Vorbeugende Maßnahmen bei Starkregen

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 Während früher die Flurstücke in Hanglagen schmal und jeweils mit einem Rain und Heckenbewuchs das Wasser aufnahmen, kann die E
Während früher die Flurstücke in Hanglagen schmal und jeweils mit einem Rain und Heckenbewuchs das Wasser aufnahmen, kann die Erosion auf großen Feldern und – je nach Kultur – lange Zeit blankem Boden zu erheblichen Abschwemmungen führen. (Foto: Heinz Thumm)
Heinz Thumm

In einem solidarischen Miteinander und mit viel gegenseitiger Unterstützung wurden die Schäden nach dem Starkregenereignis im Juni 2018 in Baach beseitigt. Weil zu befürchten ist, dass sich klimabedingt derartige Wettergeschehnisse wiederholen, wurde in einem Bürgerdialog mit kompetenten Fachleuten versucht, dass durch vorbeugende Maßnahmen Schäden vermieden werden können.

48 Besucher folgten der Einladung in den Gasthof „Mohren“, darunter auch fünf Frauen und vier Gemeinderäte. Bürgermeister Matthias Henne sprach den Bürgern zuerst ein Dankeschön aus für die gemeinsame Beseitigung der Schlamm- und Wassermassen, welche im Bereich der Marienstraße in Baach Schäden und Verschmutzungen verursacht hatten. In einer halben Stunde waren damals rund 40 Liter Wasser je Quadratmeter niedergegangen.

Friedhelm Werner vom Büro Künster aus Reutlingen war als Moderator eingesetzt. Er machte die Betroffenen zu Beteiligten und gab als Ziel aus: „In einer sachlichen Diskussion miteinander Sensibilität schaffen und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten.“ Um eine einheitliche Basis zu finden und Daten, Fakten und Sichtweisen zu erhalten, war eine Reihe von Fachleuten eingeladen.

Hans-Jörg Brändle von der Unteren Wasserbehörde beim Landratsamt Reutlingen verwies auf die Topografie und führte aus, dass bei derartigen Starkregenfällen kein 100-prozentiger Schutz möglich sei. Im günstigsten Fall soll die Rückhaltung außerorts vorgenommen werden.

Die Leiterin des Amts für Landwirtschaft, Elke Weidinger, stellte die Rechtsgrundlagen für vorbeugende Maßnahmen und schädigende Auswirkungen im Zusammenhang mit Erosionsschutz vor. Zum Erhalt von Flächen in gutem landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand gilt das Fachrecht. Wendelin Heilig schilderte die Veränderungen der Witterung in den vergangenen 50 Jahren – vom Landregen zu heftigen Starkregen. Er zeigte auch die Verluste an Krume, Humus und Stickstoff bei verstärktem Abfluss von Oberflächenwasser und Bodenmaterial auf.

Anschließend stellte er erosionsmindernde Maßnahmen vor, zum Beispiel mehrjährige dauerhafte Ackerrandstreifen, Mulchsaat, Querbewirtschaftung, Schlagteilung, vielfältige Zwischenfrucht, organische Düngung und Variationen der Fruchtfolgen.

Bastian Rochner, Geschäftsführer vom Landschaftserhaltungsverband beim Landratsamt Reutlingen, beschrieb die Veränderungen in der Naturlandschaft. Hecken wurden ausgedünnt, früher gestufte Flächen mit Rainen und Feldhecken wurden in große Schläge ausgeweitet. Die Anlage von Feldgehölzen ist weiter angestrebt.

Zahlreiche Bürger ergänzten mit konkreten Vorschlägen die notwendigen Maßnahmen. Hermann Schaible wünschte, dass die Ackerrandstreifen (Pufferstreifen) bei Erosionsstufe I förderfähig erhalten bleiben. Marcel Ott schlug vor auf den vorgezeigten Karten die erosionsgefährdeten Bereiche zu aktualisieren. Heinz Bertsch beschrieb den Wandel von früheren Wiesen zum heutigen Ackerland. Gleichzeitig verwies er auf weitere erosionsgefährdete Gebiete wie Emerberg oder Radlerherberge. Er bestätigte die Wichtigkeit der Raine.

Daniel Burgmayer, einer der verbliebenen vier landwirtschaftlichen Betriebe in Baach von ehemals 16, erklärte das „Höfesterben“ und die Veränderungen der Kulturlandschaft. Er beschrieb die konkreten Maßnahmen gegen Erosionsgefahren und verwies auf wirtschaftliche Notwendigkeiten.

Im direkten Austausch zwischen Bürgermeister Matthias Henne und Hermann Schaible wurden Maßnahmen an den Wegen und Straßen besprochen. Der Bauhof ist angehalten, Schächte zwei Mal im Jahr zu reinigen und zugewachsene Gräben zu öffnen. Die Kehrmaschine wird – auch in den Teilorten – in gefährdeten Bereichen zwei mal im Jahr eingesetzt. Entlang von Ortsverbindungsstraßen sollen mit dem Gemeindeverwaltungsverband total vernachlässigte Gräben und zugewachsene Hecken bearbeitet und möglicherweise Stauschwellen eingebracht werden.

Auf Vorschlag von Hans Burgmaier nahmen die Bürger gerne auf, dass innerhalb der Ortschaften jeder Bürger selbst viele Wasserableitungen und Kleinigkeiten erledigen soll, wie es auch die Hinweise und Pflichten der Eigenvorsorge für Hochwasser beinhalten.

„Es gibt nichts Gutes – außer man tut es!“ fasste Moderator Friedhelm Werner zusammen. Dank sprach er an die Fachleute aus, die mit konkreten und anerkannten Maßnahmen die Grundlage für eine sachliche und fundierte Diskussion gelegt hatten. Mit Freude konnte er festhalten, dass auch ein befriedigendes Miteinander bei den Maßnahmen gefunden wurde. Dafür bedankte sich auch Bürgermeister Henne bei allen Fachleuten und den Bürgern, die den Bürgerdialog in Baach zu einem guten Ergebnis geführt haben. .

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