„Vorzeigestück und Beispielprojekt“

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Heinz Thumm

Nach gut zweijähriger Umbauphase sind das denkmalgeschützte ehemalige Rathaus und die neue Feuerwehrgarage in Upflamör am Samstag offiziell eingeweiht und mit einem Tag der offenen Tür übergeben worden. Für den neuen Bau hat die Dorfgemeinschaft rund 5500 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet. „Dieser Geist von Upflamör“ zog sich in allen Reden der politischen Prominenz wie ein roter Faden durch den Nachmittag.

92 Einwohner hat Upflamör. Bei den Arbeiten für das Gemeinschaftswerk haben Bürger aus fast jedem Haus mitgeholfen. Durch die Übernahme zahlreicher Vorschläge entwickelten sich neue funktionelle Möglichkeiten. Zusammen mit den Auflagen des Denkmalschutzes wurde stilgerecht saniert. So entstand ein gemütlicher Versammlungsraum mit Amtsstubencharakter. Die alte Gefängniszelle ist noch vorhanden und ein Warteraum für den Bus ist auch gegeben. Viel Freude bereitet auch das wieder eingerichtete Backhaus, das an diesem Tag mit vier Mitarbeiterinnen stets frisch gebacken hat.

Auch die Feuerwehrgarage erfüllt alle Erwartungen. In der Halle steht ausreichend Platz zur Verfügung, Geräte und Ausrüstung können in einem Nebenraum gut sortiert bereitgestellt werden. Ein Aufenthaltsraum und die überfälligen Sanitäranlagen werden vom gemeinsamen Heizraum aus warm gehalten. Eine Besonderheit ist die großzügige Terrasse, welche als neue Dorfmitte viele Möglichkeiten für das dörfliche Miteinander liefert.

Ein Dorf mit Charakter

Zur Eröffnung der Einweihung spielte die Musikkapelle Zwiefalten flott. Bürgermeister Matthias Henne zeigte sich stolz auf die starke Gemeinschaft in Upflamör. Minutenlang begrüßte er prominente Gäste in dem Dorf, dessen Bürger nach seiner Ansicht „mit Charakter und Charakterköpfen gesegnet, bodenständig, scheu, eigensinnig, kantig sind, aber stets tatkräftig zupacken“. Er lobte weiter „die unbändige Energie und das Feuer im Hintern der Bürger von Upflamör“. Namentlich dankte er Markus Siefert, Florian, Manuel und Franz Schwendele, „die in einem hervorragenden menschlichen Miteinander Führungsarbeit geleistet haben“.

Bei einem Gesamtaufwand von 545 000 Euro wurden 366 000 Euro Förderung durch das Land Baden-Württemberg und den Landkreis Reutlingen zur Verfügung gestellt. Dafür bedankte sich Henne bei allen Verantwortlichen.

Der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Peter Hauk zeigte sich beeindruckt. Auch er lobte den vorbildlichen bürgerschaftlichen Zusammenhalt und zeigte größten Respekt. Dazu stellte fest: „Hier gehen noch Dinge, die andernorts nicht mehr machbar sind!“ Für Minister Hauk ist der ländliche Raum eine wichtige Antriebsfeder und biete Perspektiven für die Menschen. „Begegnung im Raum schafft Identität und die Anbindung an das Breitbandnetz bringt Sicherheit für die Zukunft“, so Hauk. Er nannte die Maßnahmen ein „Vorzeigestück und Beispielprojekt“.

Auch Regierungspräsident Klaus Tappeser sprach voller Stolz von der Lebensqualität und Kreativität im ländlichen Raum. Er drückte seine große Anerkennung für das Projekt aus und wünschte viele gute Begegnungen. Landrat Thomas Reumann nannte „unseren ländlichen Raum ein Kraftzentrum des Landes – voller Selbstbewusstsein und Gestaltung des gemeinsamen Miteinanders“.

In weiteren Ansprachen wurde „der historische Moment“, aber auch „das Herzblut und die Herzensangelegenheit des Bauteams“ und auch der „gute Zusammenhalt und der gemeinsame Geist“ gelobt und beschworen.

Pfarrer Roland Albeck fragte in seiner Ansprache: „Was ist Kultur und welche Kultur brauchen wir?“ - Er wünschte sich keine Kultur von tausend Einzelegoismen, sondern „ein tolles Miteinander in gemeinsamer Arbeit und in gutem Geist“. Pfarrer Paul Zeller sprach das Segnungsgebet und bespritzte mit dem Ruf „Weihwasser-Marsch“ das Feuerwehrgerätehaus, das Dorfgemeinschaft und die Gäste mit Weihwasser.

Dann folgte ein gemütliches Beisammensein in der neuen Dorfmitte. Die angebotenen Rundgänge durch die neuen Häuser wurden gut angenommen. Auf der Terrasse und in der Kaffeestube konnten alle Gäste die Stimmung genießen. Die Kinder durften bei Rundfahrten mit dem Feuerwehrauto die Umgebung anschauen.

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