Was Dr. Mabuse mit Bodolz zu tun hat

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„Dr. Mabuse und sein Schöpfer Norbert Jacques“ heißt die neueste Ausstellung von Ortsheimatpfleger Andreas Durrer im Schaukasten
„Dr. Mabuse und sein Schöpfer Norbert Jacques“ heißt die neueste Ausstellung von Ortsheimatpfleger Andreas Durrer im Schaukasten vor der Bodolzer Gemeindebücherei. (Foto: isabel kubeth de placido)
Isabel Kubeth de Placido

Der Bodolzer Bahnhof ist weltbekannt. Seine Bekanntheit hat er dem zuletzt in Schlachters lebenden Schriftsteller Norbert Jacques zu verdanken. In seinem 1920 veröffentlichten, bis heute in millionenfacher Auflage erschienen, in viele Sprachen übersetzten und mehrfach verfilmten Roman „Dr. Mabuse – Der Spieler“ nennt der Autor den Bahnhof Enzisweiler in einem Satz und lässt ihn dadurch in die Weltliteratur eingehen. Kein Wunder also, dass Ortsheimatpfleger Andreas Durrer dem Schriftsteller Norbert Jacques, der Figur des Dr. Mabuse und dem Bahnhof Enzisweiler seine neueste Ausstellung gewidmet hat.

Zugegeben, wohl nur denen, die von Bodolz wissen, wird jener Satz in Norbert Jacques Kriminalroman „Dr. Mabuse – Der Spieler“ ins Auge gestochen sein, der den Bahnhof Enzisweiler in die Weltliteratur eingehen ließ und der da lautet: „Und dann kam die letzte Minute. Der Wagen prellte über das Geleis am Enzisweiler Bahnhof, tobte auf die Villa Elise zu.“

Doch immerhin ein Umstand, dem sich Ortsheimatpfleger Andreas Durrer angenommen und daraus eine kleine Ausstellung gemacht hat. Denn schließlich stand der Schaukasten, den ihm Arbeitserzieher Helmut Schock und dessen Jungs zur 200-Jahr-Feier gebaut haben, seit ein paar Monaten verwaist im Flur des Hauses der Generationen herum. Dort, wo Durrer sein Archiv-Reich hat. Und dort, wo auch die Gemeindebücherei zu Hause ist. Da lag es für ihn auf der Hand, das Mini-Museum mit einem Stückchen Ortsgeschichte zu füllen. Zumal Bibliothek und eine Ausstellung über einen Schriftsteller thematisch eh gut zusammenpassen. Und auch deshalb, weil der Schriftsteller Norbert Jacques gar kein so Fremder war. Lebte der geborene Luxemburger bis zu seinem Tod doch immerhin in Sigmarszell, wo er sich im Ortsteil Thumen einen Hof gekauft hatte. Und eben diesen Roman, in dem Norbert Jacques den Bahnhof Enzisweiler nennt und der sein berühmtester Roman mit Welterfolg werden sollte, schrieb er innerhalb von 20 Tagen an einem Ort, den die Leute aus der Gegend ebenfalls kennen. In Bad Diezlings nämlich und damit in jenem Gasthof, in dem er und seine Familie wohnten, bis sein neuerworbener Hof bezugsfertig war.

Das Große und Böse unserer Zeit

Die Idee zu Dr. Mabuse, einer Figur mit einer ausgeprägten Herrennatur und grenzenlosem Verlangen nach Macht und der Bereitschaft, seine suggestive Fähigkeit zugunsten seiner Herrschergelüste zu nutzen, kam dem Autor auf einer Schifffahrt von Lindau nach Konstanz. „In diesen drei Stunden habe ich um den Kopf, in dem das Große und das Böse unserer Zeit für mich ineinander standen, den Roman des Dr. Mabuse erfunden“, schreibt Jacques selbst. Daher wird dieser „Dr. Mabuse“ als ein Dokument jener Zeit gesehen, in der sich die politische Instabilität der Weimarer Republik abzeichnet und der Beginn der Tyrannei des Dritten Reiches ankündigt.

Erschienen ist „Dr. Mabuse – Der Spieler“ 1920. Und genau diese Ausgabe des Ullstein-Verlags bildet das Herzstück von Durrers kleiner Ausstellung. „Ich kaufe immer wieder Bücher von Norbert Jacques im Antiquariat. Dieses Büchle hätt’s für 60 Euro gegeben, aber ich hab’s billiger gekriegt. Man muss nur warten können“, erzählt er und zeigt auf einen abgegriffenen, ledernen Arztkoffer von anno dazumal, auf dem ganz prominent in altdeutschen Lettern steht: „Dr. Mabuse“. Den wiederum hat Durrer von jemandem angeboten bekommen, der ihn auf einem Flohmarkt erstanden hat und dann aber selbst nicht brauchen konnte. Darüber hinaus hat der Ortsheimatpfleger verschiedene Ausgaben verschiedener Zeiten des „Spielers“ zusammen gesammelt und in der Vitrine ausgestellt. Sogar ein Buch der beliebten Kinderserie „Ein Fall für TKKG“ ist dabei. Es trägt den Titel „Im Schattenreich des Dr. Mubase“. Auch die Verfilmung von Fritz Lang zeigt Durrer als DVD in der Vitrine. Abschriften der Geburts- und Sterbeurkunde Norbert Jacques’ hat sich Durrer auch besorgt. Und dann ist da natürlich auch der berühmte Enzisweiler Bahnhof. 1899, an der Bahnlinie von Lindau nach Friedrichshafen erbaut, steht er als Modell aus Ton in der Vitrine. Und zur besseren Veranschaulichung die Vergrößerung einer historischen Postkarte, die den Bahnhof im Jahre 1907 zeigt. Die Villa Elise allerdings, auf die der Wagen über das Geleis am Enzisweiler Bahnhof zu tobte, ist nicht dabei. Denn die ist, so versichert Durrer, reine Fiktion.

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