2000 Psychotherapie-Experten treffen sich in Lindau

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Redaktionsleiter

Die neue Inselhalle ist noch nicht fertig, steht aber mitten im ersten Praxistest. Denn mehr als 2000 Teilnehmer der Psychotherapiewochen gehen dort zwei Wochen lang ein und aus. Dabei fühlen sich die meisten wohl in der neuen Halle. Anfangsprobleme verzeihen sie gerne.

„Ich bin so aufgeregt“, sagte Carsten Holz eine Viertelstunde vor der ersten Rede in der neuen Inselhalle zur Eröffnung der Psychotherapiewochen. Bis zum Schluss hat er mit seinen Kollegen von der Lindau Tourismus und Kongress GmbH (LTK) gearbeitet, damit die Tagung tatsächlich wie geplant stattfinden kann. Alles andere wäre schrecklich peinlich geworden.

Der erste Eindruck ist gut. Das Foyer ist hell. Einige Buch-Verlage haben dort ihre Verkaufsstände aufgebaut. Es ist ein wenig eng, auch weil das Seefoyer noch nicht zur Verfügung steht. Auch im künftigen Restaurant sind die Handwerker noch nicht fertig. Der große Saal ist dunkler als früher. Das mag aber auch daran liegen, dass Teile der Wand- und Deckenverkleidung noch fehlen. Zum Teil sind diese Flächen mit schwarzer Folien verhängt.

Im dunklen großen Saal riecht es noch ganz neu

Der Parkettboden ist der alte, der aber vor wenigen Tagen erst ganz frisch mit dunkler Farbe bearbeitet wurde. Es riecht entsprechend ganz neu in dem Raum. Die neuen Lampen geben nicht nur ein angenehmes Licht, sie sehen auch deutlich besser aus als die alten Kugelleuchten. Dazu passen die neuen Stühle, die bequemer sind als die alten grünen. Lediglich die Bühne macht keinen frischen Eindruck, denn am Holz sind deutlich große Kratzer zu sehen, die von früheren Veranstaltungen her rühren.

Vor Beginn der Tagungseröffnung stehen die Teilnehmer in Gruppen zusammen. Die Psychotherapiewochen sind auch so etwas wie ein Klassentreffen, bei dem die Teilnehmer alte Bekannte treffen. Natürlich drehen sich die Gespräche auch um die neue Halle. Eine Frau bemängelt den Geruch des Parketts, die anderen haben aber viel Lob.

Fast überall rätseln Teilnehmer, ob der Saal der gleiche ist wie früher oder vergrößert wurde. Schnell merken sie, dass dort genauso viele einen Platz finden wie früher. Somit müssen einige Teilnehmer der Eröffnung stehen – auch das ist wie früher. „Ich glaube, dass Neue wurde irgendwie um das Alte herum gebaut“, fasst eine Teilnehmerin den Umbau richtig zusammen.

Wolfgang Merkle, zweiter Vorsitzender der Vereinigung für psychotherapeutische Fort- und Weiterbildung, darf als Veranstalter als Erster ans Rednerpult. Er beweist, dass die Akustik gut ist. Die geliehene Lautsprecheranlage funktioniert einwandfrei. „Es ist geschafft! Gerade auf den letzten Drücker ...“, sagt Merkle und dankt OB Gerhard Ecker und LTK-Chef Carsten Holz für Einsatz und Arbeit. Der weitgereiste Tagungsteilnehmer vergleicht die Inselhalle mit dem Centre Pompidou in Paris und lässt offen, ob das ein Lob sein soll.

Nach zwei Jahren im Zelt auf der Hinteren Insel eröffne die neue Halle den Psychotherapiewochen ganz neue Möglichkeiten. Wie wichtig die Tagung für Lindau ist, macht die Zahl der Teilnehmer deutlich: In beiden Wochen haben sich jeweils mehr als 2000 Teilnehmer angemeldet. Früher wäre die Tagung damit ausgebucht gewesen, heuer wäre nach Worten von Kristin Krahl von der Geschäftsstelle der Psychotherapiewochen noch Platz für 200 zusätzliche Teilnehmer.

OB Ecker gibt das Lob an die Mitarbeiter weiter

Als „Held des Abends“ bezeichnet Merkle Lindaus OB Ecker, der sich aber nicht als Held fühlen mag: Er sei nur einer der vielen Lindauer, die für die neue Halle gearbeitet haben: „Ich weiß, dass unsere Mitarbeiter hier Tolles geleistet haben.“ Ecker hob die Vorzüge der neuen Halle hervor: Sie sei größer, komfortabler und technisch besser ausgestattet. „Die Lage der Halle ist einzigartig“, auch wenn die Teilnehmer die Vorzüge des Seefoyers mit direktem Zugang zum Kleinen See erst im kommenden Jahr spüren werden. Ecker dankte dem Freistaat Bayern für die Fördergelder und hob namentlich den früheren Ministerpräsident Horst Seehofer hervor.

Professor Peter Henningsen, der mit Verena Kast wissenschaftlicher Leiter der Psychotherapiewochen ist, kam die Halle neu und vertraut zugleich vor. Er bat um Nachsicht, wenn nicht gleich alles klappen werde. Henningsen hob das „außerordentliche Engagement“ der Stadt und der LTK hervor, die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der Tagung und Lindau sei „exzellent“ gewesen. Aus Anlass der neuen Halle habe man auch das Logo der Psychotherapiewochen und den Internetauftritt modernisiert – aber auch da klappe nicht alles von Anfang an.

Verena Kast bekannte, dass sie große Erwartungen auf die neue Inselhalle richte: „Der Raum ist größer, heller – was macht das mit uns?“ Sie erinnerte an jahrelange Verhandlungen zwischen Tagungsleitung und Stadt Lindau und dachte an das Bangen bis zuletzt: „Das Fortschreiten des Baues und das Fortschreiten der Zeit waren nicht ganz synchron.“ Aber die Zuversicht des LTK-Chefs Carsten Holz habe sie immer wieder überzeugt.

Hinter den Kulissen improvisieren die LTK-Mitarbeiter

Vor Beginn des ersten Tagungstages Montagfrüh sagt Kast im Gespräch mit der LZ, dass alles sehr gut angefangen habe. Zwar gebe es hie und da Kleinigkeiten zu verbessern, doch daran arbeiten Holz und sein LTK-Team. Holz spricht von viel Improvisieren hinter den Kulissen. Insgesamt aber ist er froh, dass die Haustechnik gut funktioniert. Tatsächlich ist es in der Halle angenehm warum, auch wenn einzelne Teilnehmerinnen lieber Tücher umlegen oder Pullover anziehen. Andere sitzen dagegen im T-Shirt da.

Kristin Krahl berichtet, wie wichtig die zusätzlichen Räume in der Halle sind: „Die Halle ist super!“ Dies gilt umso mehr, weil bisher genutzte Räume im Hospiz, im katholischen Pfarrheim oder im BFZ heuer nicht zur Verfügung stehen. Auch das Alte Rathaus könnten die Psychos nicht in dem Umfang nutzen wie früher, weil dort in der kommenden Woche zum Beispiel die Stadtratssitzung stattfindet. Vor allem angesichts der Aussicht, dass in den kommenden Jahren noch mehr Teilnehmer nach Lindau kommen, sucht Krahl weiter nach möglichen Veranstaltungsräumen. „Aber wir sind das ja gewohnt.“

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