Bahn bringt einen Aluminiumsteg statt einer Betonbrücke über die Gleise ins Gespräch

So schön wie die alte Bogenbrücke aus Beton, die bis 2019 über die Bahnlinie führte, um den Rebweg mit dem Torkelweg zu verbinde
So schön wie die alte Bogenbrücke aus Beton, die bis 2019 über die Bahnlinie führte, um den Rebweg mit dem Torkelweg zu verbinden, wird die angedachte Aluminiumbrücke wohl nicht werden. (Foto: Archiv: Isabel de Placido)
Isabel de Placido

Eine Lösung ist in Sicht. Nachdem die Bahn im Zuge der Elektrifizierung die Fußgängerbrücke über die Gleise am Torkelweg abgerissen hat und der Bodolzer Gemeinderat ursprünglich keine neue, weil teure Brücke haben wollte, gibt es jetzt neue Pläne. Statt der aufwändigen und teuren Bogenbrücke aus Beton schlägt die Bahn nun einen Aluminiumsteg vor. Sobald die Kosten und damit auch jener Anteil, den die Gemeinde bezahlen muss, bekannt sind, soll der Gemeinderat über den Übergang entscheiden.

Es ist nur ein Zwischenbericht gewesen, den Bürgermeister Christian Ruh auf der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt hat, entschieden hat der Gemeinderat noch nichts. Aber immerhin ist wieder Fahrt in die Brückengeschichte gekommen.

Zur Erinnerung: Wegen der Elektrifizierung der Strecke hatte die Bahn die Bogenbrücke am Torkelweg abgerissen und wollte sie eigentlich bis April 2020 wieder neu aufbauen. Aus technischen Gründen sollte sie dann höher, steiler und mit einem Fallschutz versehen sein. Ursprünglich, vor mehreren Jahren nämlich, war die Bahn davon ausgegangen, dass der komplette Neubau 230 000 Euro kosten würde, was einen Kostenanteil der Gemeinde in Höhe von gut 62 000 Euro bedeutet hätte. Neue Kostenberechnungen hatten dann allerdings ergeben, dass der Wiederaufbau der Brücke eine Million Euro kosten wird. Was für die Gemeinde bedeuten würde, dass ihr Kostenanteil auf 290 000 Euro steigen würde. Zu viel für einen Übergang, der nur von wenigen Leuten benutzt werde, entschied damals der Gemeinderat, was jedoch zu einem Aufschrei in der Bevölkerung führte. Dabei war es insbesondere Peter Sauter, der erst seit der vergangenen Wahl Gemeinderat ist, der sich für einen Wiederaufbau engagierte. Schon damals zweifelte er die Kostenberechnungen der Bahn an und setzte sich zusammen mit 110 Brückenfürsprechern dafür ein, dass nach billigeren Lösungen gesucht werde.

Eine Suche, die jetzt zumindest ihren Auftakt genommen hat. Denn auf der jüngsten Gemeinderatssitzung, zu der auch acht Bürger gekommen waren, stellte Bürgermeister Christian Ruh neue Pläne vor, welche die DB Netz AG auf Dringen der Gemeinde vorgelegt hat.

Demnach sieht der Entwurf zwei Treppentürme mit einem waagrechten Überbau aus Aluminium über die Gleise vor. Diese Brücke hat den Vorteil, dass sie quasi im Werk gefertigt werden kann und vor Ort nur noch zusammengebaut werden müsste. Diese Technik wiederum bewirkt, dass die Bahnstrecke nur für kurze Zeit für Züge gesperrt werden müsste oder in der Nacht gearbeitet werden könnte. Und dies wiederum hat zur Folge, dass die Brücke noch dieses Jahr, spätestens aber im Frühjahr 2022, fertig sein würde.

Eine Bogenbrücke aus Beton, so wie die alte, wäre dagegen frühestens in drei bis vier Jahren fertig. Denn für die Betonage, so erklärte der Bürgermeister das langwierige Verfahren, an das die Bahn gebunden ist, seien längere Gleissperrungen notwendig. Diese Sperrpausen muss die Bahn jedoch beantragen. „Nach Regelprozess bekommen wir bei Anmeldung 2021 die Sperrpausen in drei Jahren, also 2024“, zitierte Ruh die DB Bahn.

„Ich find’s gut, dass sich da ein Fenster aufmacht, das zeitnah ist“, sagte Ratsmitglied Gebhard Marte und fand, dass es eigentlich egal sei, wenn die Brücke nun aus Aluminium bestehen solle und im Werk gefertigt werde, Hauptsache, sie erfülle ihre Funktion. Dieser Ansicht schloss sich auch Peter Sauter an, und Franz Joachim betonte: „Ich habe nie auf einer Betonbrücke beharrt.“

Darüber hinaus unterstrich er die Notwendigkeit eines Übergangs an dieser Stelle, denn er habe festgestellt, dass bereits jetzt „unheimlich vielen Leuten“ ein solcher fehle, und wenn dann erst einmal das Hoyerbergschlössle eine öffentliche Nutzung bekomme, dann bräuchten noch viel mehr Leute diese Brücke. Andreas Durrer freute sich: „Man sieht, wenn man hartnäckig bleibt gibt’s doch noch Kompromisse bei der Bahn.“

Auch Bruno Schmidt plädierte für die Aluminiumvariante, wenngleich nur aus dem Grund, weil diese schneller fertig würde als die Betonbrücke. „Weil, wenn wir noch fünf Jahre warten, braucht keiner die Brücke mehr.“ Gleichzeitig warnte er jedoch: „Den Leuten, die da wohnen, muss klar sein: Schöner ist sie nicht. Das ist ein reiner Zweckbau.“

„Die Optik ist durchaus diskutabel“, stimmte ihm Peter Sauter zu. Allerdings betonte er, dass die Brücke ihre Funktion erfülle, den Rebweg mit dem Torkelweg zu verbinden – zumindest insoweit, dass Fußgänger ohne Umwege vom Hoyerberg nach Enzisweiler und wieder zurück über die Gleise gelangen können. „Wenn’s die Brücke nicht mehr gibt, braucht’s auch den Weg nicht mehr“, setzte er noch darauf und stieß damit ein Gedankenspiel an. Führt doch die Brücke nicht nur über die Gleise auf den Rebweg, sondern in gerader Linie auf den Fußweg zum Hoyerberg hinauf.

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