Sehnlichst erwartet: die Hebamme

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Hebamme Ingrid Sproll (r.) betreut Mütter in der Nachsorge.
Hebamme Ingrid Sproll (r.) betreut Mütter in der Nachsorge. (Foto: Birgit van Laak)
Birgit van Laak

Wenn junge Mütter nach der Entbindung mit ihrem Baby nach Hause kommen, beginnt ein neuer Alltag: das Leben mit dem Neugeborenen. Hilfe und Anleitung erhalten die Frauen in der Zeit von den Hebammen. Sie sehen nach, wie sich das Baby entwickelt, unterstützen bei Stillproblemen und beantworten die vielen Fragen der jungen Mütter. Hebamme Ingrid Sproll wird deshalb schon sehnlichst erwartet, wenn sie, den Koffer mit der Babywaage unterm Arm, klingelt.

Zuerst geht es ins Bad. Ingrid Sproll, Hebamme der Biberacher Praxis Biber-Nest, ist an dem Vormittag zur Nachsorge in Warthausen. Vorsichtig legt die junge Mutter das drei Wochen alte Mädchen auf den Wickeltisch. Ingrid Sproll kontrolliert den Nabel des Babys und reinigt ihn mit einem Wattestäbchen. Während die drei Jahre alte Schwester neugierig zuschaut, stellt die Mutter schon die erste Frage: Was tun bei den kleinen Hautrötungen? „Neugeborenen-Akne, da hilft viel Luft oder Muttermilch“, rät Ingrid Sproll und erklärt gleich noch, wie das Baby gewaschen werden soll, damit es nicht wund wird.

Die Hebamme und die junge Frau kennen sich bereits. Ingrid Sproll hat die Warthausenerin bereits bei deren erstem Kind betreut. „Ohne Hebamme wäre man in vielen Situation überfordert“, sagt die Mutter.

Krankenkasse bezahlt

In Deutschland können Frauen nach der Entbindung bis zu acht Wochen Hilfe einer Hebamme in Anspruch nehmen. Die Krankenkasse bezahlt die Kosten für die Nachsorge.

„Ich sehe mir die Wöchnerin an: Brust, Gebärmutterrückbildung und Wundheilung“, schildert Ingrid Sproll den Ablauf des Hausbesuchs. Aber auch das Seelische ist ein Thema. „Wir sprechen beim ersten Besuch über die Geburt, meine Erfahrung ist, dass das den Frauen gut tut“, erzählt die Hebamme.

Die junge Warthausenerin erinnert sich noch genau an die Zeit vor drei Jahren, als sie mit ihrem ersten Kind die Klinik verließ. „Ich musste selbst wieder auf den Damm kommen“, erzählt sie. „Und es tauchten so viele Fragen auf. Deshalb finde ich es wichtig, dass die Hebammen für die Mütter da sind“, berichtet sie, während Ingrid Sproll das Baby auf die Waage legt. 700 Gramm hat es seit der Geburt zugenommen. „Ein Vorzeigekind“, sagt die Hebamme und lacht.

Ob das Baby auch satt wird, ist die Frage, die ihr die Mütter am häufigsten stellen. Oft geht es zudem um Stillprobleme und die richtige Ernährung der stillenden Mutter. „Wir begleiten die Frauen Schritt für Schritt“, erläutert Ingrid Sproll. Viele treibe die Sorge um, nicht alles richtig zu machen, erzählt die Hebamme. Dann rät sie, auf den Instinkt zu hören statt auf tausend Bücher und „Dr. Google“.

Neben dem Gewicht kontrolliert die Hebamme, ob das Kind eine Gelbsucht entwickelt, gibt Ratschläge, wenn es an Blähungen leidet, beobachtet das Trinkverhalten und erläutert gegebenenfalls, wie die Flaschennahrung hygienisch zuzubereiten ist.

Ein Lob von der Hebamme

„Ich bin dieses Mal früher vom Krankenhaus nach Hause gegangen, ich wusste ja, dass ich gut betreut werde“, sagt die junge Warthausenerin, nachdem sie ihr Baby wieder von der Waage genommen hat. Sie wirkt entspannt, auch wenn der Schlaf derzeit in Etappen stattfindet. Dreimal nachts habe die Kleine Hunger, erzählt sie. „Das ist okay.“ Ingrid Sproll freut sich über diese gelassene Einstellung und verteilt zum Abschluss noch ein Lob. Dann geht es für sie weiter zur nächsten Wöchnerin.

Eine dreiviertel, teils bis zu eineinhalb Stunden dauert ein Hausbesuch der Hebamme. „Erstgebärende brauchen viel Zuspruch“, weiß Ingrid Sproll aus Erfahrung. Honoriert wird dieses Engagement nicht. „Die Krankenkassen gehen von 20 bis 25 Minuten für die Nachsorge aus“, sagt sie. Die Bezahlung ist ein Grund, weshalb in Deutschland immer weniger Frauen den Beruf der Hebamme ergreifen. Ingrid Sproll rechnet damit, dass zudem Hebammen früher in den Ruhestand wechseln werden. Aber bereits jetzt sei es in der Urlaubszeit eng, wenn jemand noch eine Hebamme suche. Die Situation werde sich in Zukunft wohl verschärfen.

„Ohne Hebamme werden die Frauen dann früher mit dem Stillen aufhören und mit Kleinigkeiten und Fragen zum Frauen- oder Kinderarzt gehen, die eine Hebamme hätte beantworten können“, sagt Ingrid Sproll. Sie steht bereits am Auto vor dem Haus in Warthausen, als die Mutter nochmals herauskommt. Die Dreijährige hat ein Bild für die Hebamme gemalt, die Mutter mit dem Baby auf dem Arm lächelt und bedankt sich für die Unterstützung. „Das Schöne an meinem Beruf ist, dass wir Hebammen an so vielen Glückmomenten teilhaben dürfen“, sagt Ingrid Sproll.

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