1320 Meter der Höhle sind erforscht

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Heinz Thumm

Die Wimsener Höhle ist die einzige mit dem Boot befahrbare Schauhöhle Deutschlands. Bis zu 70 Meter kann die Höhle mit Boot und Führer befahren werden, dann taucht die Höhlendecke bis unter die Wasseroberfläche ab. Die hinteren Höhlenteile sind nur erfahrenen Höhlentauchern zugänglich. Inzwischen sind 1320 Meter der Höhle erforscht, davon die letzten 400 Meter erst in den letzten beiden Jahren. Engstellen und die große Wassertiefe (bis 60 Meter) erschweren die weiteren Forschungen. Besonders in den Sommermonaten ist die Höhle von Besuchern stark frequentiert.

Entstanden ist die Wimsener Höhle durch das Quellwasser der Ach, das als Regenwasser beim Sickern durch die Bodenschichten im Einzugsgebiet kalkaggressive Kohlensäure aufgenommen hat und so tief in den Weißjurakalk eingedrungen ist. Das Alter der Wimsener Höhle wird auf etwa eine Million Jahre geschätzt.

Die Wimsener Höhle trägt – nach einem Besuch im Jahr 1803 von Kurfürst Friedrich von Württemberg, dem späteren König von Württemberg – den Beinamen „Friedrichshöhle“. Aus dem Höhlenportal entspringt die Zwiefalter Ach, die sich nach nur kurzem Lauf mit dem aus dem Glastal kommenden Hasenbach verbindet und bei Zwiefaltendorf in die Donau mündet.

Einfahrten in die Wimsener Höhle mit dem Boot werden in der Zeit vom 1. April bis Ende Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr angeboten. Bis zu zehn Fährmänner und -frauen stehen zur Verfügung, um in die Höhe einzufahren und eine fachliche Führung abzuhalten. Die Personaleinteilung und -organisation übernimmt Teamleiterin Sarah Spiegler. Seit fünf Jahren hat sie diese wichtige Aufgabe übernommen und meistert fast alle Herausforderungen. Die Besucherzahlen schwanken nämlich sehr stark.

Auf dem Vorplatz der Höhle steht in einem bunten Holzhäuschen ein Kiosk – auch für Andenken, Kaffee, Kuchen und sonstige Getränke. Dort ist auch das Kassenhäuschen, hier sind die Eintrittspreise ausgehängt. Während in der näheren Umgebung keine Handyempfang besteht und eine Internet-Verbindung nicht erreichbar ist, schafft es die Kasse, vorweggenommene Anmeldungen und aktuell eingegebene Zeiten zu organisieren.

Bei einem Besuch wird empfohlen, zuerst am Kiosk eine Karte für den nächstmöglichen Zeitpunkt zu kaufen. Bei großem Besucherandrang besteht dann die Möglichkeit bis zur Höhleneinfahrt noch etwas zu Essen oder Trinken, einen Spaziergang zu machen oder sich einfach auf eine Bank zu setzen und zu warten. An stark frequentierten Tagen wird mit zwei Booten gefahren, das bedeutet, dass alle 7,5 Minuten ein Boot mit zehn Besuchern in die Höhle fährt. Gut läuft es dann, wenn zum Einfahrzeitpunkt alle Mitfahrer pünktlich anwesend sind.

Wer sich für die Geschichte von Wimsen und der Wimsener Höhle interessiert, der kann in einem extra Raum der Kulturmühle in einem Video und auf einer großen Skizze die bisher erforschten Regionen betrachten. Außerdem hängt im Gasthof Friedrichshöhle eine Zeichnung aus alten Zeiten – als Wimsen noch Wimstein hieß. Dort sind Details vom Eingang der Höhle und den Gebäuden zu betrachten.

Online-Ticket können bis zu 14 Tage vor einem Besuch online gekauft werden – nicht aber am Tag des Besuches. Die Kaufabwicklung ist mit einer Kreditkarte oder aber an einem Pay-Pal-Konto möglich. Bitte beachten: Es müssen so viele Tickets gekauft werden, wie Personen reserviert haben. Der Wasserstand in der Höhle ist relativ konstant, ebenso wie die Wasser- und Lufttemperaturen mit 8 Grad Celsius. Der Wasserauslauf aus der Höhle am Ursprung der Zwiefalter Ach liegt bei durchschnittlich 600 Liter je Sekunde, aktuell momentan etwa bei 300 Liter je Sekunde. Der am Pegelmessstand angegebene größte Ausfluss von 6240 Liter je Sekunde wurde am 27. März 1988 ermittelt.

Drachen in der Wimsener Höhle

In Wimsen ist vor kurzem ein imposanter Drachen gelandet, der das Innere der Wimsener Höhle bewacht. Draußen weiden drei Ziegen zur Landschaftspflege am Steilhang vor dem Höhleneingang in einem Gelände, das mit einem Elektrozaun eingemacht ist. Gleichzeitig laufen auf dem Freigelände fünf Hühner, die sich ihre Nahrung aus Insekten und Würmern selber suchen.

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