Querflöte und Gitarre entfalten Klänge zum Genießen

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 Vera und Oliver Glückler begeisterten als „Duo Olivera“ in der Prälatur Zwiefalten.
Vera und Oliver Glückler begeisterten als „Duo Olivera“ in der Prälatur Zwiefalten. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Mit dem Konzert von Vera und Oliver Glückler als Duo Olivera an Querflöte und Konzertgitarre hat der Geschichtsverein Zwiefalten den Zuhörern in der vollbesetzten Prälatur einen bezaubernden Abend voll beeindruckender Musizierkunst vermittelt. Der Gang durch drei Jahrhunderte zeigte zugleich die Wandlungsfähigkeit der beiden Künstler.

Den Vater des Gitarristen kennen manche Konzertbesucher noch als ehemaligen Lehrer in Zwiefalten. Seit 2016 bereichert Sohn Oliver Glückler mit seiner Frau Vera im süddeutschen Raum wie auch in der Schweiz als Duo Olivera die konzertante Musikszene mit meisterhaftem Können an Querflöte und Konzertgitarre. Damit ernteten sie auch in Zwiefalten herzlichen Applaus.

Zu einem warmen Spätsommerabend passend begrüßten die beiden Solisten die Zuhörer voll beschwingter Leichtigkeit mit einem Allegretto von Mauro Giuliani. Als „Mozart Italiens“ bezeichnet atmete sein Maestoso den gut ins Gehör fließenden Geist der Klassik ums Jahr 1800. In weitem Bogen ließ Vera Glückler ihre Flöte jubilieren, von der Gitarre partnerschaftlich mitgestaltet. Flott, beschwingt im lebensbejahenden Dreiertakt, das abschließende Allegro, mit dem sich das sympathische Duo der Aufmerksamkeit der Zuhörer sicher sein konnte.

Ganz anders eine Asturiana als melancholische Weise aus den „Canciones populares“ des Spaniers Manuel de Falla. Dazu passend musizierte die Flötistin auf einer anderen Querflöte mit deutlich dunklerem Klangcharakter. Zum Nachdenken anregende Melodien wurden nur bedingt erhellend von der Gitarre ausgeweitet.

Perlende Passagen

Nach dem zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Wiegenliedes „Nana“ mit seinen ruhigen Phasen galt die Aufmerksamkeit der Zeit des Barocks mit Johann Sebastian Bach. Den aufmunternden Prolog des Gitarristen aus einem Menuett einer C-Dur-Sonate führte die Flötistin in perlenden Passagen als Zeichen ihrer Virtuosität weiter. Zauberhaft leicht angezupfte Pizzikatoteile vermochte sie in melodisch flüssige Themen einzubinden. Im Folgenden verbreiteten die dominanten Passagen der Flöte voll langem Atem eine ganz andere, jedoch äußerst angenehme Atmosphäre, gestützt von gebrochenen Akkorden und ebenso fließenden Sequenzen der Gitarre.

In eine musikalisch wiederum andere Welt führte das Duo die Zuhörer mit rumänischen Volkstänzen von Bela Bartok. Mit melodischen Grundgedanken vereint mit tänzerischen Elementen bot die Flötistin beeindruckende Einblicke in die Fülle des großen Klangraums ihres Instruments. Für den Gitarristen eine willkommene Gelegenheit, sich in temporeicher Wandlungsfähigkeit in den Zusammenklang der musikalischen Sprache des 20. Jahrhunderts einzubringen. Bartok hat der Gitarre klangreiche Phasen zugeschrieben, die weit über den Bedarf reiner Begleitung hinausgehen. Liedhafte Themen weiteten sich für beide Instrumente zu temporeichen rhythmisch geladenem Musizieren voll musikalischem Temperament, bei dem auch das Piccolo wirkungsvoll zum Einsatz kam.

Mit Ausschnitten aus „Les Folies d’Espagne“ von Marin Marais für Flöte solo zeigte Vera Glückler das Spektrum ihrer meisterhaften Musizierkunst. Durch Einzeltöne in ganz verschiedenen Bereichen von Tempo, Lautstärke, Tonhöhe und Temperament erschwert, wurde ihre Präsentation mit viel Beifall belohnt.

Wenngleich etwa zeitgleich entstanden, gehören Händels Sonaten in ein anderes Musikempfinden. Partnerschaftlich agierte das Ehepaar Glückler bei bedächtigen Sequenzen eines Larghetto voll melodischer Schönheit und musikalischem Liebreiz. Heiter hüpfend, beschwingt mit liebevoller Thematik das Allegro als Ausdruck barocker Lebensfreude. Vor allem bei der Flötistin sah und spürte man, dass sie diese Art Musik nicht nur spielt, sondern sie lebt.

Mit dem „Frog Gaillard“ für Gitarre solo des ursprünglich dänischen Hoflautenisten John Dowland zeigte auch Oliver Glückler seine ebenso beeindruckende Musizierkunst. Melodische Elemente, klar herausgestellt in prägnanter Betonung, vereinte er mit mühelos fließenden Passagen. Auch bei ihn spürte man, wie er sich in seine Musik versenken kann. Besonders beim „Melancholy Gaillard“ mit seinen zärtlichen Episoden, zum Träumen einladend, kam dies zum Ausdruck.

Danach huldigte das Duo mit einer kompletten Sonate in vier Sätzen noch einmal Georg Friedrich Händel. Bewundernswert nutzten die Interpreten alle Möglichkeiten, ihre Variabilität unter Beweis zu stellen. Weite melodische Bogen im Larghetto, danach trotz der Bezeichnung Andante froh stimmende Passagen voll innerer Leichtigkeit. Zum Nachdenken einladend tonlich breite Themen der Flöte trotz aller kurzgefassten Umrankungen im Adagio, lebensfroh hüpfend bei vielen virtuosen Sequenzen das temporeich interpretierte Presto.

Begleitet von rhythmisch unerwarteten Einschüben geriet „Tambourin“ von Francois Jaques Gossec voll Rasanz in virtuosen Passagen als Zeichen innerer Lebenslust zum Beschluss eines hochkarätigen Hörgenusses. Dazu passend ein fetziger Rag von Scott Joplin als eine der beiden Zugaben, verbunden mit der Bitte des Vorsitzenden des Geschichtsvereins Hubertus-Jörg Riedlinger an die Interpreten, bei passender Gelegenheit wieder einmal in der Prälatur zu konzertieren.

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