Wie die Seele zum Stuhl passt

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 Freuten sich, dass die Ausstellung eröffnet wird (v.l.): Rolf Brüggemann, Professor Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt.
Freuten sich, dass die Ausstellung eröffnet wird (v.l.): Rolf Brüggemann, Professor Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt. (Foto: Heinz Thumm)
Heinz Thumm

Mit dem Song „Fragezeichen“ eröffnete die Gruppe Feuervogel die Vernissage zur Ausstellung „Verortungen der Seele“ im Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg (ZfP) in Zwiefalten. Vor 22 Besuchern sprachen Regionaldirektor Dieter Haug, Professor Dr. Thomas Müller und Dr. Bernd Reichelt zur Einführung in die Ausstellung.

Die Ausstellung wurde organisiert vom „MuSeele Christophsbad Göppingen“ und vom Württembergischen Psychiatriemuseum Zwiefalten. Die Psychiatrie ist für viele Menschen unheimlich. Dazu trägt die sehr wechselhafte und zum Teil tragische Geschichte bei. Mit den aufgezeigten Themen soll geholfen werden, Vorurteile und Hemmschwellen in der Psychiatrie abzubauen. Diplom-Psychologe Rolf Brüggemann vom „MuSeele“ sprach in seinem Einführungsvortrag über „Die Seele auf dem Stuhl“. Zu diesem Thema wurde er inspiriert durch die Tagung „Materielle Kulturen der Psychiatrie“ 2018 und durch die Ausstellung „Stühle der Macht“ im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Sein Grundsatz: „Stühle zeigen Ansichten über die Psychiatriekultur“. Unterschiedliche Sitzgelegenheiten bilden besondere Hierarchien ab, zum Beispiel Ordnung, Zwang, Funktionen und Gruppendynamik.

Welcher Stuhl was aussagt

An Hand von einem Häkelstuhl, einem Thron, Nachtstuhl, Drehstuhl, Rollstuhl, Heißen Stuhl, Lieblingsstuhl oder einem Behandlungsstuhl zeigte er auf, dass Stühle Halt und Orientierung geben und unsere Stimmung und die sozialen Verhältnisse beeinflussen. Seine Frage: „Wie passt die Seele zum Stuhl und umgekehrt?“ Die Gruppe Feuervogel beendete die Vernissage mit dem Lied von Reinhard Mai „Selig sind die Verrückten“. Bei einem Rundgang durch die Ausstellung in zwei Stockwerken im Verwaltungsbau ZfP wurden Ausschnitte aus dem historischen und gesellschaftlichen Kontext aus Deutschland, Österreich und der Schweiz präsentiert. Anhand von Texten, Fotografien und ausgewählten Exponaten, Krankheitsbildern, Behandlungsmethoden, sowie besondere Persönlichkeiten und geschichtlichen Epochen deutlich. Von Bedeutung sind dabei ebenso die gesellschaftlichen Bedingungen wie auch die jeweiligen Architekturen, in denen Psychiatrie stattfindet.

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