Mit Tablet und Smartboard macht Schule gleich viel mehr Spaß

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 Digitalisierung in der Schule, was ist das? Lehrerin Mirjam Nuber, Magdalena, Janna und die beiden Carlas (von links) zeigen, w
Digitalisierung in der Schule, was ist das? Lehrerin Mirjam Nuber, Magdalena, Janna und die beiden Carlas (von links) zeigen, wie es geht. (Foto: isa)
Isabel Kubeth de Placido

Die Digitalisierung der Schulen ist derzeit allerorts Gesprächsthema. Erst kürzlich hat der Bund den Digitalpakt beschlossen, der jeder Schule in ganz Deutschland 125 000 Euro bringen könnte und ihnen damit die Ausstattung der Klassenzimmer mit Tablets, Smartboards und Co., aber auch der dazu nötigen Infrastruktur ermöglicht. Hinzu kommt noch das Förderprogramm Bayern Digital II, mit dem der Freistaat in die Schulen investieren will. Was aber heißt Digitalisierung in der Schule überhaupt? LZ-Mitarbeiterin Isabel Kubeth de Placido hat sich in der Bodolzer Grundschule „Im Obstgarten“ und damit in einer Schule, in der die Digitalisierung bereits begonnen hat, umgesehen.

„Die Digitalisierung in der Schule klingt so langsam an“, sagt Schulleiterin Martina Bosert und erzählt, dass die Schule im Obstgarten mit dem digitalen Unterricht vor knapp drei Jahren begonnen habe, also noch bevor die Bayerische Staatsregierung dies beschlossen habe. Zuerst, 2016, mit 20 Tablets, die die Gemeinde für die Schule für 7700 Euro angemietet hat. 2017 kam dann ein sogenanntes „Smartboard“ hinzu, das sich die Gemeinde hat 4600 Euro kosten lassen. In diesem Jahr sollen noch zwei weitere dieser digitalen Tafeln hinzukommen, die mithilfe eines Beamers und eines Computers interaktiv funktionieren. „Wir haben bereits die Zusage über 8315 Euro“, berichtet Bürgermeister Christian Ruh über diese maximale Aufwendung des Freistaat Bayerns. Zehn Prozent muss die Gemeinde selber zahlen.

„Für die Lehrer ist es eine Arbeitserleichterung und für die Kinder ist es motivierend“, erklärt die Schulleiterin den Sinn und Zweck der digitalen Ausstattung. Dabei räumt sie jedoch ein, „ob man da mehr lernt, als auf die herkömmliche Art, wird kontrovers diskutiert“. Auf jeden Fall aber mache es den Kindern Spaß und grundsätzlich müsse Schule in Zeiten der Digitalisierung mit der Zeit gehen. „Sonst wird die Schule zu einer veralteten Institution, die nicht mehr ernst genommen wird“, ist Martina Bosert überzeugt.

Eingesetzt würden die 20 Tablets ab der zweiten Klasse. Auf ihnen seien die Unterrichtsinhalte aufgespielt und die Kinder füllen, jedes auf seinen Namen eingeloggt und damit zuordenbar, die Übungen aus. Quasi wie in einem Heft. Der Lehrer wiederum kontrolliert zu einem beliebigen Zeitpunkt die Aufgaben. Sind die Lösungen falsch, kann das Kind die Aufgaben beim nächsten Mal richtig lösen. Der Vorteil dieser Methode: „Ich kann alle Kompetenzen kontrollieren.“ Dass bei 20 Tablets nicht jeder der durchschnittlich 27 Schüler pro Klasse damit arbeiten kann, sei kein Problem, versichert Bosert und erklärt, dass sich das Lernen in den Jahren längst verändert habe: „Es ist nicht mehr so, dass alle Kinder zur gleichen Zeit das Gleiche tun.“ Auch habe jede Schule ihr eigenes Medienkonzept. „In der Grundschule ist alles individuell und es kommt darauf an, wer mit was arbeitet.“ Die Bodolzer Schule habe sich für die Tablets entschieden, „weil man damit sofort anfangen kann“. Die Lehrer wiederum hätten zwar Fortbildungen bekommen, Vieles müssten sie sich jedoch selbst erarbeiten. „Aber die jungen Lehrer sind damit groß geworden.“

Die Leitung ist zu langsam

Was der Schule bei allem digitalen Engagement allerdings ein Problem bereitet, ist die schwache Internetübertragungsrate. „Wenn 20 Kinder an den Tablets arbeiten und die Sekretärin am Computer, dann klappt das nicht mehr“, veranschaulicht Martina Bosert. Allerdings hofft sie, dass die Schule an das schnelle Internet angeschlossen wird, sobald der zweite Schritt des bayerischen Digital-Förderprogramms greift.

