Schulkinder erfahren Geschichte im Schloss Ehrenfels

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 Viel Spaß hatten die Schüler beim Wasserholen am Hasenbach.
Viel Spaß hatten die Schüler beim Wasserholen am Hasenbach. (Foto: th)
Heinz Thumm

Im historischen Schloss Ehrenfels haben vier Schulklassen das Leben wie vor 150 Jahren erfahren: Ohne Strom und Wasser verbrachten sie eine Nacht im Schloss und konnten mit Unterstützung der Schloss Ehrenfels Saint-André Stiftung wertvolle Erfahrungen sammeln.

Bei der Ankunft im Schloss am späten Nachmittag herrschte ordentliche Aufregung. Nicoletta Freifrau von Saint-André gab einige Regeln für den Aufenthalt aus. „Auf diesem Stock dürft ihr in alle Zimmer gehen, deren Türen offen stehen“, erklärte sie und ergänzte: „Fühlt euch wie zu Hause.“ Als klar war, dass man auf dem 66 Meter langen Gang auch mit dem Kinderfahrrad zur Toilette fahren darf, war der Bann gebrochen.

Das große Winterwohnzimmer war einer der beiden Schlafräume. Die Büchersammlung an den Wänden faszinierte die Kinder. Auch der wertvolle alte Flügel fand seine musikalischen Meister. Der Schüler Mattis aus Hayingen präsentierte klangrein das Stück „Seerosen in Dir“ und bekam dafür frenetischen Beifall. An zwei Abenden wurde von den Kindern ein kleines Konzert aufgeführt, das alle Besucher begeisterte.

Zwischendurch wurden die Unannehmlichkeit und Lasten der „alten Zeit“ sehr deutlich. Mit zwei Eimern wurde an einem Steg im Hasenbach Wasser geschöpft. Gar manches mal schwammen Blätter oder Gras drin. Die Geschichte war an allen Orten zu spüren, besonders als beim Besuch im Vorratskeller der eigentliche Zweck des Schlossbaus erklärt wurde. Mit seinen 66 Metern Länge und über zwölf Metern Breite bewegte der Keller die Phantasie der Kinder. Der unebene Lehmboden und die Wasserführungen zur Erzielung einer hohen Luftfeuchtigkeit verbunden mit den mächtigen Säulen machte großen Eindruck. Im rustikalen Speisesaal erklärte die Baronin an einem runden Tisch mit drehbarer Platte die früheren Regeln beim Essen und Spielen. Auch über die Geheimnisse eines Holzbehälters – als Vorgänger für einen heutigen Kulturbeutel – staunten viele Kinder. Als sie sich mit dem Federkiel ins Gästebuch eintragen durften, war die Geschichte endgültig lebendig.

Zum Abendessen ging es in den Schlosshof. Dort waren auf zwei Feuerstellen bereits die Köstlichkeiten vorbereitet. Daniel Tress hatte die Knochen von den Reh- und Wildschweinkeulen entfernt. Zusammen mit duftendem Kartoffel- und Karottengemüse schmeckte das saftige Wildfleisch köstlich. Zum Nachtisch gab es Apfel-Kratzete, die am offenen Feuer angerichtet und direkt aus der Pfanne gelöffelt wurde. Als (alkoholfreies) Kinderbier ausgeschenkt wurde, stieg die Stimmung.

Referenten erklären die „alte Zeit“

Die Zeit vor 150 Jahren erklärten verschiedene Referenten mit ihren Vorträgen. Förster Heinz Thumm schilderte die frühere Wald- und Holzwirtschaft. Zimmermeister Elmar Herter aus Hayingen fesselte die Kinder mit Geschichten von Zimmerern auf der Walz und stellte die handwerklichen Leistungen vor. Apotheker Carsten Wagner aus Plattenhardt ließ die Kinder alte Hausmittel herstellen und Düfte erfahren. Die Gesundheitspflegerin Renate Freifrau von Ritter zu Groenesteyn ließ die Kinder mit dem Stethoskop den Herzschlag abhören und übte mit ihnen das Messen des Blutdrucks.

Vor dem Schlafengehen erlebten die Schloss-Gäste eine Nachtwanderung ins Glastal Für viele war es das erste Mal, dass sie im Dunkeln in unbekanntem Gelände unterwegs waren. Anderntags gab es zum Frühstück schwarzen Brei und der Abschied rückte näher.

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