Abschied: In den Bildern bleibt er lebendig

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Seegfrörne: Luftbildfotograf Franz Thorbecke mit seinem Flugzeug im Lindauer Hafen. Er ist allerdings nicht dort gelandet, sonde
Seegfrörne: Luftbildfotograf Franz Thorbecke mit seinem Flugzeug im Lindauer Hafen. Er ist allerdings nicht dort gelandet, sonde (Foto: Werner Stuhler)
Schwäbische Zeitung

Jahrzehntelang sind seine Aufnahmen das Sahnehäubchen so manches LZ-Berichtes gewesen. Denn der Mann hat zwei große Leidenschaften gehabt: fliegen und fotografieren. Franz Thorbecke zeigte gerne, wie seine Heimat von oben aussieht. Jetzt ist der Luftbildfotograf im Alter von 88 Jahren gestorben.

Hoch hinaus wollte Franz Thorbecke schon immer. Das hat er vor Jahren in einem LZ-Interview verraten: „Ich habe lieber Flugzeugmodelle gebaut als Schulaufgaben gemacht.“ Und so wundert es nicht, dass er schon als 13-Jähriger seine ersten Flugversuche im Unterreitnauer Moos unternommen hat: Sein Prototyp eines übergroßen Modellfliegers habe, von einem Gummiseil gezogen, immerhin gut einen Meter über dem Boden abgehoben.

Geboren wurde Thorbecke am 26. Oktober 1922 in Schachen. Auf dem Familiensitz Lindenhof wuchs er auf: Das Anwesen mit Park am See gehörte seinem Großvater. Eine Ausbildung konnte der junge Franz jedoch nicht machen. Der Zweite Weltkrieg verhinderte das. Er wurde als Soldat eingezogen, kam zur Luftwaffe – wurde aber dem Bodendienst zugeordnet.

Nach Kriegsende und kurzer Gefangenschaft kehrte Thorbecke nach Lindau zurück. Kurze Zeit arbeitete er im Verlag seines Bruders Jan mit. Krankheitsbedingt, eine Folge des Krieges, musste er das wieder aufgeben. In der Reha in Lindenberg allerdings meldete sich seine Jugendliebe zurück – die Fotografie.

Im Sommer 1953 hat er sich das erste Mal über den Lindauer Hafen fliegen lassen und dabei fotografiert. Die Ansichtskarten mit alten Bodensee-Schiffen waren äußerst begehrt. Und für den jungen Mann ist klar gewesen: Er will diese beiden Hobbies miteinander verbinden und zu seinem Beruf machen.

1960 machte Thorbecke seinen Pilotenschein. Sein erstes Flugzeug, eine Piper, kaufte er mit Hilfe eines Onkels in der Nähe von New York. Dieses Flugzeug sollte legendär werden: Denn damit schaffte Franz Thorbecke das Bravourstück, drei Tage nach dem Beginn der Seegfrörne im Februar 1963 auf dem Eis mitten im Lindauer Hafen zu landen – ein Foto, das um die Welt ging.

Sechs Jahrzehnte lang hat Thorbecke eine immense Fülle von Luftbildern geschossen. Oftmals schaute er auf dem Weg zum Flugplatz Wildberg noch kurz in der Redaktion der LZ vorbei und fragte mit verschmitztem Grinsen: „Braucht Ihr noch was?“ Die Luftbilder, ob von der Inselstadt oder dem Hinterland, waren immer Fotos, mit denen die LZ ihre Berichte nur zu gerne illustriert hat. Natürlich hatte Thorbecke eine große Zahl von Abnehmern für seine hervorragenden Aufnahmen. So hat er etwa Ende der 60er-Jahre für das Bundesverkehrsministerium den Verlauf der Autobahnen einschließlich vieler Kreuzungen, Auf- und Abfahrten dokumentiert. Und diverse Verlage schätzten Franz Thorbeckes Bilder.

1998, im Alter von 75 Jahren, hatte Franz Thorbecke seinen Berufspilotenschein abgegeben. In seinem Archiv befanden sich Ende der 90er-Jahre weit über 100 000 Fotos. Eines der letzten Bücher hat er 2002 zusammen mit seinem langjährigen Freund Werner Stuhler herausgegeben: „Die Insel Lindau – 50 Jahre photographischer Rückblick“ heißt der Bildband, dessen Aufnahmen damals zuvor im Cavazzen ausgestellt worden waren.

Jahrzehnte mit der Kamera festgehalten

Vergangenes Jahr ist der Mann – der so viele Jahrzehnte Entwicklung und Veränderungen seiner Heimat mit der Kamera festgehalten hat und übrigens auch 75 Jahre lang Mitglied im Lindauer Alpenverein gewesen ist – noch von Dorothea Schacht mit einem großen Porträt im Lindauer Jahrbuch 2010 geehrt worden. Nun ist er am Donnerstag, gut einen Monat vor seinem 89. Geburtstag, in Lindau gestorben.

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