Vor 200 Jahren: Der Mord vom Emerberg

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 Josef Ott schilderten den Wanderern die Geschichte der Ermordung Josef Wikers aus Emeringen.
Josef Ott schilderten den Wanderern die Geschichte der Ermordung Josef Wikers aus Emeringen. (Foto: Heinz Thumm)
Heinz Thumm

Ein Gedenkstein im Wald auf dem Emerberg am Weg nach Zwiefalten in der Nähe der Peterskapelle erinnert an die Ermordung von Josef Wiker aus Emeringen am 12. August 1818. Die Geschichte vom Mord an Josef Wiker und vom tragischen Leben seines Mörders Michael Starkmann ist in einer Dokumentation von Ulrich Dewald aus Münsingen auf Grundlage der umfangreichen Gerichtsakte im Staatsarchiv Ludwigsburg erhalten geblieben. Mit ihr verknüpft ist auch der Bericht von der letzten Hinrichtung in der Oberamtsstadt Münsingen. Auf seiner Ortsteilwanderung machte die Kolpingsfamilie Halt an dem Gedenkstein.

Die unmittelbare Vorgeschichte des Mordes geschah am 8. August 1818, vier Tage vor dem eigentlichen Mordtag. Der gelernte Zimmermann Michael Starkmann aus Manersdorf in Österreich-Ungarn arbeitete als Knecht und Tagelöhner in der Gegend um Riedlingen und Zwiefalten. Zuletzt war er als Erntehelfer bei dem Bauern Anton Wiker in Emeringen beschäftigt. Weil die Ernte vorüber, zwei Feiertage folgten und keine fortwährende Beschäftigung möglich war, war er in finanziellen Nöten.

Starkmann wusste von der wertvollen Uhr, die der kleine Josef zur Erstkommunion von einem Pfarrer oder Lehrer geschenkt bekommen hatte. Er wusste auch, dass der Wiker’sche Sohn alle Tage in den Unterricht nach Zwiefalten ging zum Lateinunterricht beim Vikar oder zum Klavierspiel beim dortigen Lehrer. Er kannte den Weg und verfolgte ihn immer wieder. Mehrmals passte er den Jungen ab, doch sein Gewissen hielt ihn von einem Diebstahl ab.

Am 12. August, um halb fünf Uhr, wanderte der unschuldige Knabe sorgenlos herbei. Aus den Vernehmungsprotokollen ist zu entnehmen, dass Starkmann den Jungen nach der Uhrzeit fragte. „Halb fünf Uhr“, soll der Knabe geantwortet haben und wurde daraufhin von dem Mörder mit einem Messer ins Herz gestochen. Auf diesen Stich hin sprang der Unglückliche schnell den Berg hinab und fiel leblos zu Boden. Zwei Männer auf den Feldern hörten Schreie, eilten hinzu und fanden den Ermordeten „im Blut liegend vor“.

Die Nachricht vom Mord an Josef Wiker erreichte noch am selben Abend das Unteramt in Zwiefalten. Eilends wurden Suchtrupps aufgestellt, die in alle Richtungen auszogen, um den Mörder zu fassen. Diese fanden den Verdächtigen Michael Starkmann in der Nähe von Indelhausen und lieferten ihn in Zwiefalten ab. Am 14. August wurde der Mörder nach seinem Geständnis in die Oberamtsstadt Münsingen, von dort aus am 17. August nach Urach zur Spezialinquisition überführt.

Die Verhöre, Zeugenvernehmungen und Befragungen dauerten mehr als sechs Monate. Am 6. April 1819 kam Michael Starkmann von der Untersuchungshaft in Urach nach Münsingen. Dort blieb er in Haft, während in Ulm am Kriminalsenat des königlichen Gerichtshofs für den Donaukreis das schriftliche Gerichtsverfahren gegen ihn geführt wurde. Am 23. Mai 1820 sprach das Königliche Obertribunal in Stuttgart das Todesurteil gegen Starkmann.

Am 5. Juni erfolgte die Hinrichtung auf dem Schafott (zwischen dem Alten und Neuen Traiflinger Weg, wo heute das Neubaugebiet liegt). Bei der Hinrichtung durch den Scharfrichter Beltlin von Tübingen gab es dann Probleme, weil „die Schwertstreiche schlecht geführt wurden“. Gegen den Scharfrichter Beltlin wurde in Tübingen ein Verfahren eingeleitet. Der Leichnam Starkmanns kam nach Tübingen zur gerichtsmedizinischen Untersuchung. Dort wurde er wohl auch beerdigt.

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