Gemeinde sagt: „Auf Wiedersehen Pater Joachim und Pater Igo“

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Pfarrer Peter Zitta, Dekan Thomas Renftle, Diakon Franz Pemsl, Pater Joachim Lang, Diakon Josef Wetzel und Pater Bernhard Anderl
Pfarrer Peter Zitta, Dekan Thomas Renftle, Diakon Franz Pemsl, Pater Joachim Lang, Diakon Josef Wetzel und Pater Bernhard Anderl (von links) sprechen bei der letzten Heiligen Sonntagsmesse, die Pater Joachim in der Pfarrgemeinde St. Ambrosius feiert, gemeinsam den Friedensgruß. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Wenn sich aus der Größe und Länge einer Abschiedsfeier die Beliebtheit eines Menschen und der Kummer über dessen Weggehen ablesen lassen, dann vermisst die Pfarrgemeinde St. Ambrosius ihren Pater Joachim Lang schon jetzt schmerzlich, bevor er überhaupt abgereist ist, und ihren Pater Igo Gassner, der aus gesundheitlichen Gründen nicht am Fest teilnehmen konnte.

Das Gotteshaus ist bis auf den letzten Platz besetzt. Am Altar steht Pater Joachim Lang und hält seine letzte Sonntagsmesse in der Pfarrgemeinde St. Ambrosius in Hergensweiler. Am 1. März wird er in Ruhestand gehen und nach München in ein Haus der Priestergemeinschaft ziehen. An seiner Seite zelebrieren Dekan Thomas Renftle, Pfarrer Peter Zitta, Pfarrer Bernhard Anderl sowie die beiden Diakone Josef Wetzel und Franz Pemsl die Heilige Messe. Festlich klingt der Gesang des Chores zur Orgel und dem Spiel der Musikkapelle.

Vor fast 34 Jahren, am 1. Mai 1985, habe eine ebenso feierliche Messe samt Fest stattgefunden, erinnert Pater Joachim. Auf einem der Bilder sei unter anderem der damalige Bürgermeister Theo Bihler zu sehen. Der sei damals mit einigen Mitgliedern des Pfarrgemeinderats nach Augsburg gefahren, zu Bischof Josef Stimpfle, und habe ihn um einen Pfarrer bekniet. Denn bereits damals sollte Hergensweiler eigentlich keinen eigenen Pfarrer mehr bekommen.

Über 33 Jahre lang war die Pfarrgemeinde St. Ambrosius dank Bihlers Einsatzes von Priestern der katholischen integrierten Gemeinde gut betreut. Nach dem Abschied von Pater Joachim und Pater Igo wird Hergensweiler am 1. März offiziell in die Pfarreiengemeinschaft Weißensberg aufgenommen. Das sei ein guter Schritt, denn der Boden sei bereitet. Begleitet von den beiden Diakonen und den engagierten Pfarrgemeinderat, sei nun jeder Einzelne mehr denn je aufgerufen, sich für ein christliches Leben in der Gemeinde einzusetzen. „Der Auftrag wächst“, gab auch Pater Zitta zu bedenken. „Der rote Faden der Glaubensgeschichte ist nur über Personen zu erkennen. Wir sind nicht nur für uns da.“ Zitta vergleicht den Glauben mit einem Fußballspiel. „Der Glaube ist ein Mannschaftsspiel. Und jeder darf sich angesprochen fühlen vom Auftrag Gottes: He, Du bist gemeint!“

Wir sind Freunde geworden

Nach dem festlichen Gottesdienst lädt Christine Schega vom Pfarrgemeinderat die versammelte Festgemeinde in die Leiblachhalle ein, wo sie bis zum späten Nachmittag weiter feiert, mit einem Festessen, mit Aufführungen verschiedener Kindergruppen, einer Bildershow und vielen Dankesworten. „Wir haben zwar zu einem Abschiedsfest eingeladen, aber eigentlich ist es ein Dankesfest“, sagt Schega. Am 1. Mai 1985 habe die katholische integrierte Gemeinde die Betreuung der Pfarrgemeinde übernommen. Zuerst mit den Pfarrern Peter Zitta, Igo Gassner und Georg Purzer. Zitta und Purzer seien aber für die integrierte Gemeinde „viel in der Weltgeschichte herumgefahren“, und so sei vor genau 33 Jahren Pater Joachim dazugekommen, „der uns treu geblieben ist.“

Weitere Pfarrer kümmerten sich ebenfalls um die Pfarrgemeinde, „es war immer spannend, wer denn wohl die Messe halten würde.“ Pater Joachim habe mit wenigen Ausnahmen immer am Dienstag sein Köfferchen gepackt und sei nach Bad Tölz in das Verlagshaus der integrierten Gemeinde gefahren, denn sein zweiter Beruf ist im fotografischen Bereich zu finden. Und am Freitag, zur Abendmesse, sei er wieder da gewesen. „Nun ziehst Du nach München. Lieber Joachim, Du warst für uns nicht nur der Priester vor Ort. Wir haben gemeinsam viel erreicht, überlegt, geplant, diskutiert. Wir waren nicht immer einer Meinung. Mal hat der eine nachgegeben, mal der andere. Weil wir immer ein gemeinsames Ziel vor Augen hatten: Gott zu dienen. Darüber sind wir Freunde geworden. Vielen Dank für alles.“ Die Augen von Christine Schega glänzen, als sie nun zu Pater Joachim geht und ihn umarmt.

Die Pfarrgemeinde St. Ambrosius ist in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten eng mit der katholischen integrierten Gemeinde verknüpft gewesen. Deren Hauptaufgabe ist der Aufbau der Schule in Mikese in Tansania. Pfarrer Bernhard Anderl, der 1989 seine Primiz in St. Ambrosius gefeiert hat, erzählt, dass sich eine Gemeinschaft von großer Strahlkraft entwickelt habe, dass die Pfarrgemeinde St. Ambrosius den Auftrag mitgelebt, finanziell unterstützt und sogar vor Ort in Tansania mitgearbeitet habe. Diese Verbundenheit solle bestehen bleiben. Ein gutes Beispiel sind die Sternsinger, die unter der Leitung von Claudia Herbert in diesem Jahr 6300 Euro für Tansania gesammelt haben. Bürgermeister Wolfgang Strohmaier macht Pater Joachim ein Abschiedsgeschenk der weltlichen Gemeinde: eine Fahrt auf dem Dampfschiff Hohentwil, das zu der Zeit restauriert wurde, als Pater Joachim nach Hergensweiler kam. „In der Hoffnung, dass wir uns sehen, wenn Sie zu Besuch an den See kommen.“

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