Finanzielle Rücklagen in Hergatz schmelzen zusammen

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Olaf Winkler

Der Hergatzer Gemeinderat hat im zweiten Anlauf den Haushalt 2019 beschlossen. Nachdem das Gremium die Beratungen zu fortgeschrittener Stunde zwei Tage zuvor unterbrochen hatte, war bei der Fortsetzung die Beschlussfähigkeit allerdings zunächst nicht gegeben. Mit lediglich fünf Ratsmitgliedern saß Bürgermeister Uwe Giebl zunächst am Tisch, erst nach 45 Minuten waren mit Stefan Wiggenhauser und Klaus Bilgerei zwei weitere Räte hinzugestoßen, womit die Mindestzahl erreicht war. Der Beschluss zum Haushalt fiel nach zweistündiger Diskussion über die Investitionen im Vermögenshaushalt mit 8:0 Stimmen.

Gegenüber den Vorjahren hat sich die Finanzsituation des 2500-Einwohner-Ortes deutlich verändert. So sinkt das Gesamthaushaltsvolumen heuer um rund 1,1 Millionen Euro. Die hohen Einnahmen vor zwei Jahren machen sich dabei an gleich zwei Stellen negativ bemerkbar. So erhält die Kommune 2019 deutlich weniger Schlüsselzuweisungen des Freistaates – nämlich knapp 193 000 statt zuletzt 643 000 Euro. Zugleich steigt die auf Grundlage der hohen Einnahmen 2017 errechnete Kreisumlage von 780 000 auf über 1,25 Millionen Euro.

Da 2019 zugleich Investitionen in die beiden neuen Feuerwehrhäuser in Maria-Thann und Wohmbrechts von zusammen knapp 1,45 Millionen Euro im Haushalt stehen, ist ein kräftiger Griff in die Rücklagen notwendig. Die sind durch einen hohen Haushaltsüberschuss im vergangenen Jahr zwar um knapp 1,4 Millionen Euro angestiegen. Doch zum Haushaltsausgleich plant Kämmerer Frank Achberger eine Entnahme von mehr als 1,6 Millionen Euro, sodass Ende 2019 voraussichtlich nur noch 209 000 Euro übrig sind.

Neue Darlehen muss die Kommune freilich noch nicht aufnehmen. Der Schuldenstand soll Ende 2019 nach den planmäßigen Tilgungen bei knapp 830 000 Euro liegen. Bereits 2020 könnte es dann jedoch zu einer neuen Kreditaufnahme kommen. Allein im Brandschutzbereich sind dann erneut 1,1 Millionen Euro an Ausgaben zu erwarten. Doch nicht nur die Investitionen machen den Ratsmitgliedern Sorgen.

Auch die laufenden Kosten für die Kindertagesstätte, Musikschule und die Vereine sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Anlässlich der Haushaltsberatungen nicht diskutiert hat der Gemeinderat jene 100 000 Euro, die die Kommune als Investitionszuschuss für die Renovierung und den möglichen Umbau des Vereinsheims des TSV Wohmbrechts vorsieht. Auf Nachfrage erläuterte Kämmerer Achberger, dass hier eine Erneuerung der Duschen und eine Vergrößerung der Umkleidekabinen angedacht sind.

Große Veränderungen am Haushaltsentwurf brachte die fünfeinhalbstündige Diskussion im Gemeinderat nicht. Im zweiten Teil der Beratungen entschieden sich die anwesenden Ratsmitglieder, 6000 Euro mehr für neue Trennwände im Kindergarten-WC, 5000 Euro weniger für einen Kehrbesen für den Bauhof und 5000 Euro mehr für die Planung der Trockenlegung des Gemeindehauses auszugeben.

Letzteres macht dem Gremium besonders Sorgen. Insgesamt 45 000 Euro sind heuer eingeplant. Allerdings sieht Manfred Scheuerl in dem 1842 erstellten Gebäude ein „Fass ohne Boden“. Und Markus Bietsch sprach von einem „Klotz, der uns noch viel Geld kosten wird“. Aktuell sind die Bücherei und die Heimatstube darin untergebracht.

Während Roman Engelhart neue Kredite im kommenden Jahr für möglich hält, hielt Bürgermeister Giebl eine Erhöhung von Steuern und Gebühren dagegen. Dem stimmte Wolfgang Zodel zu: „Die Bevölkerung darf ruhig spüren, dass die anstehenden Investitionen nicht einfach durchlaufen.“ Kämmerer Achberger hält für möglich, dass die Kommune auch 2020 ohne neue Kredite und Steuererhöhungen auskommt: „Bei den Schlüsselzuweisungen kann es dann schon wieder deutlich besser aussehen.“

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