Valerie Ott bruddelt sich an die Spitze

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Jana Mack

90 Jahre Narrenzunft, 45 Jahre Bruddelsupp: Ein zweites Jubiläum feierte die Narrenzunft Rälle am Fasnetsdienstag in der Rentalhalle. „Oimol bruddla, oimol schnupfa, oimol rutscha hähähä…“, hallte das tradtionelle Brudelllied unzählige Male durch die Halle. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen stand Valerie Ott als Siegerin fest.

Nachdem das närrische Publikum Zunftmeister Jochen Fundel in der Litanei versicherte, dass alles seine Ordnung habe, trat Zeremonienmeister Gerold Hofmaier in die Bütt: „Die Zwiefalter Bruddel isch a seltenes Stuck, bei Bruddel und Kuddel lassat mir ab dr Druck“, verkündete er. Und: „45 Johr ond koiner miad, die Bruddelei halt emmer no ziaht.“ Neben einem Rückblick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten nahm er einige Begebenheiten aus dem Ortsgeschehen auf die Schippe. So übersetzte er eine Immobilienverkaufsanzeige der Gemeinde ins Schwäbische: „Eine wahrlich besondere Immobilie, bei der ’s zu de Fenster neizieht und dr d’Hoizkosta ruinierat“ anstatt „mit viel Charme“.

Bevor die Bütt für die Bruddler eröffnet wurde, verlas Rälle-Büttel Herbert Ott die Regularien: „A Kappa auf dr Grend nauf ghert, dass jeder woiß, wos Gsicht aufhert“, lautete ein Paragraf. Außerdem dürfe niemand vor dem Burggrafenpaar den Saal betreten und diesen auch nur über die Rälle-Bruddel-Rutsche verlassen.

Traditionell bruddelte der letztjährige Sieger als Erster: Lothar Jaeger kritisierte die Bruddelsupp selbst. Genauer: Die Bruddel-Rutsche. Man solle diese entweder abschaffen oder einen geordneten, einheitlichen Abrutsch einführen: „So hätte des Bruddelende ein bess’res Gesicht und einsame Bruddler auf der Rutsche gäbe es nicht.“ Nachdem Jaeger von der Bruddelsupp über Tempolimits bei der Politik ankam, wurde er plötzlich von seinem Sohn Nico Jaeger unterbrochen: „Vati, jetzt lass des Politikgefasel endlich sei.“ Mit der Botschaft, Platz für die Jungen zu machen, schickte er Vater Lothar in den „Fasnetsruhestand“.

Andrea Ott beschwerte sich über frühe Busabfahrtszeiten sowie über Zunftmeister Fundel, der „alte Weiber“ zu ihnen gesagt habe. Joe Weber und Cornelia Weber-Scheit nahmen die Hausfasnet mit Arbeitseinsätzen und Zunftball aufs Korn. Es fehle an Atmosphäre und Romantik bei der Dekoration, „ond gschmückt g’hört die Bar en meiner Regie, noch sieht’s do nemme aus wie en ra Pathologie“, so Weber-Scheit.

Kalte Kutteln mit Musik

Jaeger blieb nicht der Einzige mit Kritik an einem Teil der Bruddelsupp: Valerie Ott wünschte sich von Hofmaier weniger schiefe Reime als im vergangenen Jahr. Außerdem beklagte sie sich als Mitglied im Kolping-Fanfarenzug, dass die Kutteln stets kalt gegessen werden müssen, weil Fundel ein Musikstück verlange: „Der FZ spielt, egal ob gern oder it, da macht oifach jeder mit“, sang sie in einem Lied. Mit einem Rundumschlag von Konfettikanonen bis hin zum späten Abbau des Narrenbaums 2018 gelang es ihr, das Publikum zu begeistern. Als Ersatz für das Schnupfen nach jedem Beitrag brachte die schwangere Ott Apfelmus auf die Bühne, es hieß: „Oimol bruddla, oimol schlürfa …“

Rolf Hertkorn betrat die Bütt, um sich über ein von der „niveaulosen Zwiefalter Jugend“ getextetes Lied zu beschweren, welches ihn als Frauenheld darstellt. Auch die Lüge, „er sei der Oberbruddler von ganz Süddeutschland“ wollte er aus der Welt schaffen und lobte die Zunft für ihr Jubiläum. „I ka mi it entsinnen, dass es in de letzte Jahre mal so eng war“, meinte Fundel, bevor er Valerie Ott den Pokal übergab. Musikalisch wurde die Bruddelsupp von der Musikkapelle unter Leitung von Alexander Ott und dem Fanfarenzug unter Leitung von Marcel Ott begleitet. Zudem gab es eine Ehrung für Uwe Ruf, der 40 Jahre lang beim Narrenbaumstellen aktiv ist.

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