Manch kurioser Moment: So war die Kandidatenvorstellung in Warthausen

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Gut eine Woche vor der Bürgermeisterwahl haben sich die drei Kandidaten in der Warthauser Festhalle offiziell vorgestellt. Das Interesse der Zuschauer war groß, sie erlebten manchen kuriosen Moment. Aber vor allem drei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Per Los war die Reihenfolge der Sprecher festgelegt worden, Herausforderer Christian Koch machte den Anfang.


 Die Bürgermeisterkandidaten für Warthausen haben sich vorgestellt und um die Stimmen der Wähler geworben: Einer von ihn ist Ch
Die Bürgermeisterkandidaten für Warthausen haben sich vorgestellt und um die Stimmen der Wähler geworben: Einer von ihn ist Christian Koch. (Foto: Andreas Spengler)

Christian Koch stellte sich in seiner Rede als „Kümmerer“ dar. Vor allem mit dem Thema Transparenz will der 41-Jährige Industriekaufmann Wählerstimmen gewinnen. Bei Entscheidungen wolle er die Bürger öfters mit ins Boot holen, betonte er. So auch bei den Planungen zum Industriegebiet im Rißtal (IGI). Koch stellte klar, dass die Gemeinderäte der beteiligten Kommunen die Weichen für die Erschließung des Gebiets gestellt hätten. Dennoch werde er die Planungen intensiv prüfen und sofern es noch Spielräume gebe, diese „unter Darstellung der möglichen Kosten und der Risiken“ mit dem Rat besprechen und den Bürgern erklären.

Sollte er gewählt werden, werde er zudem einen „partnerschaftlichen Dialog mit den Warthauser Betrieben aufbauen und dauerhaft pflegen“. Auch das Verhältnis zu den Vereinen will Koch pflegen: „Die Gemeinde soll Ideen und Initiativen wohlwollend aufgreifen und beflügeln.“ Insgesamt skizzierte er in seiner Rede das Bild von Warthausen als erfolgreicher Gemeinde, die auf dem richtigen Weg sei, aber noch an einigen Stellen Verbesserungspotenziale habe. „Jedem sollte bewusst sein, dass wir hier in einer der wohlhabendsten Regionen der Welt leben“, sagte Koch. Das führe aber auch dazu, dass Wohnraum knapp werden. „Wir müssen noch intensiver nach Baulücken fahnden“, forderte er. Auch das Thema Verkehr wolle er angehen. Zu diesem und anderen Themen soll ein Zukunftsplan erarbeitet werden, bei dem sich Bürger, Räte und die Verwaltung einbringen können.

Koch sprach sich zudem für die Anschaffung von E-Autos als Gemeindefahrzeuge aus, für die energetische Sanierung der öffentlichen Gebäude und den Umweltschutz. Außerdem forderte er, ein „Jugend-Hearing“, bei dem sich Jugendliche einbringen können, versprach den Kirchengemeinden und ihren sozialen Einrichtungen „ein verlässlicher Partner“ zu sein und die Bildungsstätten und Kindergärten „zukunftssicher“ aufzustellen.


 Wolfgang Jautz hat sich in Warthausen um eine zweite Amtszeit beworben.
Wolfgang Jautz hat sich in Warthausen um eine zweite Amtszeit beworben. (Foto: Andreas Spengler)

Amtsinhaber Wolfgang Jautz wagte in seiner Rede den Blick in die Zukunft. Er habe „klare Vorstellungen“ davon, was in den kommenden Jahren für die Gemeinde zu tun sei. Er wolle sich dafür einsetzen, die Lebensqualität zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Zudem sollen Arbeitsplätze gesichert, Bauplätze geschaffen, die Vereine gefördert und die Infrastruktur von der Kinderkrippe und Schulen bis zu den Straßen zu saniert werden. Jautz betonte, dass er inzwischen über acht Jahre Verwaltungserfahrung verfüge und „solide Rechtskenntnisse“ mitbringe, die grundlegend für die Arbeit als Bürgermeister seien.

