Die Hamburgerin fühlt sich auch bei den Schwaben wohl

Lesedauer: 6 Min

Rüstig und mit interessanter Lebensgeschichte: Hannelore Sage an ihrem 90. Geburtstag. Unser Bild zeigt von links: Bürgermeiste
Rüstig und mit interessanter Lebensgeschichte: Hannelore Sage an ihrem 90. Geburtstag. Unser Bild zeigt von links: Bürgermeister Günther Karremann, Einrichtungsleiter Pater Burkhard Kaldenbach, die Jubilarin und Ortsvorsteher Wolfgang Thanner. (Foto: Clemens Schenk)
Clemens Schenk

„Ich bin im Seniorenheim, nicht im Pflegeheim“, entfuhr es resolut der Jubilarin Hannelore Sage, als ihr bei der Geburtstagsfeier „noch viele schöne Jahre im Pflegeheim“ gewünscht wurden. Im Seniorenheim St. Josef in Weihungszell werden runde Geburtstage immer gebührend gefeiert, so auch der Neunziger von Hannelore Sage.

Zu diesem Anlass erscheinen neben den Angehörigen und Bekannten auch die Vertreter der Gemeinde, die Heimleitung, der Heimbeirat sowie Mitarbeiter und Bewohner des Seniorenheimes. Bürgermeister Günther Karremann war zusammen mit dem Ortsvorsteher von Sießen, Wolfgang Thanner, erschienen und überbrachte die Glückwünsche und Geschenke der bürgerlichen Gemeinde Schwendi und wegen des hohen Alters auch von Landrat Dr. Heiko Schmid und ein persönliches Schreiben von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Auch von Seiten des Seniorenheimes wurde die Jubilarin an ihrem Ehrentag mit besonderen Aufmerksamkeiten beschenkt. In geselliger Runde und mit einem musikalischen Ständchen einer Mitbewohnerin wurde auf Hannelore Sages hohen runden Geburtstag angestoßen, den die Jubilarin in einer körperlich wie geistig erstaunlich guten Verfassung erleben durfte. Auf ihre Fitness angesprochen, meinte die zierliche Altersjubilarin: „Wir wohnen hier in einem schönen Heim, die Küche versorgt uns sehr gut, und wir fühlen uns alle sehr wohl.“

„Norddeutsche und Schwaben haben viel gemeinsam“, sagte die am 27. Juli 1928 als Einzelkind geborene Jubilarin. „Ja, ich bin eine waschechte Hamburgerin, weil ich in Hamburg-Eppendorf geboren bin, genau wie meine Eltern und mein späterer Mann.“ Dazu habe sie ihre Kinder- und Jugendzeit in Hamburg verbracht. „Ich hatte eine wirklich schöne Kindheit“, meinte sie. Ihre Eltern hätten ihr eine gute und gewissenhafte, aber auch strenge Erziehung zukommen lassen. So wurde auf – auch im Schwabenland bedeutsame – Werte wie Höflichkeit, Ordnung und Sauberkeit besonders geachtet: „Pünktlichkeit war das elfte Gebot meiner Mutter.“

Viel Kriegselend erlebt

Ihre Jugend- und Schulzeit war auch geprägt vom Zweiten Weltkrieg. Hamburg wurde immer wieder stark bombardiert: „Wir erlebten viele Nächte im Luftschutzkeller oder wurden nach Bayern evakuiert.“ So viel Elend und Verzweiflung habe sie im ganzen Leben nicht mehr erlebt. Nach Kriegsende ging es zurück nach Hamburg, wo sie ihre Schulzeit mit der Mittleren Reife abschloss. Nach dem sozialen Pflichtjahr kam sie, wie früher üblich, in einen Haushalt. Später begann sie eine Ausbildung im Fernmeldewesen bei der Post. 1955 heiratete sie ihren Mann und zog beruflich bedingt nach Bonn. Dort arbeitete sie im Ministerium für Verteidigung. Etliche Jahre später zogen sie gemeinsam ins Schwabenland in die Nähe von Tübingen, wo sie ein Haus bauten.

Hannelore Sage und ihr Mann hatten viele gemeinsame Interessen. Sie gingen sehr gerne ins Theater und in die Oper, viel spazieren oder waren mit dem Fahrrad unterwegs. Sie hatten immer Hunde und es waren immer Dackel. Sie machte gerne Handarbeiten, strickte und häkelte, vorwiegend für die Patenkinder und die Kinder ihrer Freunde, aber auch für sich selbst. „Reisen waren für uns auch wichtig“, so die Jubilarin. Durch ihr Wohnmobil waren sie unabhängig, oft seien sie nach Frankreich, Italien und England und sogar bis nach Griechenland gefahren. Viel waren sie aber auch in Deutschlands Regionen, besonders gerne in Oberschwaben, unterwegs. „Wir waren vollauf begeistert von dieser Landschaft und den vielen schönen Kirchen“, sagt Hannelore Sage.

Dankbar ist sie auch, dass sie vor zirka 20 Jahren eine schwere Krankheit gut überstanden habe. Kurz nach dem Tod ihres Ehemannes vor ein paar Jahren zog sie ins Seniorenheim St. Josef in Weihungszell ein. Dort ist sie „dem lieben Gott einfach nur dankbar, dass ich so gut aufgenommen wurde und es mir in meinem hohen Alter noch so gut geht“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen