Die Silberdistel eine markante Pflanze ist neben einer bedeutenden Pflanzenvielfalt Merkmal der Schwäbischen Alb.
Die Silberdistel eine markante Pflanze ist neben einer bedeutenden Pflanzenvielfalt Merkmal der Schwäbischen Alb. (Foto: Heinz Thumm)
Heinz Thumm

35 Personen der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins und die Seniorengruppe der Kolpingsfamilie Zwiefalten informierten sich im Dorfgemeinschaftshaus Mörsingen über die Pflanzenvielfalt der Schwäbischen Alb. „Was blüht denn da?“ fragte Manfred Hagen aus Ehingen mit einer Bilderserie von fast 100 Pflanzen. Dazu erklärte er die Lebensräume der vorkommenden Flora und wusste viele Besonderheiten zu erzählen.

Auf den Kalkverwitterungsböden der Schwäbischen Alb wachsen viele Charakterpflanzen. Viele sind unscheinbar, andere haben strahlend-leuchtenden Blüten und sind auch noch stark duftend, wie der Seidelbast. Mit dieser weit verbreitenden Pflanze, die im Frühjahr als eine der ersten blüht, startete der Referent seine Tour. Übrigens: Alle Organe der Pflanze enthalten das scharf schmeckende Gift Mezerin.

Die kleine und unscheinbare Anemone, Veilchen, Huflattich und Nieswurz sind typische Frühblüher und erfreuen uns im beginnenden Frühling. Auf großen Flächen treten viele flächenhaft auf und zeigen sich oft auf ausgedehnten Hängen. Leberblümchen, Lungenkraut und Lerchensporn blühen ebenfalls bereits im Frühjahr. Die Samen des Hohlen Lerchensporns werden durch Ameisen verbreitet. Der Hohle Lerchensporn enthält besonders in der Knolle Alkaloide und ist dadurch giftig und gilt als alte Heilpflanze. Weit verbreitet sind auch die Traubenhyazinthe und Schlüsselblumen.

Es ist immer wieder spannend zu beobachten, welche Pflanze als erste auftaucht. Da sich die Standorte laufend verändern, kann dies auch in Jahren zu Verschiebungen führen.

Viele blühende Pflanzen fühlen sich besonders auf nährstoffarmen Böden wohl, Düngergaben sollten zum Schutz der typischen Pflanzen weitgehend vermieden werden. Dies kann einer der Gründe sein, warum die Küchenschelle immer weiter zurückgeht.

Eine besondere Augenweide liefert die jährliche Blüte der Streuobstbäume. Weltweit gibt es in Baden-Württemberg die größten und schönsten Bestände, die herrliche Anblicke bilden, aber nachfolgend viel Arbeit erfordern.

Sehr eindrucksvoll sind auch die Blüten der Waldbäume, oft unscheinbar, aber auch in großer Zahl. Die Lindenblüten werden für sehr aromatischen Tee verwendet (ätherische Öle). Auch bei den Sträuchern gibt es viele Besonderheiten: Der oft üppig blühende Weißdorn hat zwar einen widerlichen Blütenduft, die Blätter enthalten aber herzwirksame organische Säuren, weshalb sie als Heilpflanze gelten.

Eine besondere Krönung bieten die vielen Orchideen: Knabenkraut, Frühlingsenzian, Dreh-, Nest- und Sommerwurz, Fliegenragwurz, Brandknabenkraut, Kuckucksblume, Waldvögelein und die Königin: Frauenschuh. An den Standorten dieser Pflanzen sollte besondere Aufmerksamkeit angewandt werden, damit nicht Pflanzen zertreten werden.

Dies gilt auch für Felsköpfe und exponierte Flächen auf denen häufig sehr sensible Pflanzen (z.B. Bergnelken) unter schwierigen Bedingungen wachsen. Ob direkt an Felsen (Felsenknabenkraut, Natternkopf) oder in feuchten Schluchtwäldern (Türkenbund) überall haben sich die Pflanzen, die geeigneten Standorte ausgesucht.

Augentrost, Aronstab, Habichtskraut oder einfach Wegerich - viele Pflanzen haben eine besondere Bedeutung oder auch Heilwirkung, Aus den Wurzeln des gelben Enzians kann genussvoller Schnaps hergestellt werden. Im Herbst und gegen Ende des Jahres wechseln die Pflanzen dann auf Astern, Herbstzeitlose (giftig), Glockenblume usw.

Eine besondere Diskussion entspannte sich bei den Blumenwiesen, die immer seltener werden und ebenso wie ungepflegte und verdämmende Wiesen besonderer Pflege bedürfen. Die Arten gehen laufend zurück und damit auch die Lebensräume für Insekten. Auch die Wacholderheiden sollten mehr Aufmerksamkeit erfahren, denn der Erhalt dieser Kulturbereiche und Lebensräume ist eine wichtige Aufgabe.

Anhaltender Beifall dankte dem Referenten für die fachkundigen Ausführungen und die tollen Farbbilder und Geschichten zu mehr oder weniger bekannten Pflanzen. Die Reihe der gemeinsamen Veranstaltungen mit Informationen zu Bereichen aus unserer Heimat geben immer wieder viel Diskussionsstoff und machen auf Probleme aufmerksam.

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