Ein Sommernachtstraum im Schlosspark

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In fantasievollen Kostümen agierten die jungen Darsteller.
In fantasievollen Kostümen agierten die jungen Darsteller. (Foto: günter Vogel)
Günter Vogel

Zwölf spielbegeisterte junge Leute haben in Warthausen ihre Theaterperformance „Glückstexte“ präsentiert. Die Idee, junge Leute Texte über das Glück, über das Schreiben verfassen zu lassen angelehnt an die große Schriftstellerin Sophie von La Roche stammte von Kerstin Bönsch, der Geschäftsführerin der Wieland-Stiftung. Das Projekt wurde gefördert von der „Baden-Württemberg-Stiftung“ und von der „Arbeitsgemeinschaft literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten.“

Die Texte von elf jungen Autoren entstanden in der Schreibwerkstatt der Wieland-Stiftung unter Leitung des Berliner Theaterpädagogen Lorenz Hippe. Jugendkunstschulleiterin Susanne Maier hat das Ergebnis dieser kreativen Schreibarbeiten adäquat choreografiert und in Szene gesetzt. Und die jungen Autoren und Darsteller schufen eine zauberische Atmosphäre an unterschiedlichen Spielorten im Warthauser Schlosspark. Das etwa 150-köpfige Publikum wanderte jeweils mit und genoss Bilder, Texte und märchenhaftes Flair aus verschiedenen Perspektiven.

Der Biberacher Dichter Christoph Martin Wieland, der viel in Warthausen gearbeitet hatte, übersetzte neben 21 anderen Werken Shakespeares auch dessen „Sommernachtstraum“. Und dieses Märchen aus griechischem Phantasialand wurde in seiner Bildhaftigkeit in der Vorstellung der Gäste optisch und stimmungsmäßig ein romantisches Gefühlsereignis. Junge Leute bewegten sich in fantasievollen Kostümen (Sybille Gänßlen-Zeit), saßen, träumten, rannten, redeten, ließen die originale shakespearesche Atmosphäre neu erstehen. Sounds von Rolf Richie Golz gaben einen klanglich-akustischen Rahmen.

Behutsame Anleihen beiSophie von La Roche

An acht Stationen beschäftigten sich die jungen Leute in ihren Texten – mit behutsamen Anleihen bei Sophie La Roche – mit dem Thema „Glück“. Es begann mit einem fiktiven Briefwechsel zwischen der Schriftstellerin und Maxi, einem Mädchen aus der Jetztzeit, das ihr ihre Unsicherheit über ihre Zukunft schildert. Sophie antwortet, interessiert sich für die heutige Erziehung junger Mädchen.

An der zweiten Station wird das Gefühl „Glück“ geschildert: „Man fühlt sich leicht, fast schon euphorisch“ und „das Glück sitzt leicht über dem Bauchnabel“.

Zwei Mädchen von früher und von heute sprechen miteinander über ihre unterschiedlichen Möglichkeiten und Positionen: „Wenn ich zu einer anderen Zeit gelebt hätte …“ Dann folgen verschiedene Blickwinkel auf das Leben mit der Gegenüberstellung „einzig wahren Glücks“ mit Verlierern. „Glück, Unglück? Was ist das? Ein Gegensatz. Ein Gefühl.“ Die jungen Leute beschäftigen sich mit Glück und Tristesse, mit Poesie und Plagen, mit La-Roche-Worten: „Arme Gedanken, wo irret ihr umher?“ Immer aktuell ist der Erwartungsdruck in Schule, Beruf und durch die Eltern: „Aber wir wollen doch nur das Beste für dich!“ Die Darstellerin führt die Besucher dann mit dem Akkordeon weiter, es geht um Liebe und Hass: „Verliebt, verlobt, verheiratet.“

Ein einsames Mädchen zitiert Sophie von La Roche über Leidenschaft, zärtliche Reden und Lobeserhebungen. Weiter geht es zum Torturm, in dem Wieland gearbeitet hat. „Die Qual des Wartens hat ein Ende und Euer Blick spricht Bände.“ Es passiert auch ein Mord, eine Frau sticht einem Mann Messer in den Bauch. Aber das regte nicht weiter auf, es war schon kurz vor Schluss. Man redet noch darüber, was man für einen glücklichen Tag braucht. Zitat Sophie: „Kenntnisse des Geistes, Güte des Herzens – die Erfahrung hat mir bis an den Rand meines Herzens bewiesen, dass sie wahre Glückseligkeit ausmachen.“ Und zum Schluss noch einmal Sophie von La Roche, die über das Schreiben schreibt: „Schreiben heißt, ein Stück von mir selbst auf Papier zu bannen.“

Die Szenenfolge mit ihrer ungewöhnlichen Grundidee war höchst gelungen und zauberisch spannend bis zum Schluss. Die Theaterperformance „Glückstexte“ wurde am Samstag im Wielandpark in Biberach wiederholt.

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