Der Versailler Vertrag und seine Folgen

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 Der Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Hubertus-Jörg Riedlinger (links), dankte Ernst-Reinhard Beck für seinen Vortr
Der Vorsitzende des Zwiefalter Geschichtsvereins, Hubertus-Jörg Riedlinger (links), dankte Ernst-Reinhard Beck für seinen Vortrag. (Foto: Heinz Thumm)
Heinz Thumm

Ernst-Reinhard Beck – ein profunder Kenner der deutschen Geschichte – hat beim Zwiefalter Geschichtsverein über Details zum Versailler Vertrag und die Entwicklungen in den Folgejahren gesprochen. Delegationen aus 32 Staaten reisten im Frühjahr 1919 ins Schloss Versailles bei Paris, um eine stabile Nachkriegsordnung auszuhandeln. Doch massive Fehler des Vertrags führten zu katastrophalen Folgen.

Im ersten Weltkrieg kämpften 40 Staaten rund um den Globus – und dennoch wurde die Nachkriegsordnung vor allem von den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien bestimmt. Schnell wurden nationalistische Ziele verfolgt. Das Deutsche Reich bekam die alleinige Kriegsschuld. Die geographische Neuordnung der Welt, auch außerhalb Europas, beschwörten neue Konflikte herauf. Reparationsforderungen für Kriegsschäden, Militärausgaben in noch nie dagewesener Größenordnung sollten die deutsche Wirtschaft auspressen. Eine der Forderungen der Siegermächte an das deutsche Volk: „Bis in die dritte Generation hinein sollt ihr fronen.“

Über 400 Bestimmungen, viele davon aus Rachegelüsten straften die Besiegten ab. Riesige Proteste folgten auf das unfaire und nicht erträgliche Diktat. Deutsche Kolonien wurden aufgeteilt, die Kriegsflotte wurde aufgelöst, Elsass-Lothringen musste abgetreten werden, das Rheinland und das Saarland blieben 15 Jahre lang besetzt und viele weitere Demütigungen, Rache und Bestrafung und weitere schmerzliche Verluste folgten.

Auf eine angedachte Nichtunterzeichnung des Vertrages wurde von den Alliierten unverhohlen mit einem Einmarsch und einer Fortsetzung des Krieges gedroht. In der Weimarer Republik folgte die Zustimmung, doch von da ab lief alles auf die Hitlerherrschaft zu.

Hunger und Armut

Im Land herrschten Hunger, Vertreibung und Armut, das Vertrauen in das Prinzip der Demokratie war verloren. 1930 folgte die Weltwirtschaftskrise, 1938 der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Im Frühjahr standen deutsche Truppen in Tschechien und kurz darauf erschütterte der Zweite Weltkrieg den Globus.

Ergriffen von der Lehrstunde der deutschen Geschichte fragten die Besucher den Referenten nach weiteren geografischen Eingriffen und der Tragik nach dem verlorenen Frieden und der Weltordnung.

Hubertus-Jörg Riedlinger bedankte sich herzlich bei dem Freund und Begleiter des Geschichtsvereins Zwiefalten und überreichte ihm – auch als Erinnerung an klösterliche Zeiten ein Präsent mit Neuhauser Wein und ein Mauspad mit dem Zwiefalter Engele.

In wenigen Wochen startet der Geschichtsverein Zwiefalten zu seiner Studienfahrt nach Ostpreußen auf den Spuren des Deutschen Ordens nach Danzig, Königsberg und die Masuren. Die Reise beinhaltet landeskundliche, literarische und geisteswissenschaftliche Themen und auch touristische Aspekte. Dabei werden sicher auch die geographischen Veränderungen eine Rolle spielen.

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