13. Drei-Länder-Marathon von Lindau nach Bregenz – Gewinner benötigt viel Hilfe

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Charles Ndiema hilft dem Sieger Patrik Wägeli wieder hoch. Später jubelten sie gemeinsam.
Charles Ndiema hilft dem Sieger Patrik Wägeli wieder hoch. Später jubelten sie gemeinsam. (Foto: Fotos: dedeleit/Flemming)
Jochen Dedeleit

Charles Juma Ndiema erwies sich wahrhaft als Gentleman: Der Kenianer war als Tempomacher für den Schweizer Patrik Wägeli vorgesehen und erfüllte diesen Job perfekt – mehr noch: Ndiema trug den Eidgenossen vom LC Frauenfeld beim Lindauer Drei-Länder-Marathon fast über die Ziellinie, half ihm danach wieder auf und gab lange vor Wägeli die „Sieger-Interviews“.

In 2:17,51 Stunden wird freilich der neue Schweizer Meister Wägeli als Sieger des 13. Sparkasse-Drei-Länder-Marathons geführt, zeitgleich wurde der Tempomacher Zweiter. Lukas Stähli (Aargau) überquerte die Ziellinie im Bodensee-Stadion in Bregenz in 2:23,38 Stunden als Dritter. Sandra Urach (Im Wald läuft’s), die schnellste Frau, benötigte 2:42,33 Stunden.

Die Bregenzerwälderin, die als Vorjahressiegerin die große Favoritin war, war wiederum ohne Konkurrenz. Rund zehn Minuten später erst kam die neue Schweizer Titelträgerin Natascha Baer ins Ziel (2:52,27), gefolgt von ihrer Landsfrau Nina Meier (2:58,19).

Ich bin aber auch an meine Grenzen gegangen, das war das Maximum.

Sandra Urach

Für Sandra Urach war es bei der größten Breitensportveranstaltung der Bodenseeregion, an der dieses Mal 8000 Teilnehmer aus 53 Nationen an den Start gingen (davon 1200 am Marathon und 2500 Kinder tags zuvor), ein wahrer Festtag: Vorjahreserfolg wiederholt, Vorarlberger Meisterin, neue Landesrekordhalterin.

„Ich bin aber auch an meine Grenzen gegangen, das war das Maximum. Ab Kilometer 30 bin ich auf den Rekord losgegangen, nachdem ich von den letzten Strapazen nichts gemerkt habe“, so die 43-Jährige.

Aber ich bin zu schnell angelaufen und so wurden die letzten zwölf Kilometer extrem hart.

Sandra Urach

Nicht zufrieden mit seinem Auftritt war Patrik Wägeli, als er nach den 42,195 Kilometern von Lindau über St. Margrethen nach Bregenz wieder zu Kräften gekommen war. „Ich wollte etwa 2:14 laufen, um im besten Fall das Olympialimit (2:11,30) für Tokio 2020 zu erreichen. Aber ich bin zu schnell angelaufen und so wurden die letzten zwölf Kilometer extrem hart“, so „The fastest farmer“, wie sich der 28-Jährige selbst nennt. In Sevilla oder Zürich soll die Olympiaqualifikation nun im Frühjahr doch noch gelingen.

Zur Erklärung: Die Schweiz trägt beim Drei-Länder-Marathon auch die Landesmeisterschaft aus. Da es da nicht nur um Zeiten, sondern auch um Punkte für die Platzierungen geht, wäre die Qualifikation für Olympia da etwas leichter.

Rennleiter Günter Ernst kommt das System, das der Schweizer Wägeli für sich nutzen wollte, sehr gelegen. „Der Mehrwert ist höher, wie wenn ich eine 2:16 in Berlin laufe, wo ich mit dieser Zeit sicher nicht gewinnen kann.“

Unser Ziel bleibt: wir wollen alle drei nationalen Meisterschaften hierher holen.

Rennleiter Günter Ernst

Der Feldkircher weiß: Funktioniert das System, ist die Außenwirkung groß und es kommen in Zukunft sehr viel mehr Spitzenläufer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an den Bodensee. „Unser Ziel bleibt: wir wollen alle drei nationalen Meisterschaften hierher holen.“

In diesem Fall ist es ein Gentlemen’s Agreement, den Topläufer zu unterstützen und ihm den Sieg zu überlassen.

Rennleiter Günter Ernst

Für den 48-Jährigen waren die Bedingungen gestern „sehr gut, wenn man es etwas kühler mag“. Zur Situation an der Spitze meinte Ernst: „Charles wurde als Pacemaker angeheuert. Er sollte bei Kilometer 30 aussteigen, wollte dann aber weiterlaufen. In diesem Fall ist es ein Gentlemen’s Agreement, den Topläufer zu unterstützen und ihm den Sieg zu überlassen.“

50. Marathon am 50. Geburtstag

4000 Laufbegeisterte machten sich 45 Minuten nach dem Marathon zum Halb- und Viertelmarathon auf. Den Viertelmarathon entschieden Sabine Hauswirth (Schweiz/38:51) und Leon Pauger (Österreich/35:47) für sich, den Siegerpokal beim Halbmarathon sicherten sich Michele Gantner (Liechtenstein/1:15,46) und Nando Baumann (Schweiz/1:09,58).

Auf sich aufmerksam machte im Marathon Stefan König aus Limburgerhof, der am Sonntag seinen 50. Geburtstag feierte und just an diesem Tag in 3:44,54 seinen 50. Marathon lief. Ebenfalls dabei war Autor und Anwalt Dane Rauschenberg (3:11,49), der 2006 52 Marathons lief, einen davon jedes Wochenende.

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