Rettungsaktion lässt einen nicht unberührt

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Salvatore Busche ist Höhlentaucher und hat höchsten Respekt vor der Leistung der thailändischen Kinder.
Salvatore Busche ist Höhlentaucher und hat höchsten Respekt vor der Leistung der thailändischen Kinder. (Foto: Astrid Winkeler)
Stv. Redaktionsleitung

Nach 17 Tagen in einer dunklen Höhle sind alle zwölf Jungen einer thailändischen Fußball-Jugendmannschaft und ihr Trainer gerettet. Sie mussten auf dem Weg nach draußen weite Strecken unter Wasser zurücklegen. Einer, der sich mit dem Tauchen auskennt, ist Dr. Salvatore Busche, der seit über zehn Jahren die Wimsener Höhle betaucht und im vergangenen Jahr dort einen neuen Gang und weitere luftgefüllte Hallen entdeckte.

Herr Busche, Sie sind selbst Höhlentaucher. Verfolgen Sie die Nachrichten aus Thailand?

Als Höhlentaucher und Höhlenforscher lässt einen die Rettungsaktion nicht unberührt. Es geht nicht nur um Einzelne, sondern gleich um eine ganze Gruppe Kinder und Jugendlicher mit einem erwachsenen Begleiter. Kurz mal eben die Höhlengestrandeten herausholen, geht nun mal nicht so schnell. Thailand liegt weit weg, doch trotzdessen hat jede Höhle einen besonderen Charakter und Form. Genau das macht die Rettung auch so schwierig, es gibt keine von Menschenhand geformte, gebaute und gezeichnete Gänge, welche man im Vorfeld durchgehen kann. Die Natur hat die Höhle erschaffen und das Wasser bildet sich seinen eigenen Weg durch die Höhle und formt sie aus. Das Wasser ist nicht glasklar, wie aus dem Wasserhahn, sondern trüb und es gibt kein Licht in der Höhle, alles stockdunkel. Deshalb war es wirklich ein Glück für die ganze Gruppe, dass sie von den ersten beiden Rettungstauchern gleich gefunden wurden.

Können Sie beschreiben, was es heißt in einer Höhle zu tauchen?

Höhlentauchen ist sehr komplexes Tauchen. Damit sollte man nicht ganz am Anfang vom Tauchen beginnen. Kurz mal eben einfach so in eine Höhle zu tauchen, ist lebensgefährlich. Man benötigt mindestens zwei getrennte Atemsysteme, damit man bei einem Ausfall eines Systems auf das andere wechseln kann. Kurz auftauchen ist nicht möglich, denn da ist die Höhlendecke. Keinen Meter in die Höhle ohne Leine ist ein Leitsatz, wer den nicht beherzigt, riskiert bei schlechter Sicht oder Aufwirbelung von Lehm sein Leben, denn er könnte den Ausgang nie wieder finden. Auf der Schwäbischen Alb herrscht durchgehend eine Wassertemperatur von 9°C, da brauchen die Höhlentaucher einen Trockentauchanzug für lange Tauchgänge von über einer Stunde, sonst ist die Auskühlung extrem. In einer Höhle gibt es kein Tageslicht, es ist stockdunkel. Viele Menschen kennen solche Dunkelheit gar nicht. Sie brauchen auch in der Höhe mindestens zwei Lampen, falls eine ausfällt, ist die andere Lampe die Redundanz.

Wie lange dauert die Ausbildung bis man als Erwachsener in einer Höhle tauchen kann?

Es gibt Höhlentauchkurse im Ausland, die Wissen vermitteln können. Richtig Höhlentauchen lernen und vor allem sicher, ist nur in Höhlen über viele Monate bis Jahre möglich. Sehr viele Höhlentaucher sind vorher Trockenhöhlenforscher gewesen, kamen dann an einen Siphon, wo es ohne Tauchausrüstung nicht weiter ging, dann mussten sie Tauchen lernen. Ein Höhlentauchkurs kann Wissen vermitteln, ob derjenige aber auch psychisch und mental in der Lage ist, dieses Wissen in der Höhle unter Wasser umzusetzen, kann nur derjenige selber entscheiden. Er darf keinem Gruppenzwang unterliegen, denn im Notfall muss er auch in der Lage sein, alleine in der Höhe zum Ausgang zurückzutauchen, ohne die gefühlte Sicherheit der Gruppe.

Können Sie einschätzen, welche Überwindung das Tauchen die Kinder kostet?

Die Kinder haben es hier sehr schwer, da sie wohl kaum schwimmen können, geschweige denn jemals einen Tauchkurs absolviert haben. Die große Gefahr ist die Panik, die unter Wasser jeden treffen kann und die nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Retter eine schwierige Aufgabe ist. Sollte jemand unter Wasser Panik haben, wird er aus ganz normalen Instinkten versuchen sich festzuklammern und gegebenenfalls auch den Retter in Bedrängnis bringen. Vermutlich wurden die Kinder deshalb auch zuvor etwas sediert, um Panik zu reduzieren. Vielleicht tun sich Kinder etwas leichter bei dieser Rettung, da sie im Gegensatz zu Erwachsenen vermutlich nicht alles rational dauernd durchdenken, was passieren könnte. Es ist eine sehr sehr große Leistung nach Tagen in aller Dunkelheit noch den Mut aufzubringen tauchend aus der Höhle herausgeführt zu werden.

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