Das Wohl von Hergensweiler steht bei allen an erster Stelle

Lesedauer: 7 Min
 Sie kandidieren für den Gemeinderat in Hergensweiler.
Sie kandidieren für den Gemeinderat in Hergensweiler. (Foto: isa)
Isabel de Placido

Wenn am 15. März der Gemeinderat samt Bürgermeister gewählt werden soll, haben die Bürger von Hergensweiler die Qual der Wahl. Denn abgesehen davon, dass es mit Bürgermeister Wolfgang Strohmaier und seinem Herausforderer Johannes Schneider zwei Kandidaten für das Bürgermeisteramt gibt, stehen insgesamt 19 Gemeinderatskandidaten für nur zwölf Gemeinderatssitze zur Wahl. Kein Wunder also, dass sich bei der Kandidatenvorstellung der Gemeinschaftsliste um die 150 Bürger ein Bild gemacht haben und erkennen mussten, dass die Kandidaten bei aller Unterschiedlichkeit das Gleiche für Hergensweiler wollen: dass das Dorf lebenswert bleibt. Allerdings positionierten sich die meisten Kandidaten klar zum angedachten Demenzdorf.

Insgesamt sind es 19 Kandidaten, die die Bürger bereits bei der Aufstellungsversammlung im Juli vergangenen Jahres gewählt haben. Von diesen 19 Kandidaten sind sieben bereits im Gemeinderat, 15 davon sind Männer und vier Frauen. „Schade, dass es so wenig Frauen sind“, bedauerte Bürgermeister Wolfgang Strohmaier, der sich als Bürgermeisterkandidat der Gemeinschaftsliste ebenfalls an diesem Abend vorstellte. Wohingegen sein ebenfalls anwesender Herausforderer Johannes Schneider kein Rederecht erhalten hatte, weil er, wie Josef Kohl erklärte, eben nicht von der Gemeinschaftsliste nominiert worden war.

Amtsinhaber Strohmaier versicherte den künftigen neuen Gemeinderäten, dass für sie vorgesorgt sei. Der alte Gemeinderat habe extra ein erhöhtes Budget in den Haushalt 2020 eingestellt, damit alle neuen Räte geschult werden könnten. In seiner Vorstellung hob Strohmaier die wichtigsten Erfolge seiner Amtszeit hervor: „Wir schaffen seit Jahren die Grundlage für schlechtere Zeiten, wir lösen einen gewissen Investitionsstau auf und bringen neue Technologien auf den Weg.“ Wie bereits in der Vergangenheit wolle er sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass Hergensweiler zwar moderner werde, aber dennoch seinen dörflichen Charme und Charakter behalte. Deshalb plädierte er dafür, wieder beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ mitzumachen.

Die Gemeinderatskandidatenvorstellung startete mit Albert Wagner. Der 59-jährige Vater dreier Kinder, der von 2008 bis 2014 schon einmal im Gemeinderat war und Mitglied bei der Feuerwehr und im Musikverein ist, steht für eine maßvolle Erweiterung des Dorfes, will die Vereine unterstützen und Investitionsstaus vermeiden. Zudem will der Elektromeister den neuen Vereinsbus zum „Bürgerbus“ ausbauen und die Kulturangebote erweitern. Die Vereine sind es denn auch, die der Mehrheit der Kandidaten am Herzen liegen, weil diese nicht nur die Seele des Dorfes sind, sondern auch der Integration von Zuzüglern dienen.

Doch auch eine moderate Weiterentwicklung des Dorfes liegt vielen am Herzen. So wie dem 61-jährigen ehemaligen Textilunternehmer und heutigen Flugkapitän Richard Scheerer, der aber gleichzeitig dafür eintritt, dass Hergensweiler seinen dörflichen Charakter nicht verliert. Das wollte und will auch Michael Rehm. „Wachstum ja, aber nur mit Bedacht“, betonte der 54-Jährige, der bereits Gemeinderat ist und deshalb erneut antritt. Rehm tritt dafür ein, dass mit weiterer Wohnbebauung und neuer Ausweisung von Gewerbegebieten erst mal Schluss ist. Dagegen kann sich Michael Schittenhelm als Geschäftsführer einer Tinyhouse-Firma vorstellen, dass in Hergensweiler eine ebensolche Siedlung für diese mobilen Minihäuser entsteht, wie in Kißlegg. Während sich der 48-jährige Jürgen Kiebele für ein „zukunftsorientiertes Dorf“ stark machen will, packte der 36-jährige Michael Bihler das in Worte, was letztendlich alle anderen Kandidaten auch meinten: „Die Allgemeinheit und das Wohl vom Dorf steht an erster Stelle.“ Darüber hinaus will der Familienvater mehr Bäume pflanzen, einen Arzt nach Hergensweiler holen und das Dorf nachhaltig entwickeln. Auch die 51-jährige Constanze Heim will sich unter anderem für einen Arzt stark machen. Hatte ihr Kollege Michael Rehm gesagt, dass er sich wegen des Demenzdorfs noch unschlüssig sei, weil noch viele Fakten unklar wären, betonte Heim, dass sie diesem sozialen Projekt gern eine Chance geben würde, jedoch Einwände ernst nehmen wolle. Dagegen sprachen sich Edgar Vosseler, Christiane Schneider und Gemeinderat Bernhard Merkel klar für das Demenzdorf aus. Dem amtierenden Gemeinderat Frank Wawrzyniak ist wichtig, dass sich das Dorf wegen dieses Themas nicht spaltet. Und sein Kollege Gerhard Kern spricht sich klar dagegen aus. Wegen des hohen Flächenverbrauchs und weil ein Dorf im Dorf entstehe, dies sind nur zwei von mehreren Gründen, die er Josef Kohl verlesen lässt, weil er selbst verhindert ist. Dagegen steht Gemeinderat Alfred Biesenberger ganz klar für das Demenzdorf. Ebenso wie Sibylle Englmann, die als Geologin zudem auch für den Umweltschutz sowie einen „funktionierenden öffentlichen Nahverkehr“ eintritt. Mitgestalten will auch Ralf Uecker, und Dominik Pemsl will weiterführen und ausbauen, was frühere Gemeinderäte begonnen haben.

Stefan Kurras will sich zu den Themen Bauhof und Bauarbeiten rund ums Dorf einbringen, ebenso wie Bauingenieur Martin Heimpel sein Wissen um die Baubranche. Und den Themen Kinder und Jugendliche will sich insbesondere die amtierende Gemeinderätin Bettina Bader weiter annehmen.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen