Werke großer Klosterkomponisten

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Der Weinrauchchor bei einem Probewochenende in Bad Schussenried.
Der Weinrauchchor bei einem Probewochenende in Bad Schussenried. (Foto: PRivat)
Heinz Thumm

Mit der Säkularisation 1803 wurde, wie im ganzen oberschwäbischen Bereich, auch in Zwiefalten reiche und lebendige Klosterkultur zerstört. Zur Klosterkultur gehörten auch die Komponisten, die für ihr Kloster Werke schufen, die durchaus auf der Höhe der Zeit waren. Zwei hervorragende Musiker und Komponisten der Klostermusik des 18. Jahrhunderts waren Pater Ernest Weinrauch und Pater Isfrid Kayser. Mit einem Konzert am Sonntag, 13. Oktober, um 17 Uhr im Zwiefalter Münster „Unserer lieben Frau“ möchte der Weinrauchchor diese besondere Musik einem breiteren Publikum nahebringen.

Besondere Verdienste um die Werke oberschwäbischer Klosterkomponisten hat sich Professor Alexander Sumski, ehemals aus Rumänien, später in Tübingen tätig, erworben. An der Universität Tübingen wurden bis 2005 nahezu 300 Kompositionen aus den ehemaligen Klöstern Oberschwabens neu entdeckt, bearbeitet und der modernen Aufführungspraxis angepasst. Unter Sumskis Leitung wurden sie an den jeweiligen Entstehungsorten aufgeführt, in Studios produziert und als CDs in der Reihe „Musik in oberschwäbischen Klöstern“ bei Orchestrola/da music herausgebracht.

Otto Reichhard, Mitglied des Geschichtsvereins Zwiefalten, war dann der Initiator des großen Vorhabens, die Werke von Pater Ernest Weinrauch wieder in Zwiefalten aufzuführen.

So wurden unter der Federführung des Geschichtsvereins in einer ökumenischen Feierstunde im Oktober 2005 einige der Werke von Pater Ernest Weinrauch vor allem mit Kräften aus Zwiefalten und Umgebung mit großem Erfolg aufgeführt. Auch Sänger aus der französischen Partnergemeinde La Tessoualle und der befreundeten Gemeinde Ohorn bei Dresden nahmen daran teil.

Im Jahr 2007 folgten aufgrund des großen Erfolgs und des öffentlichen Zuspruchs die Aufführungen aus Vesperae de Dominica das Magnificat C-Dur, Psalm 129 „De profundis“ und die Messe Es-Dur, ebenso die Vesperae de Dominica.

Beim Konzert in 2011 spielten die Chöre aus La Tessoualle eine noch größere Rolle, denn es gab ein doppeltes Konzertwochenende am 25. September 2011 in Zwiefalten und am darauffolgenden Wochenende in La Tessoualle.

Brückenschlag nach Tschechien

2014 gelang dem Chor dann ein musikalischer Brückenschlag nach Tschechien. Bei dem Ausstellungsprojekt zur historischen und bauhistorischen Verbindung der Benediktinerklöster Zwiefalten und Kladrau/Kladruby in Böhmen kam dem Ernest-Weinrauch Chor eine bedeutende Rolle zu. Er gestaltete im Zwiefalter Münster musikalisch mit dem 5. Ernest-Weinrauch Konzert den Auftakt zu dem Ausstellungsprojekt.

Bereits wenige Tage später, fand in der Klosterkirche von Kladruby die Wiederholung des Konzert statt. Für die Besucher aus Kladruby und der Oberpfalz war die Begeisterung groß.Am 2. Juli 2017 wurde das Stabat Mater von Pater Ernest Weinrauch für Soli, Chor und Orchester, einem Werk aus der Epoche der Empfindsamkeit aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgeführt. Als weiteres Werk erklang ein bisher nicht veröffentlichtes Ave Regina Coeleorum, ebenso die Missa Es-Dur.

Der Weinrauch-Chor umfasst derzeit rund 50 Sänger. Diese kommen aus der Region, aber auch aus Reutlingen, Riedlingen, Horb und Balingen, 15 Sänger aus La Tessoualle kommen zu wichtigen Proben und Aufführungen hinzu. Die Solisten sind Jeannette Bühler (Sopran), Sabine Schilling (Alt), Johannes Petz (Tenor) und Siegfried Laukner (Bass). Wichtiger Partner ist das Riedlinger Kammerorchester, verstärkt mit Profimusikern. Dirigent und Leiter der Aufführung ist Jörg Sommer. Die Orchestereinstudierung übernimmt Stefan Hatvani.

Die Proben finden regelmäßig ein mal im Monat statt. Vor dem Konzert am 13. Oktober wird bereits am vorausgehenden Freitag und Samstag geprobt. Ein Organisationsteam unter der Leitung von Bettina Eppler übernimmt verschiedenste Arbeiten.

Nach Abschluss Bauarbeiten im Zwiefalter Münster steht am Sonntag, 13. Oktober, ein Barockkonzert mit Werken von Pater Ernest Weinrauch und von Pater Isfrid Kayser auf dem Programm. Ernest Weinrauch (1730 - 1793) wirkte im Benediktinerkloster Zwiefalten als angesehener Komponist und Lehrer, zum Beispiel von Konradin Kreutzer. Isfrid Kayser (1712 - 1771) gilt als der wohl bekannteste oberschwäbische Praemonstratensermönch. Er komponierte rund 100 Werke und damit so viel wie kein anderer oberschwäbischer Komponist. Von Pater Ernest Weinrauch kommt das „Requiem in c-Moll“ zur Aufführung. Von Pater Isfrid Kayser das „Offertorium de Beata Matia Virgine“ und „Simus licet liberi“.

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