ÖDP will eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft

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Lindauer Zeitung

Eine Wirtschaft, die sich am Gemeinwohl orientiert und nicht am Eigennutz, ist das Ziel der ÖDP. Darüber hat Günter Grzega bei einem Wahlkampfauftritt vor der Europawahl in Lindau gesprochen.

„88 Prozent der Deutschen wünschen sich eine andere Wirtschaftsordnung“, zitierte Grzega eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, „eine Abkehr vom Neoliberalismus, der unsere demokratische Grundordnung zerstört“. So eröffnete der Wirtschaftsexperte seinen Vortrag „Gemeinwohl-Ökonomie statt Neoliberalismus“ vor 30 Zuhörern. Die neoliberale Ideologie habe unbegrenztes Wachstum und den Profit ohne Rücksicht auf Menschen zum Ziel. „Diese Wirtschaft tötet“, bewerte selbst Papst Franziskus den Neoliberalismus in einem Lehrschreiben.

Dem stellte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank München das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie gegenüber. Der Referent freute sich, dass die ÖDP als einzige Partei die Gemeinwohl-Ökonomie voll in ihr Programm aufgenommen habe. Diese andere Art der Wirtschaft stelle den Menschen in den Vordergrund und ziele auf eine gerechtere Verteilung der Güter. Grzega sprach von einer Ökonomie der „balancierten Ungleichheit“. Nicht jeder müsse genau das Gleiche haben, aber alles müsse in einem ausgewogenen Verhältnis sein. In der Realität sehe es in Deutschland aber derzeit ganz anders aus: 36 Milliardäre haben nach seinen Worten genauso viel Vermögen wie 40 Millionen Deutsche an der unteren Einkommensskala. Oder anders: Die untere Hälfte der Deutschen besitze nicht mehr als ein Prozent des gesamten Vermögens in Deutschland.

Unternehmer hätten ein neues Wirtschaftsmodell entwickelt mit dem Ziel, Wirtschaft und Gesellschaft zu einer gemeinwohlorientierten öko-sozialen Marktwirtschaft umzubauen. Was in der Bayerischen Verfassung steht, müsse endlich als Auftrag verstanden werden. In Artikel 151 heißt es: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl.“

Modell soll ins Europäische Parlament getragen werden

Alles Handeln, egal ob von Unternehmen, Kommunen, Politik oder Privatpersonen, müsse nach den Grundsätzen abgeprüft werden: Dient es den Menschen? Dient es der Umwelt? Dient es dem Frieden? Unternehmen und Kommunen könnten mit Hilfe einer zertifizierten Gemeinwohl-Bilanz nachweisen, dass sie nach den Grundsätzen der Gemeinwohl-Ökonomie handeln. Im Internet könne man alle Anforderungen einer solchen Zertifizierung einsehen. Die Idee habe sich seit 2011 zu einer Bewegung in Europa und sogar in Afrika entwickelt, nun gelte es, sie bei der anstehenden Wahl ins Europäische Parlament zu tragen. Immerhin hätten schon 500 Unternehmen und Organisationen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, knapp 60 Gemeinden und Städte und 200 Hochschulen betrachten die Gemeinwohl-Ökonomie als Modell für eine gelingende Zukunft. Die ÖDP hofft, dass Lindau die zweite Gemeinwohl-Kommune in Bayern wird, denn auch Lindau soll die Zertifizierung anstreben.

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