Gemeinderat Bodolz will die Wende

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Hier, am Ende des Oberen Steuben in Enzisweiler, soll ein Wendehammer hin, denn ein Wenden in dieser Sackgasse ist praktisch unm
Hier, am Ende des Oberen Steuben in Enzisweiler, soll ein Wendehammer hin, denn ein Wenden in dieser Sackgasse ist praktisch unmöglich. (Foto: Christian Flemming)
Isabel Kubeth de Placido

Eigentlich hätte die Gemeinde Bodolz schon vor über 40 Jahren einen Wendehammer im Oberen Stäuben bauen wollen. Warum dies bis heute nicht passiert ist, weiß niemand. Fest steht nur, dass die fehlende Umdrehmöglichkeit seit gut einem Jahr zum Zankapfel geworden ist. Jetzt aber hat der Bodolzer Gemeinderat entschieden, endlich das umzusetzen, was die Vorvorgänger einst beschlossen haben.

In der Straße Oberer Stäuben mit dem Auto zu wenden, ist schon eine Herausforderung. Größeren Fahrzeugen ist es gar unmöglich. Die Müllabfuhr etwa befährt die enge Straße rückwärts. Autos, Lieferwagen und andere mittelgroße Fahrzeuge nutzen die Privatflächen der Anwohner, um zu drehen. Eine Situation, die nicht sein müsste. „Seit langer Zeit ist da ein Wendehammer geplant“, erklärte Bürgermeister Christian Ruh den Gemeinderäten in der jüngsten Sitzung. Warum die Gemeinde diesen jedoch nie umgesetzt hatte, wusste er nicht.

Das Thema sei jedoch im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Bauvoranfrage für den Oberen Stäuben 10 aufgetaucht. Die LZ berichtete mehrfach. Bei dem Bauvorhaben war es darum gegangen, dass die Eigentümerin das Dachgeschoss ausbauen und Gaupen einbauen wollte. Obwohl sowohl die Gemeinde als auch das Landratsamt das Bauvorhaben als zulässig erklärt hatten, versuchten Anwohner dies zu verhindern. Dabei erhoben sie auch Vorwürfe gegen die Gemeinde, Bürgermeister Ruh, Landratsamt und Architektin. Ein unter nicht geklärten Umständen zustande gekommenes Gutachten sollte ihre Argumentation untermauern. Am Ende landete die Sache vor Gericht. „Das Verfahren ist abgeschlossen, dadurch, dass die Klägerin ihre Klage zurückgezogen hat, weil sie keine Aussicht auf Erfolg hatte“, berichtete jetzt Burkhard Giebel, der Ehemann der Hauseigentümerin, die die Bauvoranfrage gestellt hatte, auf Anfrage der LZ.

„Ausreichend Platz ist da“, sagte Ruh zum Wendehammer und schlug dem Gremium vor, nun eine Wendemöglichkeit zu schaffen. Zuvor hatte Sabine Weigler-Giebel die Bürgersprechgelegenheit genutzt, um den Gemeinderat eindringlich darum zu bitten, eine Entscheidung zu treffen. Habe doch die Tatsache, dass die Gemeinde vor 45 Jahren diesen Wendehammer beschlossen, aber nie umgesetzt habe, für sie seit einem Jahr unangenehme Folgen: „Ich bitte Sie, in dieser Angelegenheit eine Entscheidung zu treffen, die den Diskussionen, Eigenmächtigkeiten und auch Anfeindungen am Oberen Stäuben ein Ende setzt. Entweder, die Gemeinde baut, dann aber komplett und zeitnah. Oder sie baut nicht, dann aber endgültig. Ein Belassen beim Status Quo wäre nach allem, was ich in den letzten zwölf Monaten erleben musste, für mich eine Zumutung“, sagte sie.

Zwei Findlinge sorgen für Ärger

Weigler-Giebel hatte zuvor die Hintergründe erklärt. Demnach mussten ihre Eltern 1974 der Gemeinde für die Straße mit Wendehammer 146 Quadratmeter von ihrem Grundstück abtreten. Die Straße wurde schließlich 1988, aber ohne Wendehammer, gebaut. Eine 1974 getroffene Nutzungsvereinbarung zwischen Gemeinde und ihren Eltern regle die Nutzung und Pflege der noch nicht verbauten Fläche durch ihre Eltern, was nach dem Straßenbau einem lang gezogenen Streifen von rund 32 Quadratmetern entspreche. Um zu verhindern, dass schwere Lastwagen, die wegen der damaligen regen Bautätigkeit in dem Gebiet fuhren, direkt über seiner Ölwanne drehten, habe ihr Vater in den 1990ern zwei Findlinge auf diesem Streifen setzen lassen. Vor einem Jahr forderten Anwohner erstmalig von der Gemeinde einen Wendehammer (die LZ berichtete). „Dabei scheint sich die Diskussion auf den 32 Quadratmeter-Streifen vor meinem Grundstück zu verengen, und dass die Findlinge dort weg müssten“, sagte Weigler-Giebel. Nachdem die Gemeinde bereits letztes Jahr ohne Rücksprache mit ihr einen Stein verschoben hatte, sei vor einigen Wochen der zweite, von Unbekannten, auch verschoben worden. „Ohne jede Berechtigung“, betonte sie und war sich sicher: „Mit dem Verschieben der Findlinge entsteht aber noch keine Wendeplatte.“

Die Entscheidung zugunsten einer Wendemöglichkeit traf das Gremium schließlich einstimmig. „Der Wendehammer gehört jetzt einfach mal umgesetzt“, fand nicht allein Gebhard Marte. Franz Joachim plädierte zudem dafür, auf den Flächenverbrauch zu achten. Ob es am Ende tatsächlich ein Wendehammer sein wird oder nur eine Wendemöglichkeit, entscheidet sich erst, wenn die Verwaltung die Planung abgeschlossen hat.

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