Neues Fahrzeug ist einsatzbereit und gesegnet

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Jugendpfarrer Johannes Prestele segnet das neue Fahrzeug mit Weihwasser und spricht schöne Worte.
Jugendpfarrer Johannes Prestele segnet das neue Fahrzeug mit Weihwasser und spricht schöne Worte. (Foto: Fotos: Susi Donner)
Susi Donner

Vier wunderschöne und friedliche Festtage mit vielen Höhepunkten sind am Sonntagabend in Hergensweiler zu Ende gegangen. Am Donnerstag hat das Hergensweilerfest mit einer gemütlichen Rockparty begonnen, am Freitag fetzten die Lederrebellen das rappelvolle Zelt. Der Samstag hat traditionell den Kindern gehört, und am Sonntag haben die Floriansjünger des Dorfes einen ganz eigenen und besonders festlichen Akzent gesetzt.

Nach den heißen Partynächten war der Freiluft-Festgottesdienst am Dorfbrunnen ein starker Gegensatz – aber ganz sicher kein Widerspruch sondern eine wohltuende Ergänzung. Sozusagen eine Party für die Nächstenliebe und die Feuerwehr. Denn der Anlass für den außergewöhnlichen Gottesdienst stand groß, ruhig, blumengeschmückt und glänzend neben dem Festplatz: das nagelneue HLF 20, das Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Hergensweiler, mit Platz für 2000 Liter Wasser, das an diesem Tag gesegnet werden sollte. Und so stand auch die Predigt von Jugendpfarrer Johannes Prestele, mit dem Gleichnis vom irdisch reichen aber dummen Mann, ganz im Zeichen des selbstlosen Einsatzes. Immer „ich“ und „mein“, so funktionieren das Leben und die Gemeinschaft nicht. Papst Franziskus habe auf dem Jugendkirchentag vom „Sofaglück“ gesprochen. Vom eigensüchtigen Leben auf dem Kanapee, einer bequemen, sicheren Gemütlichkeit, die viele mit dem Glück verwechseln. Der Papst wünschte sich eine Jugend, die das Sofa mit robusten Boots eintauscht. „Und heute passt noch besser: mit Feuerwehrstiefeln, statt Botschen (allgäuerisch für Hausschuhe)“, ergänzte Prestele. Denn wer das Sofa mit dem Glück verwechsle, verpasse sein eigenes Lebensglück. Und damit meine er nicht den erfrischenden Mittagsschlaf. „Jeder kennt so Tage, an denen man es sich ruhig gemacht hat. Nur so für sich. Das ist ja auch ab und zu in Ordnung. Aber abends fragt man sich, ob das nun wirklich alles gewesen ist. Wo der Sinn lag.“ Das könne den Feuerwehrleuten – die ja Jünger seien, eben Floriansjünger – nicht passieren. Sie werden zum Einsatz gerufen, ob es nun gerade passt oder nicht. „Ihr seht Leid und Not. Ihr seid berührt und erschrocken. Aber wie sinnstiftend ist es doch, seine Zeit anderen zu schenken. Wir sind euch sehr dankbar dafür“, so Prestele. Der Gottesdienst wurde von der Musikkapelle Hohenweiler mit berührenden Stücken begleitet und von der Feuerwehr mitgestaltet.

Prestele segnete das neue HLF 20 und alle Floriansjünger ausgiebig mit viel Weihwasser. Bürgermeister Wolfgang Strohmaier stellte die Verbindung zum diesjährigen Kinderfestmotto her, das ganz zufällig auch „Glück“ hieß. Es mache sicher glücklich, sich für andere einzusetzen. „Und wir haben Glück, dass wir in Hergensweiler viele Menschen haben, die dies tun.“ Er erinnerte daran, dass die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe der Gemeinde erfülle.

Das HLF 20 habe 440 000 Euro gekostet. 140 000 Euro davon werden gefördert. „Es über eine europaweite Ausschreibung zu bekommen, war ein unglaublich bürokratischer Aufwand, den wir nur mithilfe des damaligen Kreisbrandrates Friedhold Schneider und weiteren Helfern geschafft haben. Das hätte ich so nie erwartet“, erzählte Strohmaier. Das Prachtstück – eine Sonderanfertigung in Sammelbestellung mit Oberreute, um Kosten zu sparen – haben sie selber in Leonding (Oberösterreich) beim Hersteller Rosenbauer abgeholt. „Bislang dachte ich, ein Feuerwehrfahrzeug ist ein rotes Auto mit Blaulicht und vielen Schläuchen. Heute weiß ich: Es wird maßgeschneidert auf die Bedürfnisse.“ Kommandant Markus Endritz, sein Stellvertreter Christoph Hess, Johannes Schneider, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, und Gerätewart Christoph Ehrle hätten jedes einzelne Teil und Detail wohlüberlegt und eigenhändig geprüft. Neben Familie und Beruf. „Das war ein Wahnsinnsaufwand. Vielen Dank und allergrößten Respekt“, sagte Strohmaier. Das HLF 20 sei ein Meilenstein in der Feuerwehrgeschichte Hergensweilers. „Achtet immer gut auf euch, und kommt immer heil von euren Einsätzen zurück“, bat das Gemeindeoberhaupt.

Kein Spielzeug, sondern Lebensretter

„Ein Feuerwehrlöschzug besteht aus einer Mannschaft und aus dem Gerät. Hergensweiler hat nun beides in bester Qualität“, sagte der neue Kreisbrandrat Wolfgang Endres. Das HLF 20 sei die Königsklasse unter den Feuerwehrfahrzeugen. „Es ist keine Anschaffung für die Feuerwehr, damit sie etwas zum Spielen hat, sondern für die Bürger, denen damit in Not bestmöglich geholfen werden kann“, betonte er.

„Ich bedanke mich als Kommandant und als Bürger für das HLF 20. Es ist eine große Wertschätzung für uns“, sagte Kommandant Markus Endritz und schloss mit den Worten: „Allzeit gute Fahrt. Gott zur Ehr. Dem Nächsten zur Wehr.“

Dem Festakt folgte der Umzug ins Festzelt zum Frühschoppen mit der Musikkapelle Maria-Thann. Am Nachmittag wurde das neue und frisch gesegnete Hilfeleistungs-öschgruppenfahrzeug in einem festlichen Umzug von den umliegenden Musikkapellen, Feuerwehren und den Vereinen der Gemeinde durchs Dorf und wieder zum Festzelt begleitet, wo das Hergensweilerfest mit der Musikkapelle Röthenbach fröhlich weiterging und schließlich mit OHO – Die Blasmusik bei schönem Wetter gemütlich ausklang.

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