„... innen wie ein Theater“

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Der zweite Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Ralf Aßfalg, bedankte sich bei der Referentin Irmtraud Betz-Wischnath
Der zweite Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Ralf Aßfalg, bedankte sich bei der Referentin Irmtraud Betz-Wischnath mit Blumen und einem Buch. (Foto: Waltraud Wolf)
Schwäbische Zeitung
Waltraud Wolf

In eineinhalb unterhaltsamen Stunden durften die Zuhörer im Saal des Konventgebäudes in Zwiefalten entspannt nachvollziehen, was drei junge Männer im Jahre 1791 bei einer siebentägigen Fußreise „durch die schwäbische Alpe“ erlebten. Vermittelt hat ihnen dies auf Einladung des Zwiefalter Geschichtsvereins Irmtraud Betz-Wischnath. Die pensionierte Kreisarchivarin hat zu dem Reisebericht Fotos von den verschiedenen Städten und Karten aus jener Zeit herausgesucht, um zu zeigen, was Christoph Heinrich Pfaff so sehr in Verzückung gebracht hat. Denn auf seinen schwärmerischen Reisebericht bezog sich ihr Vortrag.

Respektable 250 bis 280 Kilometer hat der 18-jährige Student Pfaff zusammen mit seinen Freunden Karl August Friedrich von Duttenhofer, sowie Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein, 33 und 21 Jahre alt, zurückgelegt. Mit dabei: Fernrohre und ein Windhund. Auf Schusters Rappen zu reisen, galt in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als „modern“ und „alternativ“, ließ die Referentin aus Pfullingen wissen. Man habe sich davon eine neue Sicht auf Landschaften und die dort lebenden Menschen, auf Sitten und Gebräuche, wirtschaftliche und soziale Verhältnisse, aber auch auf Geologie, Fauna und Flora versprochen.

Milch, Brot und Wein

Am 11. April 1791 starteten die Freunde, von denen Pfaff in seinem 226 Seiten starken Reisebericht vermerkt: „Es konnten auch nicht wohl drey Menschen besser füreinander taugen als eben wir“. Von Stuttgart nach Tübingen ging es am ersten Tag. In Willmandingen begegneten ihnen Auswanderer nach Galizien. In Pfrondorf rasteten sie. Der Chronist zeigt sich erfreut über den geringen Preis für Milch und Brot. Ergänzt um Wein war dies im Übrigen die Hauptnahrung der Reisenden. Nach zwölfstündigem Fußmarsch erreichten sie Tübingen „ermattet und ausgetrocknet“. Während sie vom Schlossberg aus das Panorama auf Neckar- und Ammertal und auf die Alb genossen und vor allem die Achalm ihre Blicke auf sich zog, konnte Pfaff sich für Tübingen selber nicht erwärmen „Mit dem größten Eigensinne, wüste Häuser und wüste schlechte Straßen zu bauen, kann man es kaum weitertreiben, als hier geschehen …“ Kurz vor Sonnenaufgang nahmen sie den Weg wieder unter die Füße.

Auf dem Weg nach Zwiefalten, das sie ansteuerten, um das „Schneegebürge“ zu sehen, passierten sie mit Pfullingen „ein wüstes Städtchen“, das „contrastirt auf eine unangenehme Art mit der schönen Natur“. Elf Seiten widmet Pfaff dem Besuch der Nebelhöhle, für die er sich eine „gehörige Illumination“ wünscht. Beeindruckt zeigt sich der junge Mann vom Lichtenstein, einem auf den Mauern der einstigen Burg erbauten Haus, das dem Förster als Dienstwohnung diente. „Man gehe hin und genieße“.

In Kleinengstigen kehrten sie ein und der genossene Wein ließ sie zusammen mit dem bejahrten Förster „Arm in Arm mit lachendem Mund und fröhlicher Gebärde“ den Weg so schnell eilen, „als wenn dies heute die erste Versuchung für unsere Füße gewesen wäre“.

Himmlische Belohnung

In Bernloch begegneten sie einem katholischen Priester und Pfaff lässt kein gutes Haar an ihm, während er nur positive Worte für einen „70-jährgen Greis“ findet, der sie im Regen über Ober-Gauingen nach Zwiefalten führt. „Die Mühe des Tages war himmlisch belohnt“, beschreibt er die Aussicht auf das „Schneegebürge“. „Hier türmt sich ein tausendzackiger Berg empor und scheint den Himmelsbogen zu tragen.“ Der junge Mann störte sich auf dem Weg zum Kloster an einer Mariensäule und beschreibt die Patres als intolerant und „gemeinen Menschen, ohne Anlage oder Bildung“. Ebenso abfällig urteilt Pfaff über die Portraits der Äbte und über die Innenausstattung der Klostergebäude, erläuterte die Referentin. Selbst das Münster fiel unter seinen Augen durch. „Unwürdig von außen und innen wie ein Theater: Alles strahlt von überflüssigem Gold. Das Auge wird durch zahllose Bildsäulen, Gemälde, erbärmliche Stuccatorarbeit, Guirlanden, Schnörkel, kurz durch die unwürdigsten Erzeugnisse eines verderbten Geschmacks zerstreut“, so der 18-jährige Student. Was ihm und seinen Reise-Gefährten dennoch gefiel, waren das Mahl, der Wein und die weichen Betten.

Nach einem „herzlich schlechten Kaffee“ machten sie sich am vierten Tag ihrer Reise nach Urach auf. In Marbach zeigte ihnen der Stutenmeister Hartmann ein Pferdeskelett mit einem skelettierten Reiter. Nach einem „langweiligen Weg“ in Richtung Münsingen bei „schröcklichem Regen“ erreichten sie die Sirchinger Steige und bewunderten die Aussicht in das Uracher Tal.

Während die Begegnung mit dem Wasserfall am fünften Tag ihrer Fußreise enthusiastisch ist, fällt das Urteil über die Ruine Hohenurach negativ aus. Über die Steige erreichten sie Grabenstetten und stiegen danach hinunter ins Lenninger Tal und machten auch einen Abstecher zur „Schrecke“. Die sei noch heute ein lohnender Wanderweg, empfahl Irmtraud Betz-Wischnath. Bevor es auf die Teck ging, gestand von Duttenhofer ein Problem mit einem Zeh und man besorgte ihm ein Pferd. Er verabschiedete sich in Dettingen, wo er Frau und Kind traf.

Pfaff und Ernst Franz Ludwig Marschall von Bieberstein besuchten am sechsten Tag ihrer Reise den Hohenneuffen. Dass sie aus Neuffen flüchten mussten, war ihrem Windhund geschuldet, der Kühe angegriffen hatte. In Nürtingen trennten sich die Wege der Kameraden. Duttenhofer, und Bieberstein kehrten nach Dettingen zurück, Pfaff erreichte über Köngen am siebten Tag Esslingen, wo er seine Geschwister traf, denen er viel zu erzählen hatte.

Mit Blumen und einem Buch über die Feudalherrschaft am Beispiel des Albdorfes Upflamör bedankte sich der zweite Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Ralf Aßfalg, bei der Referentin.

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