Wanderer erlaufen sich Baachs Geschichte

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 Vom Peterskäppele am Emerberg aus hatten die Wanderer einen eindrucksvollen Blick ins Aachtal und erfuhren viel Wissenswertes ü
Vom Peterskäppele am Emerberg aus hatten die Wanderer einen eindrucksvollen Blick ins Aachtal und erfuhren viel Wissenswertes über die Umgebung von Baach. (Foto: Heinz Thumm)
Heinz Thumm

Der Albverein Zwiefalten hat es sich zur Aufgabe gemacht die Zwiefalter Ortsteile näher kennenzulernen. Nach Upflamör und Gauingen war nun Baach an der Reihe. „Wir wollen etwas für die Gemeinschaft tun“, stellte Obmann Peter Weckenmann das Ziel vor. Das Interesse war groß: In zwei Gruppen zogen fast 50 wetterfeste Wanderer über die Fluren und trafen sich im Teilort Baach zum gemeinsamen Abschluss.

Die erste Gruppe wurde von Josef Ott angeführt. In flottem Schritt wurde der Galgenberg erreicht. Auf dem dortigen Spielplatz zeigte Ott mehrere alte Grenzsteine mit den Initialen „Z“ und „B“, die auf Zwiefalten und Baach gedeutet wurden. Unmittelbar hinter dem Höhenfreibad führte der Weg vorbei an der Erddeponie bis auf die Höhe am Bühlhof. Dort hatten die Wanderer 150 Höhenmeter vom Rental aus erklommen. Von dort aus führte der Mochentaler Weg – auch Prälatenweg genannt auf den Emerberg. Durch leuchtend grüne Buchenwälder und auf dem Oberschwäbischen Pilgerweg erreichten die Wanderer bald den Wikerstein.

Der Rundblick von der Kapelle am Waldrand des Emerbergs über das Aachtal wurde zum Höhepunkt der Wanderung. Das Peterskäppele wurde von einer Familie Diem als Pestkapelle gespendet und ist der Heiligen Maria geweiht. Der Blick in Richtung Norden geht über das Ganstal, den Schneckengarten in Richtung Otterbrunn. Dort entspringen drei Quellen, welche in in kleinen Bächen in Richtung Baach wasserführend sind. Am Gegenhang liegt der Schlossberg mit der Burg Ried (erstmals 1088 urkundlich erwähnt) vor dem Teutschbuch. In südlicher Richtung geht der Blick über den Wislinger Esch. Oberhalb der Kläranlage liegt der größte Bullenmastbetrieb in der Region mit über 2000 Tieren und einer großen Biogasanlage.

Früher lagen hier mehrere kleine Ortschaften und Siedlungen; bekannt sind: Steingart, Breitenfeld, Wislingen und Brunnen. Durch Pest und in schlechten Zeiten sind die Orte wieder untergegangen. Im Talgrund, gut vom Berghang aus zu erkennen, ist das frühere Baacher Armen- und Siechenhaus, das 1606/08 vom damaligen Kloster Zwiefalten erbaut wurde. 2001 wurde das Gebäude von Familie Auchter gekauft und in eine Radlerherberge umgebaut.

Im Tal verläuft die Zwiefalter Aach, diese wurde 1825 begradigt. Später mussten die im Tal liegende Grundstücke alle drainiert werden. In südlicher Richtung liegt der Ortsteil Attenhöfen mit seiner privaten Kapelle. Attenhöfen gehört seit alters her zu Baach. Steil den Berg hinab wurde Baach erreicht und das Neubaugebiet Brühlwiesen durchwandert. Unter der Führung von Georg Treß hatte sich die zweite Wandergruppe nach Abschluss der Maiandacht im Zwiefalter Münster auf den Weg gemacht und war entlang des Aachtals nach Baach gezogen. Bei der historischen Öl- und Lohmühle am Wäschbächle trafen sich beide Wandergruppen zur Führung in der Öl- und Lohmühle.

Die Mühle wurde durch Wasserkraft des Ganstalbächles betrieben. Es wurde Leinöl gewonnen und Lohblüten gemahlen. Dadurch wurde Material gewonnen für die um 1825 noch betriebenen beiden Gerbereien. In einer Rot- und einer Weißgerberei wurden Häute und Felle unterschiedlicher Art bearbeitet. Auf dem Weg zur Ortsmitte mit dem Dorfbrunnen und der doppelgesichtigen Madonna wurde eine kurze Pause eingelegt.

Wurzeln des Juxmarktes

Gleich nebenan war zu Klosterzeiten im Untergeschoss die Badstube des Klosters enthalten. Im Hof des Hauses fand später der Vorgänger des nachfolgenden Juxmarktes am Rosenmontag statt. Teilnehmer berichteten, dass im Laufe des Tages im ganzen Haus gefeierte wurde. Und auch Altbürgermeister Karl Ragg erzählte, dass gegen Abend meist eine Kuh vorgeführt wurde. Der Bürgermeister, die örtliche Hebamme und weitere Honoratioren wurden auf die Kuh gesetzt und wurden auf der Kuh reitend im Reigen geführt. Bis zum 31. Dezember 1979 war im gegenüberliegenden Gebäude die örtliche Molkerei untergebracht.

Im Gasthof Mohren wurde die Wanderung für eine Stärkung unterbrochen. Josef Ott erzählte die Geschichte des alten Wirtshauses, das von 1730 bis 1948 eine Brauerei war. Das Obergeschoss und auch in mehreren benachbarten Gebäude weisen die Balken zahlreiche Zapfenlöcher vor. Experten erkannten die Holzbalken der früheren romanischen Pfarrkirche, die kurz vor dem Bau des Zwiefalter Münsters (1688) beim Abbruch der Pfeilerbasilika mit Vorhalle, übrig waren.

Die auffällig nach Süden ins Tal gerichtete Baacher Stephanuskapelle (erbaut 1668) wurde noch von Josef Ott mit ihren Besonderheiten beschrieben und erläutert. Danach wurde die Ortsführung mit einigen Marienliedern abgeschlossen und in der Abendsonne der Rundblick über genossen.

In der Klosterzeit (1089 bis 1803) profitierte Baach von dem geschlossenen Klosterbereich durch die Ansiedlung zahlreicher Handwerker. Folgende Berufe wurden aufgezählt: zwei Bäcker, ein Schmied, drei Maurer, zwei Metzger, zwei Hafner, zwei Schneider, zwei Zimmerleute, ein Sattler, ein Seiler, ein Wagner. Um 1900 war die Einwohnerzahl mit über 300 Bürgern am höchsten. In über 80 Haushalten, darunter bis zu 50 Bauersfamilien, war der Ort stark landwirtschaftlich geprägt. Nach einem deutlichen Rückgang sind in den vergangenen Jahren die Einwohnerzahl, vor allem durch junge Familien, wieder angestiegen und liegen aktuell bei 270.

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