Duo Sistere füllt Kulturmühle mit Klängen und Farben

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Gitte Wax tanzt zur von Karina Aßfalg gesungenen Arie „Habanera“ aus Georges Bizets Oper „Carmen“
Gitte Wax tanzt zur von Karina Aßfalg gesungenen Arie „Habanera“ aus Georges Bizets Oper „Carmen“ (Foto: Anton Munding)
Anton Munding

Was Karina Aßfalg und Gitte Wax mit ihrem Programm „Sabere Aude“ – „wage es, weise zu sein“ – gezeigt und zu Gehör gebracht haben, ist schwer zu beschreiben. Die Mischung aus Gesang, Tanz, Poesie, Licht und Farben hat die Besucher in Wimsen gefangen genommen und begeistert. Diese Vorstellung führte die Zuhörer 80 Minuten lang in eine Welt aus Träumen, Klängen, Tanz, Licht und Farbe. Hubertus-Jörg Riedlinger hatte das mit Zwiefalten verbandelte Duo Sistere in der Reihe der Weltklassekünstler, die in der Kulturmühle gastieren, begrüßt. Der lautstarke Vorschussbeifall zeigte, dass Gitte Wax und Karina Aßfalg hier ein Heimspiel gaben.

Mystisches Licht, Karina Aßfalg im Gewand einer griechischen Priesterin und Gitte Wax als dunkle Gestalt in der Mönchskutte holten das Publikum aus dem Alltagstrubel ab. Der bis zu den Dachsparren offene Bühnenraum gab der Szene die Atmosphäre einer gotischen Apsis und unterstrich den sakralen Charakter des ersten Liedes. Mit „Pie Jesu“ aus Andrew Lloyd Webbers Requiem begeisterte Karina Aßfalg vom ersten Ton an durch ihre ausdrucksstarke, kristallklare Sopranstimme. Der Traumtanz hatte begonnen. Aus dem Off sprach Gitte Wax gefühlvoll ganz persönliche, meditative Texte.

Doch das Hauptaugenmerk lag auf der Kombination Tanz und Gesang – Musik sehen, Tanz hören. Hierbei bildeten die beiden Künstlerinnen durch die ganze Aufführung eine außerordentlich harmonische Einheit. Bemerkenswert ausdrucksstark war dann auch „I’ll Walk Alone“, ein Song über die menschliche Einsamkeit, die beide Künstlerinnen in ihrem Tanz sichtbar werden ließen.

Schleiertanz zu „Habanera“

Zum Höhepunkt in Akustik und Optik entwickelte sich dann aber die Arie „Habanera“ aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet. Die grandiose Stimme Karina Aßfalg wurde im roten Schleier von Gitte Wax tänzerisch umflossen und beworben. Man muss es gesehen haben.

Auch Wax’ derwischgleicher Drehtanz ließ die Münder offenstehen. Allein der kerzengerade Abgang der Tänzerin danach verdient höchsten sportlichen Respekt. Zu jedem Auftritt erschienen die Damen in anderen fantasievollen Kostümen auf der Bühne und auch die Lichteffekte waren fein auf das jeweilige Stück zugeschnitten. Regie und Choreografie waren absolut stimmig.

Mit dem letzten Ton brach dann auch überbordender Beifall los und drängte Karina Aßfalg und Gitte Wax zu einer Zugabe. Nach dem Dank an Monika Rieber für ihren Gardarobendienst, Martin Müller, der für entsprechende Beleuchtung sorgte, und Tontechniker Christian Häberle gab es als atemberaubenden Abschluss noch „Time To Say Goodbye“.

Wer sich auf die traumwandlerischen Tänze und Texte von Gitte Wax, die wunderbare Stimme von Karina Aßfalg in verschiedenen Musikstilen und das kreative Licht und Farbenspiel einließ, durfte einen tief beeindruckenden Abend voller Stimmungen und Gefühle erleben. Das hatte wirklich große Klasse.

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