„Skellig“ bringt Zuhörer in der Kirche zum Tanzen

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Irish Folk statt "Großer Gott, wir loben dich": Die Band "Skellig" lockte zahlreiche Zuschauer in den Kapitelsaal in Zwiefalten.
Irish Folk statt "Großer Gott, wir loben dich": Die Band "Skellig" lockte zahlreiche Zuschauer in den Kapitelsaal in Zwiefalten. (Foto: Jana Mack)
Jana Mack

Tanz in der Kirche? Ungewohnt, aber möglich – das bewies die Band „Skellig“ bei ihrem Konzert im Kapitelsaal, der evangelischen Kirche in Zwiefalten. Mit irischer und keltischer Folkmusik gestaltete die achtköpfige Gruppe einen Abend, der die zahlreichen Zuschauer zum Mitmachen, aber auch zum Nachdenken anregte. Gastgeber war die evangelische Kirchengemeinde.

„Wie kommt es, dass im Kapitelsaal, einer Kirche, wo wir normal Gottesdienst feiern, Irish Folk gespielt wird?“, fragte Pfarrer Roland Albeck zu Beginn des Konzerts und lieferte die Antwort gleich mit: Eine langjährige Freundschaft verbinde ihn mit Bandmitglied und Pfarrer Thomas Arndt. Daraus habe sich die Idee für das Konzert ergeben, welches dann auch vom Kirchengemeinderat bestätigt wurde. Die Musikrichtung sei zwar untypisch, die Lieder handeln jedoch vom Leben und das sei „ganz dicht an der Theologie und am Glauben dran“, so Albeck.

Die Entscheidung wurde belohnt: Über 80 Besucher füllten den Saal und ließen sich auf eine musikalische Reise von Irland über Schottland und die Bretagne bis nach Nordspanien entführen. Dabei stimmte die Band einerseits ruhige Klänge an, etwa beim Stück „Morgan Megan“. Andererseits gab es auch schnelle, heitere Stücke; bereits beim dritten Stück, „The Spanish Lady“, sang das Publikum mit. Passende Ansagen, welche auf die Thematik der Stücke eingingen, holten die Zuhörer ab und ließen sie eintauchen in Liebes-, Alltags- oder Kampfgeschichten. Und so schien es wenig verwunderlich, dass nicht nur mitgesungen, sondern auch geklatscht, gesummt und gestampft wurde.

Die Musiker aus dem Raum Blaustein forderten allerdings noch eine Steigerung: „Man kann sich gar nicht vorstellen, dass man hier in der Kirche tanzen kann, aber wir machen das jetzt“, verkündete Arndt. Ein Teil der Zuschauer traute sich, zu dem bekannten Song „Lord of the dance“ nahmen sie einander an den Händen und bewegten sich in einer rhythmischen Schrittfolge im Kreis.

Jahrhundertelang sei Tanz in der Kirche verpönt und sogar verboten gewesen, erläuterte Arndt: „Die Christen haben es sich angewöhnt, steif in den Bänken zu sitzen. Die Freude an Gott körperlich auszudrücken, haben wir verlernt.“ Dabei solle die Liebe zwischen Gott und dem Menschen gefeiert werden, die Freude solle spürbar sein. Mit Geschichten aus dem Alten Testament sowie einer Passage aus dem Lukasevangelium unterstrich er diesen Gedanken und fragte kritisch: „Haben wir steifen, anständigen Christen wirklich begriffen, um was es im Glauben geht?“ Jeder müsse sich selbst hinterfragen.

Den Bogen vom Nachdenklichen wieder zum Ausgelassenen zu spannen gelang der Band ein ums andere Mal. Mit Stücken wie „Ye Jacobites by name“, „Dublin Jack of all Trade” oder „I´ll tell me Ma” kam Stimmung in den Kapitelsaal. Mit großer Klangfülle, dynamischen Abstufungen und diversen Soli zeigten die Musiker auch ihre individuelle Qualität. Bevor lautstarker Applaus sie belohnte, erklang das letzte, einzige deutsche Lied des Abends, „Irischer Segen“.

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