900 Gäste feiern und tanzen beim Starkbierfest

Lesedauer: 6 Min
Schwäbische Zeitung
Susi Donner

„Was für ein Anblick!“, seufzt Jasmin und schmachtet auf die hohe Bühne hinauf, genauer gesagt Alfred Weinberger an, der da im Muskelshirt die Saiten seiner Gitarre zupft. Es ist beinahe Mitternacht in den Coca-Cola-Hallen und das Insulaner Starkbierfest ist stimmungsmäßig auf dem Höhepunkt.

Etliche andere Höhepunkte hat es in den Stunden vorher schon gegeben, mit den „Moschtbuam“ beispielsweise, die das Fest musikalisch gestartet haben, dem Fanfarenzug der Narrenzunft, der um 20 Uhr das Starkbierfest offiziell eröffnet hat, und erst recht, als die Mehrgenerationentanzgruppe der Narrenzunft Lindau – die 28 Tänzer sind zwischen 7 und 77 Jahren und haben wochenlang auch sonntags geprobt – in Dirndl und Lederhosen, urig und passend zum Anlass ihren bayerischen Tanz auf den Hallenboden gelegt haben. „Das war echt der Wahnsinn“, lobt Jochen Dreher, der Zunftmeister der veranstaltenden Narrenzunft Lindau und hat dabei ein bisschen Pipi in den Augen vor Rührung. Doch damit nicht genug: Später wirbelte der Trommlerzug Lindau Aeschach seine Trommelstöcke weißbehandschuht zu Schwarzlicht und einer großartigen Lichtshow.

Sanitäter und Sicherheitspersonal sind arbeitslos

Danach hieß es wieder tanzen. Und genau das tun nun auch alle. Die große Halle ist ausverkauft und mit 900 Besuchern gut gefüllt, aber es herrscht keine drangvolle Enge – dazu ist der Ballsaal einfach zu riesig. Die meisten der Tänzerinnen und Tänzer haben Dirndl und Lederhosen an. Das gefällt Jochen Dreher besonders gut. Der Zunftmeister ist begeistert, wie gut das Fest angenommen wird - und wie ruhig und friedlich es verläuft: „Die Sanitäter sind arbeitslos und das Sicherheitspersonal tiefenentspannt.“ Er dankt auch den rund 80 Helfern der Narrenzunft, die beim Auf- und Abbau, an der Garderobe, beim Ausschank und als Sicherheitspersonal mitarbeiten. „Herzlichen Dank an mein Team. Es schafft wie Brunnenputzer. Ohne euch liebe Leute, wäre das Fest nicht möglich!“ Auch die Essensstände von Axel Blaas und Annette Schäfer kommen gut an: Wer viel tanzt braucht auch eine Stärkung.

Zurück zu Jasmin. Sie schmachtet immer noch zu „Freddy“ hinauf: „Der Mann ist immer noch so sexy. Nach all den Jahren“, sagt sie, hält eine Wunderkerze in die Höhe und wiegt sich verträumt zu „Hymn“ von Barcley James Harvest. Solche Hymnen und die Rockkracher der vergangenen fünf Jahrzehnte sind es, die die Paddocks-Fans von den Musikern auf der Bühne hören wollen. Unter ihnen ist Sänger und Gitarrist Lorenz Schlechter, dem die Coca-Cola-Hallen mal gehört haben und aus dessen Brauerei der Namensgeber des Insulaner Starkbierfestes stammt, das an diesem Abend der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: Der Insulaner ist nämlich ein schwarzes Bockbier, das in der Bio-Braumanufaktur in Simmerberg gebraut wird. Dunkel und geheimnisvoll schimmert es an diesem Abend in den Krügen der Gäste. Übrigens ist auch Paddocks-Bassist Pit Brugger ein echter Insulaner.

„Die Paddocks sind mit mir älter geworden“

Und es sind längst nicht nur die Frauen die von den Paddocks schwärmen – auch Thomas Bergert aus Hergensweiler tut das: „Ich begleite die Paddocks seit 40 Jahren, und sie sind mit mir älter geworden. Sie spielen diese wunderschöne Musik, die für mich mit so vielen Erinnerungen und Emotionen verknüpft ist.“

Und mit den wunderschön weinenden Gitarrenklängen von Whiskey in the Jar“ im Ohr verlassen wir das Fest, das – wie wir aus einschlägigen Quellen wissen – bis morgens zwei Uhr gedauert hat. Fazit: Wenn die Narrenzunft Lindau, die Paddocks gutes Bier und feierwütiges Volk zusammenkommen, ist das Ergebnis immer ein rundum gelungenes Fest mit super Stimmung.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen