„Jetzt können wir wieder im Dorf einkaufen“

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Bürgermeister Wolfgang Strohmaier freut sich über das erreichte Etappenziel der Gemeindeentwicklung.
Bürgermeister Wolfgang Strohmaier freut sich über das erreichte Etappenziel der Gemeindeentwicklung. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Hergensweiler - Der neue Netto-Marken-Discount öffnet am kommenden Dienstag, 20. August, in Hergensweiler nach weniger als einem Jahr Bauzeit. Er liegt gut sichtbar und erreichbar am Kreisel in Richtung Wangen, und ein großes Plakat verspricht „zehn Prozent auf alles zur Neueröffnung“.

Lange Zeit gab es in Hergensweiler nur die Bäckerei und die Tankstelle – mit einem überraschenden Sortiment für die Notversorgung. Aber eben keinen Lebensmittelladen. „Nun ist die Nahversorgung unserer Gemeinde auf Jahre gesichert“, sagt Bürgermeister Wolfgang Strohmaier. „Für den Standort gab es eigentlich nur diese eine Möglichkeit an der Ortsausfahrt Richtung Wangen. Denn an der Ortseinfahrt von Lindau kommend soll ja, das hoffe ich immer noch, unsere Einrichtung für demenzkranke Menschen errichtet werden. Und da kann man nicht einfach vom Grundstück ein paar tausend Quadratmeter abzwacken, sonst wäre das Projekt hinfällig gewesen“, sagt Strohmaier und betont, dass der Wunsch des Investors nach einer 1-A-Lage völlig legitimes kaufmännisches Denken sei.

„Natürlich wäre es auch schön gewesen, wenn wir einen florierenden Dorfladen bekommen hätten. Aber das ist halt eine romantische Vorstellung, und das Risiko ist groß. Wir hätten dafür keine passende Örtlichkeit gehabt, wir hätten einen Betreiber gebraucht und ehrenamtliche Mitarbeiter. So ein Dorfladen trägt sich nicht anders. Deshalb ist es mir recht, dass ein professioneller Unternehmer kommt, auch wenn das weniger romantisch ist.“

Die Gemeinde erwarb das Grundstück von der Pferdekoppel bis zu dem Weg, der zum darüber liegenden Anwesen führt, von privat, und verkaufte einen Teil davon an den Investor Peter Hinderer, der Supermärkte plant und vermietet – in diesem Fall eben an Netto. Laut Strohmaier ein sehr netter und umgänglicher Mensch. Die Erschließung des Grundstücks sei relativ aufwendig gewesen. „Aber alle Behörden haben gut zusammengespielt. Sowohl das Straßenbauamt als auch das Landratsamt in den Bereichen Naturschutz, Baurecht und Wasserrecht als auch das Wasserwirtschaftsamt selber“, sagt Strohmaier. Die Erschließungskosten sind entsprechend der gesetzlichen Vorgaben vom Investor übernommen worden, und der Neubau biete für Hergensweiler weitergehende positive Entwicklungschancen.

Der Gemeinde gehört die Straße, die vom Kreisverkehr abführt, und sie hat zudem das benachbarte Grundstück gekauft, das inzwischen eine schöne Innerortslage habe, die sich für vielfältige Bebauung eigne. Der nächste Gemeinderat werde entscheiden, ob und wie es bebaut wird. Eine Machbarkeitsstudie des Büros Sieber zur Schallemission für die Lage zwischen Bundesstraße und Bahn gebe es bereits. Außerdem stehe ein Betrag von 40 000 Euro im Haushalt für die Öffnung des Riegersbaches, der an dieser Stelle verrohrt ist, zur Verfügung. „Wir wollen ihn naturnah gestalten und daran entlang einen Fußweg einrichten, zwischen Altmannstraße und Netto. Dann muss man aus dem Dorf heraus gar nicht mehr auf die B 12, um zum Netto zu gelangen“, sagt Strohmaier.

Bis es soweit ist, habe die Gemeinde, mit Zustimmung des Straßenbauamtes, den maroden Fußweg gegenüber der Tankstelle saniert, damit Kunden auch zu Fuß zu Netto kommen. Dass der große alte Baum vor dem Kreisel gefällt wurde, habe „entgegen vielfach falscher Äußerung hier im Dorf“ nichts mit Netto zu tun. „Der Baum war krank, und das Straßenbauamt hat ihn aus Verkehrssicherungsgründen gefällt. Der wäre irgendwann gefährlich geworden“, sagt Strohmaier.

In der Bevölkerung erhalte der neue Supermarkt viel Zustimmung. Die Leute freuen sich vor allem, dass es wieder eine Möglichkeit gibt, im Dorf einzukaufen. „Wir finden es grundsätzlich sehr gut, dass es in Hergensweiler wieder einen Lebensmittelladen gibt. Als Familie mit zwei berufstätigen Elternteilen freut man sich über jeden kurzen Weg“, sagt Ingrid Spähn. Birgit Ehrle meint: „Meine Kinder finden das klasse. Ich selbst bin beim Einkaufen allgemein eher kritisch, versuche, regionale Produkte zu kaufen und auf Plastik so gut es geht zu verzichten. Ich kenne keinen neuen Netto und hoffe einfach, dass der in Hergensweiler gut ist. Ich lass mich überraschen. Wenn das Angebot zu meinen Ansprüchen passt, werde ich da auch einkaufen. Aber sicherlich kein Fleisch. In erster Linie freue ich mich für die ältere Generation, dass sie im Dorf nun wieder ihre Einkäufe erledigen kann. Ich bin gespannt, ob der neue Markt angenommen wird.“

Was fehlt jetzt noch in Hergensweiler? „Ein Arzt. Aber das wird erst etwas, wenn wir auch Räume anbieten können. Das habe ich inzwischen gelernt: ohne Raum kein Arzt“, sagt Strohmaier. Und das könne im Zuge des Umbaus und der Sanierung des Rathauses verwirklicht werden. Dabei sind Räume geplant, die als Wohnung, Büro oder Praxis geeignet sind, und das Rathaus bekommt einen Aufzug und wird damit barrierefrei. „Vorerst freue ich mich über den riesigen Erfolg, dass wir jetzt einen Supermarkt bekommen haben.“

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