Der Schuldenstand der Gemeinde habe sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert hat, von rund 700 Euro je Einwohner zu Beginn der Amtszeit auf inzwischen 400 Euro. Das IGI sei dabei ein wesentlicher Faktor, um den Wirtschaftsstandort zu stärken. „Es gilt zu erkennen, dass derjenige, der sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen stark macht, moralisch gut und richtig handelt“, erklärte er.

Ebenso konsequent setze er sich für die Ortsumfahrung und den Aufstieg zur B30 ein. Weitere „Zukunftsaufgaben“ seien unter anderem die Vereinsunterbringung in Birkenhard, die Sanierung der Ortskanalisation in Röhrwangen und die Friedhofsplanung in Warthausen. Ebenso wolle er sich für Kirche, Vereine und Kultur stark machen. Jautz sprach sich dabei für ein neues Forum aus, in dem sich Vereine „einbringen und Neues mit der Gemeinde erarbeiten können“. An den Bürgergesprächen wolle er festhalten.

In der Fragerunde stellte Jautz nochmals dar, dass die Gemeinde versuche, die ehemalige Raiffeisenbank-Filiale in Birkenhard zu kaufen um dort ein Gemeindezentrum zu bauen. Zuvor hatte eine Zuhörerin kritisiert, dass es in Birkenhard kein Ortsleben mehr gebe. Jautz sprach sich zudem abermals für ein Bürgerrufauto aus, das über die die Bürgerstiftung mitfinanziert werden könne, um die teils mangelhafte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr auszugleichen.


 Andreas Reiner kandidiert ebenfalls als Bürgermeister für Warthausen.
Andreas Reiner kandidiert ebenfalls als Bürgermeister für Warthausen. (Foto: Andreas Spengler)

Als dritter Redner stellte sich Andreas Reiner vor. „Die einen kennen mich wahrscheinlich als Fotograf, die anderen als der mit dem Ochs’“, sagte Reiner. Als Kandidat habe er sich die „Agenda Mitmensch“ auf die Fahnen geschrieben, so Reiner. Ihm fehle es in Warthausen „an Leichtigkeit und Menschlichkeit“. Manche fühlten sich in der Gemeinde „außen vor“. „Man muss den Leuten zuhören, muss sie mitnehmen“, sagte er. „Die Leute brauchen Antworten.“ Gleichzeitig warnte Reiner davor, das IGI als alleiniges Thema zu sehen. „Haben wir denn keine anderen Themen mehr?“, fragte er.

Er habe das Gefühl, Warthausen sei zur „Wohlstandseinflugschneise“ der Stadt Biberach verkommen. „Wir haben den Dreck und den Lärm und denen geht’s gut“, sagte Reiner. Warthausen habe das, was sonst niemand wolle, von der Tierkörperbeseitigungs- bis zur Kläranlage. Dafür würden andere Bereiche vernachlässigt: „Wir haben so einen tollen Kindergarten, da gefällt es sogar den Mäusen“, sagte er in Anspielung auf den Mäusebefall, der unlängst im Kindergarten in Birkenhard festgestellt worden war.

Mehrmals ging Reiner mit dem amtierenden Bürgermeister ins Gericht. „Ich will mehr Transparenz und Dialog“, sagte er. In Anspielung auf Jautz, der nicht in Warthausen wohnt, sagte Reiner: „Wenn Sie mich wählen, haben Sie schon einen Pendler weniger.“ Doch das war manchen Zuhörern offenbar nicht genug. „Von ihrem eigenen Plan für die Gemeinde weiß ich jetzt gar nichts“, sagte einer am Ende der Rede. Reiner entgegnete, die Agenda Mitmensch sei das Leitthema seiner Kandidatur, auf einzelne Themen wolle er an der Stelle nicht eingehen: „Das ist nicht meine Art, Ihnen zu sagen, was Sie hören wollen.“

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