Jeder Alarm setzt Drehleiter in Marsch

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Wenn in Zwiefalten im ZfP die Brandmeldeanlage runter geht, wird die Riedlinger Drehleiter mitalarmiert.
Wenn in Zwiefalten im ZfP die Brandmeldeanlage runter geht, wird die Riedlinger Drehleiter mitalarmiert. (Foto: Thomas Warnack)
Stv. Redaktionsleitung

Wenn im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Zwiefalten die Brandmeldeanlage Alarm auslöst, gibt es auch in Riedlingen einen Kleinalarm und die Feuerwehr muss mit der Drehleiter ausrücken. In früheren Jahren war das häufiger der Fall, seit 2016 rückt die Drehleiter im Schnitt 14 mal pro Jahr aus. In den meisten Fällen kommt sie allerdings nicht zum Einsatz.

Die Klinik in Zwiefalten verfügt über eine Brandmeldeanlage mit zirka 3000 Rauch-, Hitze-, Strecken- und Handmeldern. In den Jahren 2014 und 2015 wurde eine Alarmierung überdurchschnittlich oft durch Patienten per Handmelder ausgelöst. Um dem Missbrauch entgegenzuwirken, wurde nach Lösungen gesucht. Es gab diverse Gespräche mit der Technikabteilung, der Geschäftsleitung und der unteren Bauaufsichtsbehörde. Daraufhin wurden einige der Handmelder abgebaut. Die Zahl der Einsätze sank dann 2016 auf zehn. Die Gründe für diese zehn Alarmierungen waren drei Mülleimerbrände, ein Blitzschlag, zwei Verpuffungen in der Heizzentrale und zwei Alarmierungen aufgrund von Wasserdampf. Bei zwei Einsätzen konnte der Grund der Auslösung der Brandmeldeanlage nicht ermittelt werden. Die Einsätze in den anderen Jahren entsprechen in etwa den Einsatzarten aus dem Jahr 2016, sagt der Kommandant des ZfP. Weitere Einsätze erfolgten aufgrund eines Betten-, eines Staubsauger- und eines Kaffeemaschinenbrands.

Dass die Einsätze eher weniger als mehr werden, bestätigt auch der Kommandant der Riedlinger Feuerwehr, Stefan Kuc, und führt das ebenfalls auf die Reduzierung der Handmelder zurück. Die Zahl der böswilligen Fehlalarme habe deutlich abgenommen, sagt er. Wird im ZfP ein Brandalarm ausgelöst, wird immer angenommen, dass es real brennt, erklärt er. Der Alarm wird direkt an die Leitstelle in Reutlingen gemeldet, diese setzt sich mit der Leitstelle in Biberach in Verbindung. Von dort wird Riedlingen alarmiert. Dabei handelt es sich um einen Kleinalarm, der bei 15 Leuten auslöst. Letztendlich rücken aber nur drei Personen mit der Drehleiter aus, sagt Kuc. Die Löschfahrzeuge werden von der Werksfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr aus Zwiefalten gestellt.

Wachsendes Sicherheitsbedürfnis

Dass die Riedlinger Drehleiter automatisch mit dem Brandmeldealarm dazu alarmiert wird, wurde im Jahr 2010 so eingeführt. Das sei eine gemeinsame Entscheidung seines Vorgängers, des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr aus Zwiefalten, des Kreisbrandmeisters des Landkreises Reutlingen und der Geschäftsleitung der Klinik gewesen, erklärt Pangerl. Dadurch sollte dem stetig wachsenden Sicherheitsbedürfnis Rechnung getragen werden. Die Klinik ist verpflichtet eine Werksfeuerwehr vorzuhalten. Zum einen wegen der Fürsorgepflicht für die Patienten und Beschäftigten. Zum anderen um die historischen Gebäude zu schützen. Aktuell besteht die Werksfeuerwehr aus 15 Feuerwehrmännern und zwei Feuerwehrfrauen. Ein weiterer Grund, weshalb die Drehleiter bei einem Brandalarm grundsätzlich alarmiert werde, sei die Tatsache, dass die Anfahrtszeit von Riedlingen zwölf Minuten betrage. „Im Falle eines Brandalarmes ist diese Zeit sehr wertvoll“, sagt Pangerl. Sie könne über das Ausmaß des Brandes und die damit einhergehende Gefährdung für Menschen und Sachvermögen entscheidend sein.

So führt etwa jeder zehnte Einsatz der Riedlinger Drehleiter nach Zwiefalten ins ZfP. Im Jahr 2017 gab es 14 Einsätze, in diesem Jahr wurde die Drehleiter bereits sieben Mal im ersten Halbjahr alarmiert. In den meisten Fällen war ein Einsatz der Leiter nicht nötig. „Wir vertreten die Meinung, dass eine Anforderung der Drehleiter weiterhin gerechtfertigt ist“, sagt Pangerl. Natürlich liege es auch im eigenen Interesse, die Einsatzzahlen so gering wie möglich zu halten, zumal sie auch mit Kosten verbunden sind, welche die Klinik tragen muss. Der Einsatz der Drehleiter kostet 264 Euro pro Stunde, dazu kommt das Personal. Pro Einsatz zahlt die Klinik rund 450 Euro.

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