Hergatzer Helferkreis berichtet von Integrationsarbeit

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Zehn Hergatzer sind im Helferkreis für Flüchtlinge aktiv, sieben kamen jetzt zur Gemeinderatssitzung. Von links: Klaus Scheuerl,
Zehn Hergatzer sind im Helferkreis für Flüchtlinge aktiv, sieben kamen jetzt zur Gemeinderatssitzung. Von links: Klaus Scheuerl, Elke Buhmann, Irmgard Wehle-Woll, Tamara Müller, Hemma Kostka, Alexander Kostka und Karl Roder. (Foto: StÜbner)
Maria Luise Stübner

Die eigentliche Arbeit bei der Flüchtlingspolitik und in der Integration von Migranten leisten vor Ort die Helferkreise. Ihr Beitrag zur Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden ist gar nicht hoch genug einzuschätzen – das hat sich jetzt in der Hergatzer Ratssitzung gezeigt, in der Hemma Kostka, Leiterin des Helferkreises Asyl, das Wirken der etwa zehn aktiven Ehrenamtlichen in den vergangenen drei Jahren vorstellte.

„Allen Respekt vor eurer Leistung“, stellte Ratsmitglied Magnus Heidegger fest. Heike Kirchmann schloss sich dem Lob an, fand es toll, was da an vorbildlicher und kontinuierlicher Arbeit geleistet wird. Den einsetzenden Beifall der Räte hat sich der Helferkreis verdient. Mehr als 40 Personen aus Syrien, Palästina, Somalia, dem Gazastreifen, Iran und Afghanistan haben die Mitglieder für unterschiedlich lange Zeit betreut.

Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, weil Krieg herrscht, sie an Leib und Leben bedroht sind, in ihrem Land verfolgt werden oder keine Zukunft sehen. „Wir konnten uns anfangs nur mit den Händen oder einem Lächeln verständigen“, berichtet Kostka von den Anfängen.

Erfahrungen mit den Menschen und Behörden positiv

Die Flüchtlinge seien mit viel Hoffnung gekommen, aber auch mit vielen Fragen und Ängsten. Nach und nach habe sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Mitglieder des Helferkreises gaben und geben Deutschstunden, begleiten die Asylbewerber zu Ärzten, Ämtern und Anhörungen in Augsburg, in Kindergarten und Schule und bei Einkäufen. Die geflüchteten Menschen seien höflich, respektvoll, sehr interessiert, fleißig, überwiegend sehr verlässlich und liebenswerte Menschen, gibt Hemma Kostka ihre Erfahrungen wieder.

Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt würdigt sie als besonders vertrauensvoll und konstruktiv. Drei Familien sind inzwischen weggezogen, eine Familie aus dem Iran kam vor sechs Wochen neu nach Hergatz.

Friedliches Miteinander unter einem Dach

„In der Bregenzer Straße leben unter einem Dach friedlich die unterschiedlichsten Nationen und Religionen zusammen“, betont Kostka. Ein Muslim und ein Christ hätten zwei Jahre in einem gemeinsamen Zimmer gewohnt, ohne dass es irgendwelche Probleme gegeben habe. Den Mitgliedern des Helferkreises sei es ein großes Anliegen, durch ihr Engagement ein konfliktfreies Miteinander von Asylbewerbern und Bürgern in der Gemeinde zu ermöglichen. Man halte es für unbedingt notwendig, dass die Gemeinde mit konkreten Maßnahmen zum erfolgreichen Gelingen beiträgt, so Kostka. Dazu gehöre die Ernennung eines Gemeindevertreters als Ansprechpartner und Bindeglied zwischen Gemeinde, Helferkreis und Landratsamt.

Dritter Bürgermeister Christian Renn wollte hier gleich Nägel mit Köpfen gemacht haben. Zusammen mit Ratskollegin Heike Kirchmann wird er diesen Part übernehmen. Etwas zögerlicher ging es voran bei der Festlegung einer Person aus der Verwaltung als Ansprechpartner für die Belange der Flüchtlinge. Dafür seien eigenlich alle da, meinte Bürgermeister Uwe Giebl.

Erste Station wird nun Jana Psaier im Bürgerbüro sein. Gefragt ist auch die aktive Mitarbeit am Integrationskonzept des Landkreises Lindau. Hier sollen sich auf Vorschlag Giebls die drei Bürgermeister untereinander absprechen.

Wunsch: aktive Hilfe bei Suche nach Wohnraum

Auf der Wunschliste des Helferkreises stand auch die aktive Mithilfe bei der Suche nach Wohnraum, Ausbildungsplätzen und Arbeitsstellen. Hemma Kostka wünschte sich darüber hinaus mehr persönliche Kontakte zwischen Vertretern der Gemeinde, Vereinen, Mitbürgern und Asylbewerbern: „Denn direkte Begegnung baut Ängste ab und räumt Vorurteile aus dem Weg“.

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