Es ottet bei der Hausfasnet der Narrenzunft Rälle

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Für Stimmung sorgte mit über 50 Aktiven der Fanfarenzug Zwiefalten unter Leitung von Marcel Ott und immer wieder dem Ruf "Fanfa
Für Stimmung sorgte mit über 50 Aktiven der Fanfarenzug Zwiefalten unter Leitung von Marcel Ott und immer wieder dem Ruf "Fanfara-Zügle". (Foto: Heinz Thumm)
Schwäbische Zeitung
Heinz Thumm

In der bunt geschmückten und rappelvollen Zwiefalter Rentalhalle startete die Hausfasnet der Narrenzunft Rälle fetzig, zünftig und mit großem personellen Aufgebot. Zum Rällemarsch spielte die Musikkapelle Zwiefalten unter Leitung von Alexander Ott mächtig auf für den Einzug des Zunftrats und der Maskenträger: Rälle, Gockel, Hansel und Bär. Moderator und ZunftmeisterJochen Fundel führte redegewandt und witzig durch den Zunftabend. Vielhundertfach schallten die Narrenrufe den ganzen Abend durch die Halle und zeigten an: Die Rällesaison ist eröffnet.

Der Inthronisation des Burggrafenpaars Adrian I. und seiner Lieblichkeit Vanessa durch Übernahme des Szepters folgte eine pfiffige Antrittsrede. Als unter der Begleitung der „Katzakombo“ der Gesang vom Rälle-Marsch und des Rälle-Walzers erklangen und es hieß: „Der Rälle setzt zum Absprung an“ und „Lass die Sorge Sorge sein“, da sprang der Funke über und die alten Traditionen brachen voll durch.

Valentin Ott, Bruddelpokalsieger 2016 und 2017, eröffnete die Büttenrede mit gekonnten Pointen und erklärte gleich treffend: „Wie funktioniert Politik?“ Mit seinem Hobby „Vegan Reiten – also Radfahren“ kam er gut an, schaffte es aber trotz öffentlichem Aufruf nicht, eine Freundin für sich zu bekommen und musste traurig feststellen: „Alle Frauen zwischen 20 und 30 sind vergeben!“

Mit dem Einmarsch des Fanfarenzugs Zwiefalten (über 50 Aktive) unter Leitung von Marcel Ott füllte sich die Bühne. Phantastisch, wie exakt die Trommeln geschlagen wurden und die Fanfaren erklangen - eine perfekte Show. Als dann zu einem weiteren Musikstück auch noch die Musikkapelle hinzukam, da wurde deutlich, dass die Narrenzunft Zwiefalten mit allen Hästrägern und Akteuren schon bald ganz alleine einen starken Umzug präsentieren kann und landauf, landab gern gesehener Gast ist.

Nach der Pause zeigten die 13 „Dancing-Queens“ ihren Showtanz im Miltärlook. Melanie Geiger hatte die Mädels gedrillt, dass sie sogar auf den Pfiff gingen.

„Heut ottet’s hier an jedem Eck!“ erklärte Zunftmeister Jochen Fundel zur Mitwirkung vieler Vertreter mit dem Namen "Ott": Adrian, Marcel, Herbert, Valentin, Benedikt, Constantin und Alexander Ott. Der Rälle-Büttel Herbert Ott stieg dann in die Bütt und zeigte jede Menge Sünden auf, die das ganze Jahr über begangen wurden. „Was dia Amis Guates bringet“ zählte Ott auf und kam dabei auf Kaugummis, Cola und den Jeep. Nicht so gut kam dabei die Halloween-Welle an: „Mit Gehirn bischt aufg'schmissa - mit Halloween des muas mer wissa!“ Von der Wahl kam er über die Politik zu den Flüchtlingen und streifte auch die örtlichen Begebenheiten. Den Spendenaufruf zur Sanierung der Frauenkirche von Bürgermeister und Pfarrer unterstützte er großzügig: „Spendet was goht für älle – au im Nama vom Klosterrälle! Auch Zunftmeister Jochen Fundel bekam sein Fett ab und musste tief in die Tasche greifen, weil er versäumt hatte bei der Frankreichfahrt den Koffer seiner Frau einzuladen. Er sparte sich aber auch selbst nicht aus, als er berichtete, dass seine eigene Frau ausgerechnet über die Fasnet in Reha ging. Weiter ging es von der örtlichen Politesse, die selber keine Parkscheibe anbrachte und ertappt wurde bis zur örtlichen Touristik in purer Natur und im Wolfserwartungsland. Dabei hofft er dringend, dass der Wolf auch Biberfleisch mag und damit ein Problem lösen kann.

Nach 20 Jahren präsentierten die „Rentalgeister“ in diesem Jahr erstmals einen rituellen Tanz beim Besuch der Navii'i aus Pandora. Mit Live-Musik der Musikkapelle wurde der Beginn eines kulturellen Austauschs der neuen Partnerstämme Pandora und Zwiefalten unter dem Heimatbaum gefeiert. Nach der Choreographie von Gitte Wax kam der perfekt einstudierte Tanz in toller Maske und auffälliger Kleidung super an und begeisterte die Besucher.

Zum Höhepunkt des Abends wurde die Rälle-Comedy mit vielen Spitzen, Witzen und Songs rund um's Zwiefalter Ortsgeschehen. Ideenreich und mit viel Musik und Pfeffer präsentierte auch im 7. Jahr „Das Niveau“ eine schwungvolle und pfiffige Show. Der Start erfolgte im Bierhimmel durch den „Engel“ Tobias Aierstock, gefolgt vom „Bierteufel“ Stefan Schmid und begleitet vom Schneemann Olaf (Maxime Chupin). Gelungene Liedeinlagen boten Amelie Chupin mit Cornelius Fischer, begleitet am Klavier von Alexander Fundel.

"Du Karl, i han a Windrad g'seha" hieß es in der Folge. und eine richtige Demonstration kämpfte gegen Windräder und mehr. Weiter ging die Tour nach „Paradies-City Upflamör“. Auch der Videobeweis (Benedikt Ott) bestätigte das Paradies auf Erden. „Baach blüht auf, Upflamör floriert – ond en Zwiefalten brechet'se aus - aber Landflucht ist kein Thema“. Super präsentiert wurde der „Skandal im ZfP“ vom Gesangsduo. Ob nun das Schlosshotel in Zwiefalten kommt, ob es zum Albtraumhotel oder zum Traumhotel am Fuß der Alb wird, wurde nicht geklärt. Fest steht aber: "Bis do na isch no weit!".

Jochen Fundel lobte das „Wahnsinns-Spektakel“ und war stolz auf diese Truppe, das Publikum applaudierte fanatisch. Zum Finale spielte nach dreieinhalb Stunden der „Sauhaufen“ auf und feierte begeistert alle Akteure. Danach übernahm die Band „double4time“ die musikalische Leitung und begleitete die Gäste bis in den frühen Morgen.

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