Soweit also zur Theorie. Wie aber schaut ein digitaler Unterricht in der Praxis aus? Werden die Tablets in der zweiten und dritten Klasse eingesetzt, befindet sich besagtes Smartboard in der ersten Klasse. Hier ist Mirjam Nuber Klassenlehrerin und sie braucht nicht lange darum zu bitten, damit Magdalena, Janna und die beiden Carlas, alle sechs Jahre alt, der LZ zeigen, wie sie damit lernen. Gerne lassen die vier Mädchen dafür ihre Pause sausen. Mirjam Nuber legt ein Buch unter eine Standkamera auf ihrem Pult. Der Beamer überträgt das Bild auf die weiße Tafel. „Man kann in die Arbeitshefte reinschreiben, und alle können es sehen. Oder wenn ein Schülerergebnis toll aussieht, kann ich das auch zeigen“, erklärt die Lehrerin. Richtig spannend, weil eben interaktiv, wird es jedoch, als Mirjam Nuber ihr Laptop aktiviert und eine Übungsaufgabe auf dem Board erscheint. Karotten, Gurken, Pfirsiche sollen abgezählt und ein Teil davon in Körbe gefüllt werden. Magdalena nimmt einen dicken Stick und tippt jede einzelne Karotte an. Dazu zählt sie laut mit. 17 schreibt sie mit Blau an die Tafel. Janna zieht das Gemüse in den dafür bestimmten Korb. Nicht weniger Spaß macht die Schreibübung. „Limona…e“ steht da geschrieben, diverse Buchstaben stehen zur Auswahl. Als Carla das „d“ mit dem Stift greift und auf die Leerstelle zieht, lobt eine Computerstimme „perfekt“. Gemeinsam lesen alle Mädchen: „Limonade“.

Man lernt keinen Quatsch

Ob es Spaß mache, so zu lernen? „Jaaaa“, rufen die Mädchen und Carla ergänzt: „Weil man da was lernt und keinen Quatsch lernt.“ „Computerspiele mögen die Kinder sowieso und so zu lernen motiviert sie“, ist Mirjam Nuber überzeugt und erzählt, dass sie die Technik mit der Klasse oft auch nutze, um mit kurzen Filmen die Lerninhalte zu veranschaulichen. Spezielle Lehrfilme gebe es im Internet zu jeder Thematik. Ob zu den Jahreszeiten, zur Uhr oder zur Natur. Gelernt, mit dieser Technik umzugehen, habe sie durch „learning by doing. Am Anfang hat das viel Zeit gekostet, bis man sich da eingefuchst hat“, sagt sie. Aber die Tafel will sie heute nicht mehr missen. Jeden Tag habe sie das Smartboard im Einsatz. Allerdings, so erklärt sie, sobald die Sekretärin im Haus sei und am Computer arbeite, sei es aus.

Warum aber funktioniert das mit dem Internet nicht? Ist Bodolz doch in den Genuss des Glasfaserausbaus gekommen. Die Antwort weiß Mario Schmitt, bei der Gemeinde zuständig für alle digitalen Fragen. Er erklärt, dass nur in denjenigen Gebieten der Gemeinde Glasfaser verlegt wurde, in denen die Internetverbindung extrem schlecht war und für die es deshalb vom Freistaat eine Förderung gab. Die Bodolzer Grundschule hatte hingegen eine gute Internetübertragungsrate und gehörte somit nicht zu den förderfähigen Gebieten. „Wir müssen schauen, ob wir die Schule im zweiten Verfahren anschließen können“, lautet seine Hoffnung. Eine Hoffnung, die auch Schulleiterin Martina Bosert, die Lehrer ihrer Schule und die Kinder hegen.

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