Ein „Superstar der Malerei seiner Zeit“ beeindruckt in Achberg

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Die Ausstellungskuratoren Michael Maurer und Anja Dittrich vor Leo Putz' „Dame in Blau“ (1908).
Die Ausstellungskuratoren Michael Maurer und Anja Dittrich vor Leo Putz' „Dame in Blau“ (1908). (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Einen ganzen Sommer lang leuchtet in Schloss Achberg „Sommerlicht“. So heißt die Ausstellung mit Werken von Leo Putz und der Münchener Künstlergruppe „Die Scholle“ aus der Sammlung Unterberger, die am Samstagmorgen eröffnet worden ist. Die lebensfrohen, lebensbejahenden Bilder, die in Licht und Sommer schwelgen, passen wunderbar in das Ambiente des Schlosses.

Wieder konnte der Rittersaal die Besucher nicht fassen, die am sonnigen Samstagmorgen zur Vernissage gekommen waren, darunter Sponsoren, Mitglieder des Landtags, des Kreistags und des Fördervereins und als Ehrengäste Paul Unterberger mit Frau, die in Vertretung des Leihgebers gekommen waren. „Es ist eine glänzende Epoche der Kunst und Lebensart, in die uns die Ausstellung führt“, sagte Joachim Simon, Kulturdezernent des Landkreises Ravensburg, in seiner Begrüßung.

In der damaligen Kulturmetropole München hatten sich 1899 elf Künstler in der Gruppe „Die Scholle“ zusammengetan, 1903 trat Leo Putz, der im Mittelpunkt der Ausstellung steht, bei und wurde ihr berühmtester Vertreter. Mit kraftvollem Farbenspiel und verfeinerter Sinnlichkeit hätten die zwölf den Nerv der Zeit getroffen, so Simon. Mit Leidenschaft und Sachverstand habe der in Meran tätige Unternehmer Siegfried Unterberger Werke von Leo Putz und weiteren „Scholle“-Künstlern gesammelt und rund 80 Werke für die ungewöhnlich lange Dauer bis Oktober zur Verfügung gestellt. Dafür galt ihm der besondere Dank aller Eröffnungsredner.

Maximilian Eider, Leiter des Kulturbetriebs des Landkreises, führte in die Ausstellung und ihr Umfeld ein. Ein kunstsinniges und zugleich vermögendes Publikum habe vor dem Ersten Weltkrieg das Klima in der bayerischen Kunstmetropole München bestimmt. Die Künstlergruppe „Die Scholle“ habe kein Dogma, keine Ideologie vereint, sie sei einfach eine „lockere Vereinigung zu Vermarktungszwecken“ gewesen, die sich logischerweise, als der Zweck erreicht war, 1911 wieder auflöste. Auch Leo Putz, der für die anderen stilbildend wurde, habe es verstanden, sich gut zu vermarkten, wenn nötig mit kleinen Skandalen wie seinem ersten aufsehenerregenden Bild, der „Vanitas“, oder mit einer provokant frivolen Darstellung des Bacchanals: „Der kalkulierte Skandal gehörte dazu.“

Entscheidend für seinen Erfolg seien jedoch seine Landschaften, Stillleben und Porträts gewesen, die er oft in einem Bild vereinte: „Leo Putz war einfach ein Superstar der Malerei seiner Zeit und wir zeigen ihn auf dem Höhepunkt seiner Kunst.“ Beiden dankte den Kuratoren Michael Maurer – „er setzt Maßstäbe als Ausstellungskurator und als Schlossleiter“ – und Anja Dittrich, die als wissenschaftliche Volontärin im künstlerischen Bereich mitkuratiert und am umfangreichen Katalog mitgearbeitet hatte. In Vertretung seines Vaters dankte Paul Unterberger für die Ehre, die Bilder ausschließlich ausstellen zu dürfen – alle Bilder der Ausstellung stammen aus der Sammlung Unterberger. „Als letztes Hindernis auf dem Weg zu den Bildern“ schloss sich Landrat Harald Sievers dem Dank an den Sammler und die Ausstellungsmacher an.

Lieder von Richard Strauss, gesungen von der Mezzosopranistin Caroline Schnitzer und am Klavier begleitet von Bang-In Jung, umrahmten stimmig die Eröffnung.

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