60 gemeinsame Jahre

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Lindaus OB Gerhard Ecker (links) gratuliert Johann und Gertraud Wünsch zum 60. Hochzeitstag, ihrer Diamantenen Hochzeit.
Lindaus OB Gerhard Ecker (links) gratuliert Johann und Gertraud Wünsch zum 60. Hochzeitstag, ihrer Diamantenen Hochzeit. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Vor 60 Jahren haben Gertraud und Johann Wünsch sich in Schliersee das Jawort gegeben, seit 60 Jahren leben sie glücklich miteinander in Lindau. Dabei wäre die Hochzeit fast geplatzt, wie sie ihrem Besuch, Oberbürgermeister Gerhard Ecker, erzählen.

Das lag aber weder am Brautpaar, noch an den Trauzeugen, und am Wetter schon gar nicht. Johann Wünsch hatte genau einen Monat vor dem angepeilten Hochzeitstermin seine Arbeit am Staatlichen Gesundheitsamt in Lindau angetreten und beantragte gleich Sonderurlaub für die Hochzeit, die ihm fast verweigert worden wäre. Getroffen hatten sich die beiden bis dahin noch gar nicht so oft, was kein Wunder ist, denn der gebürtige Aichacher Johann war in München zur Schule gegangen und studierte da.

Dabei lebte er bei einer Verwandten, die die Schlierseerin Gertraud kannte, die ihrerseits bei Verwandten in der Landeshauptstadt als Pfarrhaushälterin arbeitete. Auf deren Empfehlung, dass es sich bei der Gertraud um eine tolle Person handle, schrieb er sie an. Es kam zu einem ersten Treffen im Hauptbahnhof Augsburg und auf die Frage „Was machen wir jetzt?“ schlug sie den Besuch des Tiergartens vor. Der Betrachtung vieler Tiere schloss sich der Besuch einer Tanzveranstaltung am Abend an. „Ich habe ihr dann über 100 Briefe geschrieben, von ihr kam eine einzige Antwort“, erzählt Johann von seinem Werben, denn es hatte sogleich gefunkt.

Um die Weihnachtszeit trafen sie sich ein zweites Mal und Johann, der bemerkt hatte, dass Gertraud etwas kränkelte, fragte sie, ob sie ihn heiraten wolle. War es die Schwäche wegen der Krankheit oder weil es auch bei ihr gefunkt hatte, sie hatte im Hinterkopf die Aussage eines Verwandten, der zu ihr einst sagte: „Du bisch so heikel, pass auf, dass du net am Glump hängebleibsch!“ Jedenfalls kam es ein paar Monate später zur Hochzeit und für Gertraud zum Umzug nach Lindau. Beides hat sie nie bereut, im Gegenteil, im Einklang mit ihrem Johann schwärmt sie: „Lindau ist ein Ort der absoluten Schönheit“.

Und da sie schon dabei sind, Lindau zu loben, knöpfen sie sich gleich den Oberbürgermeister vor, um ihn zu loben: „Was Sie hier in den vergangenen paar Jahren geleistet haben, habe ich in 60 Jahren nicht erlebt.“ Ein Lob, das Ecker sogleich auch seiner Mannschaft zuschreibt.

Der offizielle Gratulant wird, nachdem er die mit Gemälden vollgehängten Wände des Wohnzimmers bestaunt hatte, durch das ganze Häuschen, das die Wünschs seit acht Jahren bewohnen und das Johann Wünsch weitestgehend selbst restauriert hat, geführt. Freier Platz an irgendeiner Wand ist da Mangelware und Johann gesteht, dass alle Bilder von ihm sind. Seit 70 Jahren malt der 82-Jährige mit Enthusiasmus und Hingabe, auch die Hauswand zum Garten zeigt schon Auswirkungen seines Schaffensdranges.

Zusammen mit seiner vier Wochen älteren Gertraud, auf den Unterschied weist er verschmitzt hin, hat er eine Tochter, die beiden sind Großeltern von zwei Enkelkindern. Zur Feier des Tages war geplant, Essen zu gehen. „Aber nicht so wie vor 60 Jahren, da bestand das Hochzeitsmahl für vier Personen, also mit den Trauzeugen, aus Weißwürsten mit Brezen und einer Halben Bier“, sagt Wünsch und lacht. Mehr gab der schmale Geldbeutel des Berufsanfängers damals einfach nicht her.

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