Mitreißende Festspiele vor dem Münster

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Zum vierten Mal gehen die Zweifalter Festspiele vor dem Münster über die Bühne.
Zum vierten Mal gehen die Zweifalter Festspiele vor dem Münster über die Bühne. (Foto: Thomas Warnack)
Heinz Thumm

In Zwiefalten herrscht gerade Feststimmung: Nach 2012, 2014 und 2016 finden in diesem Jahr zum vierten Mal die Festspiele vor dem historischen Zwiefalter Münster statt. Organisator ist die Zwiefalter Klosterbräu, deren Brauereichef Peter Baader das Drehbuch geschrieben hat. Herbert Ott führt Regie und bringt Bauern, Soldaten und Mönche zusammen.

150 Laiendarsteller erzählen die bewegte und bewegende Geschichte des jungen Mönches Benedikt, des Klosters, des Bierbrauens und der Münstergemeinde nach und führen die Ursprünge der Zwiefalter Braukunst eindrücklich vor Augen. Das Zwiefalter Münster bietet die eindrucksvolle Kulisse und den perfekten Rahmen für die Festspiele.

Nach umfangreichen Vorbereitungen und zahlreichen Proben war sich Peter Baader am Dienstag Abend schon sicher: „Das wird ein wundervolles Spektakel.“

In den folgenden Tagen wurde die aufwendige Technik und die originellen Kulissen aufgebaut. Direkt vor dem Hauptportal des Münsters werden die Mönche tagen. Daneben sind Schulbänke aufgebaut für die Ausbildung des Nachwuchses.

Mit viel Liebe und eindrucksvollen Details ist der landwirtschaftliche Bereich mit Anbauflächen für Getreide und Gemüsebeete. Neben einem Holzschopf stehen dann die originell aufgebauten Käfige für Tiere, zum Beispiel Hühner, Ferkel, Ziegen, Schafe und einen Esel. Mitspielende Kinder haben eine Riesenfreude bei der Versorgung und Betreuung der Kleintiere; das fleißige „Bauernvolk“ sorgt für emsiges Leben in den landwirtschaftlichen Arbeitsbereichen – auch mit alten Geräten.

Direkt im Vordergrund der Zuschauertribüne und unmittelbar in der Zwiefalter Ach werkeln die Waschfrauen. Auf der Westseite ist der Brauereitrakt mit dem großen Ofen. Hopfenfrauen stehen für die Beigabe des Hopfens bereit, „feine junge Frauen“ versorgen die Mitarbeiter und die Männer vom Stammtisch.

Würdevoll schreitet Peter Baader auf die Naturbühne und begrüßt die Gäste. Bei jeder Aufführung stehen 496 Sitzplätze zur Verfügung, alle Plätze sind inzwischen ausverkauft. Der Bundestagsabgeordnete Michael Donth (CDU) erhält eine Ehrenurkunde für seine vielfältigen Aktivitäten. Stellvertretend für die Mitarbeiter der Zwiefalter Klosterbräu, die mit unwahrscheinlichem Engagement in den Vorbereitungen tätig waren, überreichte Peter Baader an Anita Bendel einen Blumenstrauß und sprach herzliche Dankesworte. Auch Regisseur Herbert Ott wurde für seinen Einsatz mit einer Urkunde und einem Geschenk geehrt.

„Lasst die Festspiele beginnen!“ rief der Sprecher Hans-Jörg Karrenbrock in die Abendstimmung hinein und damit startete der feierliche Einzug der herrlich kostümierten Schausteller. Die Zuschauer waren gefesselt von der tollen Atmosphäre und den vielfältigen Aktivitäten der historischen Gruppen und beeindruckt von der mächtigen, markanten Stimme.

Im Mittelpunkt stand schnell als Hauptfigur der arme Bauernsohn Benedikt. Der fleißige Helfer mit klarem Verstand, großer Neugier, Ehrgeiz und Weitblick wurde mit einem feierlichen Gelöbnis im Kloster aufgenommen und startete eine unvorstellbare Karriere. Später, als „das Gerücht von einem göttlichen Trunk“ die Runde machte, wurde Benedikt mit der Sonderaufgabe zur Erforschung des Weges zum Bier beauftragt.

In kurzen Abschnitten ändern sich die Szenen: Prächtige Feierlichkeiten wechseln sich mit schweren Schicksalsschlägen ab. Dramatisch ist die Auflösung der Abtei und interessant der Erhalt der Brauerei bis zum heutigen Tag. Im Hintergrund ist immer wieder die Melodie vom „Zwiefalter Traum zum Zwiefalter Klosterbräu“ zu vernehmen und wird später auch fanatisch von den Zuschauern mitgesungen.

Die Zuschauer erleben auf der Freilichtbühne eine packende Geschichte hautnah und mit allen Sinnen. Mit unwahrscheinlicher Leidenschaft präsentieren die Zwiefalter Bürger in originalgetreuen Kostümen das Leben jener Zeit nach einem Handbuch, das auf den Handlungen und wahren Begebenheiten aufgebaut ist.

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