Das alte Köhlerhandwerk lebt

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Heinz Thumm

Dienstag, kurz vor 16 Uhr. Die Besucher drängen sich auf der Kohlplatte im Staatswald in die schattigen Plätze. Das mit Spannung erwartete Anzünden der beiden Kohlenmeiler steht kurz bevor, da tritt Alt-Köhler Georg Geiselhart aus der offenen Köhlerhütte hervor und verkündet: „Es isch soweit!“

Schon die alten Griechen wussten vor 4000 Jahren, wie man Holzkohle verkohlt. Auch der Ötzi hatte Holzkohlenreste bei sich. Und sogar im Hohle Fels bei Schelklingen wurden Reste von Holzkohlen gefunden, die vor ungefähr 30 000 Jahren entstanden sind.

Während Georg Geiselhart Geschichten zur Köhlerei erzählt, steigen die Köhler Max Geiselhart und Alexander Schwald vorsichtig auf die beiden Kohlenmeiler. Als erste Aufgabe wird ein großer Papiersack mit Holzkohlen vorsichtig in den Schacht geleert, bis der Schacht gerade randvoll ist.

Schnell lodern die Flammen

Dann holen sie sorgfältig gespaltene dünne Fichtenresthölzer und einen Arm voll feinstes Fichtenreisig. Mit dem Ansetzen des Feuerzeugs erfassen die Flammen sofort das Papier und das feine Reisig und schon lodern Flammen in die Höhe. Rauch zieht in unterschiedliche Richtungen ab. Jetzt heißt es Geduld aufbringen und die Entwicklung des Abbrands genau beobachten.

Schon vor einigen Jahren hat sich der 18-jährige Max Geiselhart in die Köhlerei eingearbeitet. Der Lehrmeister für ihn war immer sein Großonkel Georg Geiselhart, der die Köhlerei in Münzdorf wieder aufleben ließ. Max Geiselhart absolviert aktuell eine Ausbildung als Zimmerer und wird in wenigen Wochen die Gesellenprüfung abschließen. Als zweiter Köhler ist in diesem Jahr der 50-jährige Alexander Schwald vor Ort. Er hat in die Familie Geiselhart eingeheiratet und ist damit natürlich auch mit den Aktivitäten der Köhler vertraut.

In einem Grußwort zeigt der Hayinger Bürgermeister Kevin Dorner seine Freude über die Fortsetzung des traditionellen Köhlerhandwerks und lobt die Herstellung der „Hayinger Holzkohle“. Mit Interesse hören die Besucher auf der Kohlplatte die Informationen des erfahrenen ehemaligen Landtagsabgeordneten und Staatssekretärs im Landwirtschaftsministerium Ventur Schöttle. Er berichtet über die historische Entwicklung des Walds, den Rohstoff Holz und die vielfältigen Arbeitsplätze im Forst. Dabei geht es auch um die Gefahren für den Wald und die Baumarten der Zukunft. In Anspielung auf die aktuellen Freitagsdemonstrationen appellierte er an die junge Generation, Bäume zu pflanzen. „Wald ist der erste Garant für die Existenz der Menschen in der Zukunft.“

Einige Überraschungen

Georg Geiselhart schildert den weiteren Fortgang mit den Kohlenmeilern: In den nächsten acht bis neun Tagen – je nach Witterungsverlauf – müssen die Köhler die Meiler laufend kontrollieren. Alle zwei bis zweieinhalb Stunden muss die Oberfläche abgeklopft und die Farbe des austretenden Wasserdampfs überwacht werden. In dieser Zeit reduziert sich die Masse des Meilers auf die Hälfte. Während dieses Vorgangs sind Besucher weiter herzlich willkommen und werden einige Überraschungen erleben.

Ab dem 13. Juni beginnt dann die Zeit des Auskühlens der Holzkohle. Am Samstag, 15. Juni, erfolgt dann der sogenannte Auszug der Holzkohle und das Einsacken. Bis dahin wünscht der Senior der Köhler seinen Nachfolgern nach alten Bräuchen viel Erfolg mit einem dreifach donnernden „gut Brand“.

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