auffällig oft im Schulhof vorbei, Patrick, ein Drittklässler im Ronaldinho-Shirt, der nicht nur schnell laufen, sondern dabei auch noch entspannt lachen kann. Die kleine Leni nimmt sich lieber Zeit für eine kurze Zwischenmeldung: „Ich hab für Dich die siebte Runde“, sagt sie stolz zu Tabea.

Als das Rennen vorbei ist, gibt es strahlende Gesichter und Urkunden. Alle Mädchen und Buben haben ihr Bestes gegeben. Das Eis ist gebrochen. Die Kinder erzählen Tabea von ihrem Lauf, stehen um sie herum, Leni klettert wenig später auf ihren Schoß.

Lilly holt sich ihren nächsten Strich – und schnauft erstmal durch
Lilly holt sich ihren nächsten Strich – und schnauft erstmal durch (Foto: roi)

Sieger ist Ronaldinho-Fan Patrick Glaser, der 13 Runden geschafft hat. „Ich jogge einfach durch“, verrät er sein Geheimrezept. Aber er war nicht der einzige fleißige Läufer: 513 Runden sind zusammengekommen, damit haben die Achberger Kinder 3417 Euro erlaufen, sagt Annette Bauer-Klebl vom Förderverein der Grundschule. Die Hälfte des Geldes geht an die Grundschule, die andere Hälfte an Tabea.

Kim hat schon gerechnet. „Tabea bekommt von mir 51,50 Euro.“ Doch die will den Achberger Kindern auch etwas zurückgeben: Sie überreicht jedem Kind eine selbst gestaltete Tüte mit Brause und Lutschern, nur die Aufschrift ist bei allen gleich: „Danke“.

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