Kammermusikalische Kunst in der Prälatur

Lesedauer: 6 Min
 Rebecca Thies (Violine) und Viktor Jugovic am Flügel gestalten in der Prälatur ein beeindruckend brillantes Benefizkonzert.
Rebecca Thies (Violine) und Viktor Jugovic am Flügel gestalten in der Prälatur ein beeindruckend brillantes Benefizkonzert. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Im Rahmen der Konzertreihe „Forum junger Interpreten“ banden Rebecca Thies und Viktor Jugovic mit Können und musikalischer Leidenschaft Werke von Mozart, Claude Debussy und Richard Strauß zu einem kammermusikalischen Hörgenuss auf hohem Niveau. Das vom Geschichtsverein Zwiefalten initiierte Konzert im klanglich abgegrenzten Rahmen der Prälatur darf als einer der Höhepunkte im kulturellen Programm des Jahres bezeichnet werden.

Musikalischer Wohllaut in harmonischem Miteinander der beiden Solisten Rebecca Thies ( Violine ) und Viktor Jugovic am Flügel kam Mozarts Sonate für Klavier und Violine in B-Dur in volltönenden und herrlich zarten Passagen zugute. Nach dem einleitenden Allegro moderato erklang das Andantino cantabile durch spürbare Freude am gemeinsamen Musizieren und hoher Interprätationskunst in seiner vielfältig farbigen Schönheit. Blicke zwischen den beiden jungen Solisten genügten, um kraftvolle Akkorde des Klaviers mit perfekten Formen der Doppelgriffe der Violine zum gemeinsamen Hörgenuss zu vereinen. Voll Mozart’scher Heiterkeit ein perlendes Rondo, das als überschäumendes Allegro vom virtuosen Können der beiden Interpreten geprägt war.

Mit Claude Debussy wurden die Zuhörer im gut besuchten Benefizkonzert in eine musikalisch ganz andere Welt geführt. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1918 schrieb Debussy seine Sonate für Violine und Klavier in g-moll als dreiteiliges Werk und verband in ihm melodiöse Themen mit teilweise recht engen Sequenzen. Sie stellten auch an die Zuhörer oft beachtliche Anforderungen, viel mehr jedoch an die Akteure. Rebecca Thies nutzte im einleitenden Allegro vivo den gesamten Klangraum ihres Instruments von sonoren Passagen der tiefen G-Saite bis in fast schwindelnde Höhen, bei denen sich Viktor Jugovic als meisterhafter Mitgestalter am Flügel präsentierte.

Fast schwebend, im Wechsel zwischen Pizzikato-Folgen und abrupten Eckpunkten das „Intermede“ ungestört fließend in der Violine, jedoch immer wieder wie von Felsbrocken aufgehalten die melodische Ausgestaltung am Klavier quer über die gesamte Tastatur. Debussys Bezeichung „Fantastique et leger“ wurde gut nachvollziehbar umgesetzt durch den Wechsel aus unerwartet kraftvollen und heiter beschwingten Sequenzen.

Impulsreiches Ganzes

Das Finale bot durch seine Bezeichnung „Tres anime“ reichlich Gelegenheit, bewundernswerte Virtuosität und Gestaltungskraft miteinander zu einem impulsreichen Ganzen zu verbinden, von den beiden Interpreten mit Bravour genutzt.

Die musikalische Sprache von Richard Strauß reicht noch mehr in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Im Alter von 23 Jahren schrieb er als opus 18 seine Sonate für Violine und Klavier in Es-Dur. In ihr gibt er den beiden Interpreten die erneute Möglichkeit, sich in dezenten und bewusst markigen Szenen zu profilieren. Voll innerer Leidenschaft verliehen beide Künstler dem einleitenden Allegro ma non troppo aktionsreiches Profil. Dies kommt zum Ausdruck in beinahe flüsternden liedhaften Abschnitten ebenso wie in in fast extrem kraftvollen Einheiten, wobei der Pianist mit dem ausgiebigen Klangraum des Flügels den Raum der Prälatur mühelos bis an seine Grenzen füllte.

Als „Improvisation“ bezeichnet Strauß den zweiten Satz seiner Sonate. Mit melodiös transparenten Passagen verlieh die Violonistin dem Andante cantabile durch feinsinniges Tremolo den Schmelz innerer Musizierkunst, vom Pianisten aufmerksam mitgestaltet. Klanglich zunehmende Phasen beider Interpreten mündeten jedoch erneut in zauberhafte Momente der Korrespondenz beider Instrumente. Sie stellten der variablen Interpretationskunst beider Akteure ein beredtes Zeugnis auf hohem Niveau aus.

Nach dem einleitenden Andante im Finale entfachten Thies und Jugovic beim Allegro, das sich nahtlos anschloss, ein Feuerwerk kammermusikalischer Kunst, das von Können, Virtuosität und leidenschaftlicher Freude am gemeinsamen Musizieren sprühte. Langanhaltender Beifall galt als Dank für den außergewöhnlichen Hörgenuss, die eingegangenen Spenden des Benfizkonzerts will der Geschichtsverein Zwiefalten als ölkologischen Beitrag für die Grünanlagen an der Friedhofskapelle verwenden. Dort soll ein 6 bis 8 Meter großer Rotdornbaum als Bienenweide und Vogelschutzgehölz gepflanzt werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen