Musik mit Hand und Herz – mit Gitarre und Kontrabass

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 Bild: Dieter und Birgit Stoll an Akustikgitarre und Kontrabass gastierten beschwingt als „Horse Mountain“ im Casino Zwiefalten.
Bild: Dieter und Birgit Stoll an Akustikgitarre und Kontrabass gastierten beschwingt als „Horse Mountain“ im Casino Zwiefalten. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Mit zwei Stimmen, die sich wunderbar ergänzen, mit einer sympathischen Ausstrahlung und handgemachter Musik ohne viel technischer Raffinesse bot das Duo „Horse Mountain“ im Casino Zwiefalten einen kurzweiligen und amüsanten Gang durch die Musikgeschichte in der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Dieter Stoll als versierter Gitarrist und Birgit Stoll variabel und punktgenau am Kontrabass bilden das Duo „Horse Mountain“ aus Kusterdingen bei Tübingen. Raffiniert eingeblendet erscheint der nahegelegene Rossberg bei Gönningen fast wie ein Gipfel der Rocky Mountains im Staat Colorado als Logo. Viele passende Erinnerungen an oft legendäre Zeitzeugen in kurzen Videoclips oder Dokumentaufnahmen erzeugen eine ungekünstelte Atmosphäre, die auch nach über zwei Stunden Programm nichts von ihrem Reiz verloren hat. Die beiden Musiker sind in der Nachkriegszeit in der Nähe von Heilbronn aufgewachsen und hatten so hautnahe Beziehungen zu amerikanischen Soldaten und ihrer Musik aus erster Hand, die sie faszinierte und nicht mehr losließ. So verhalfen musikalische Reisen nach Kentucky oder Tennessee zu den Quellen ihrer Musik und zu vielen passenden Ideen und Anregungen als „Horse Mountain.“

Dazu inspirierte der Besuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer 1961 nach Texas, wo ihm Vizepräsident Johnson auf seiner Ranch einen „Texashut“ aufsetzte. So war es nicht mehr weit zum in Zwiefalten präsentierten Programm „Mit Texashut und Nietenhosen.“

Als in sich stimmiges Duo bot „Horse Mountain“ einen für die vielen Zuhörer entspannten Gang durch eine weithin bekannte Country- und Schlagerwelt. Nach Möglichkeit wurde immer live das Original vorgestellt, danach die, wie Dieter Stoll vermerkte, oft mehr oder weniger gelungene deutsche Übersetzung angehängt.

Auch wenn das legendäre Pferdehalfter an der Wand nicht im Casino aufgehängt war, so erinnerte die tiefe Stimme von Bruce Low an singende Cowboys ebenso wie Lale Anderson in einer köstlichen Parodie an ihre „blaue Nacht am Hafen.“ Unvergessen das „Fraulein“ von Chris Howland, dafür umso angenehmer in der Stimme als Solo oder im Duett „die Stolls“, variabel, zum jeweiligen Song parat die instrumentale Begleitung durch ihre beiden Instrumente. Dazu passend die Erinnerung an Gus Bacchus oder Camillo Felgen mit seiner Überzeugung „Die Liebe ist ein seltsames Spiel.“ Wunderschöne Balladen, bezaubernde Liebeslieder, erinnerungsreiche Reisen durch die deutsche Schlagerwelt, rhythmisch und spritzig das unvergessene „Jambalaya“ mit tollen Intermezzi auf der Akustikgitarre.

Wippende Beine der Zuhörer zeigten an, dass Rene Kollo mit seinem „Hello Mary Lou“ im Sonnenschein mit Nietenhosen auf dem Weg zur Schule noch immer präsent ist. Mustang und Bonanza, eine spezielle Mundharmonika aus dem Hause Hohner, doch auch stete Kaugummis passten zum Wunsch von Marika Kilius „Ich will 'nen Cowboy als Mann“, bald darauf beteuerte Manuela: „Schuld war nur der Bossa Nova!“ Mit Trude Herr („Ich will keine Schokolade“) und Juliane Werdings Trauer „Am Tag, als Conny Kramer starb“ führte der Weg zum „Bett im Kornfeld“ und Michael Holm fragte: „Musst du jetzt gerade gehn?“ Reizend die melodische Beschreibung des „Indian Summer“, emotional Hannes Wader mit „Manchmal träum ich so schwer“, überraschend das „Atemlos“ als amerikanisch melodisches Doppel.

Dass auch schwäbische Melodien in Amerika zu bekannten Hits wurden, davon zeugte „Muss i denn zum Städtele hinaus“ als gelungene Zugabe nach einer entspannten, in seiner Präsentation voll gelungenen Reise durch die Country- und Schlagerwelt, wie sie vor allem den nicht mehr ganz jungen Zuhörern entgegenkam.

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