Die Wohnungseinbrüche im Landkreis Reutlingen haben sich im vergangenen Jahr halbiert.
Die Wohnungseinbrüche im Landkreis Reutlingen haben sich im vergangenen Jahr halbiert. (Foto: DANIEL MAURER)
Schwäbische Zeitung

Nimmt man die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten als Maßstab, so leben die Menschen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen weiterhin in einer sehr sicheren Region. Die Kriminalitätsrate 2018 liegt mit 4569 Straftaten pro 100 000 Einwohner (2017: 4542) erneut deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt. Dabei hat dieser mit 5191 einen historischen Tiefstand erreicht. Gleichzeitig konnten beim Polizeipräsidium Reutlingen fast zwei Drittel der Straftaten geklärt werden. Die Aufklärungsquote liegt knapp unter Vorjahresniveau und erreicht mit 60,7 Prozent (2017: 61,6) den zweithöchsten Stand in den vergangenen zehn Jahren.

Das Polizeipräsidium Reutlingen registrierte im vergangenen Jahr insgesamt 47 697 Straftaten, das sind 1,2 Prozent mehr als 2017. Verantwortlich hierfür sind insbesondere die Zuwächse bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten, speziell der sprunghafte Anstieg bei den Betrugsstraftaten im Bereich Call-Center- und Telefonbetrug, der auch die leichte Abnahme der Aufklärungsquote erklärt. Erfreulich sind die erneuten deutlichen Rückgänge beim Wohnungseinbruchsdiebstahl sowie beim Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen.

Die Zahl der Tatverdächtigen ist im vergangenen Jahr auf insgesamt 20 913 (2017: 22 262) spürbar gesunken. In allen Altersgruppen waren rückläufige Zahlen zu verzeichnen. Damit setzt sich der seit Jahren anhaltende Anstieg bei den tatverdächtigen jungen Menschen unter 21 Jahren nicht weiter fort. Besonders deutlich sind die Rückgänge um 23,3 beziehungsweise 14,3 Prozent bei den Kindern und Heranwachsenden auf 764 beziehungsweise 1979 Tatverdächtige. Sorge bereitet der Umstand, dass immer mehr Tatverdächtige bei der Tatausführung ein Messer mit sich führten. Hier ist zwar für 2018 insgesamt eine nur geringe Zunahme zu verzeichnen, aber mit 454 Tatverdächtigen (2017: 440) wird ein Fünfjahreshoch erreicht. In der Mehrzahl der Fälle wurde das Messer nicht als Waffe gegen Personen eingesetzt, sondern mitgeführt oder zu Sachbeschädigungen verwendet.

596 Tatverdächtige weniger

Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen ist mit 9017 (2017: 9742) weiter rückläufig. Das ist unter anderem auf die starke Abnahme der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asylgesetz oder Freizügigkeitsgesetz EU zurückzuführen. Allein in diesem Deliktsbereich waren mit 1456 im vergangenen Jahr 596 Tatverdächtige weniger als 2017 zu verzeichnen.

Ohne diese spezifischen Verstöße liegen die Tatverdächtigenzahlen mit 7561 (2017: 7690) leicht unter dem Vorjahresniveau, wobei sich der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen auf 38,9 Prozent erhöhte (2017: 38,1). Sorge bereiten weiterhin die Zahlen der tatverdächtigen Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge, die mit 2027 Tatverdächtigen (2017: 2002) über ein Viertel der nichtdeutschen Tatverdächtigen stellen (ohne Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asylgesetz oder das Freizügigkeitsgesetz EU).

Während die Zahlen der Tatverdächtigen auf hohem Niveau stagnieren, sind bei den durch Asylbewerber oder Flüchtlinge begangenen, aufgeklärten Straftaten mit 19,4 Prozent auf 3704 Fälle deutliche Zuwächse festzustellen. Hauptsächlich handelt es sich hierbei um Körperverletzungen (877), Diebstahlsdelikte (716) und Betrugsdelikte, die eine deutliche Steigerung um 179 Prozent auf 860 aufweisen. Bei den das Sicherheitsgefühl besonders beeinträchtigenden Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden in 84, bei Straftaten gegen das Leben in sieben der aufgeklärten Fälle Asylbewerber oder Flüchtlinge als Tatverdächtige ermittelt. Gerade die Tötungsdelikte und die Körperverletzungsdelikte ereignen sich überwiegend zwischen den Flüchtlingen und stehen teilweise immer noch mit den Unterbringungsverhältnissen in Verbindung. In diesem Zusammenhang ist weiterhin eine hohe Anzahl von polizeilichen Einsätzen an Flüchtlingsunterkünften zu verzeichnen. Dennoch verlagern sich die Tatorte zunehmend aus den Asylheimen in den öffentlichen Raum.

Diebstahlsdelikte bilden mit rund 13 483 Fällen (2017: 14 743) immer noch den Großteil aller registrierten Straftaten, haben aber im Vorjahresvergleich um fast neun Prozent abgenommen. Besonders erfreulich ist dabei die Entwicklung im Bereich des Wohnungseinbruchdiebstahls, dessen Fallzahlen seit dem Höchststand im Jahr 2014 (1045) nahezu halbiert werden konnten. Im vergangenen Jahr wurden mit 543 Wohnungseinbruchsdiebstählen insgesamt 18,8 Prozent weniger Fälle erfasst als 2017. Im Zehnjahresvergleich gab es nur 2009 weniger Wohnungseinbrüche (495). Die Aufklärungsquote erhöhte sich leicht auf 17,9 Prozent. Von den 58 ermittelten Tatverdächtigen (2017: 88) besitzen über 65,5 Prozent keine deutsche Staatsangehörigkeit. Der überwiegende Teil stammte aus ost-/südosteuropäischen Staaten, von wo aus mitunter hochprofessionell agierende Banden anreisen. Die polizeilichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität zeigen Erfolge und werden 2019 innerhalb des Polizeipräsidiums Reutlingen konsequent fortgesetzt.

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