Barfußpfad soll Senioren helfen

Begeistert haben die Senioren in Birkenhard den neuen Barfußpfad ausprobiert.
Begeistert haben die Senioren in Birkenhard den neuen Barfußpfad ausprobiert. (Foto: Ramona Maier)
Schwäbische Zeitung

In der Seniorentagespflege Tagestreff in Birkenhard wurde ein neuer Barfußpfad verlegt. Der soll viele wichtige Funktionen erfüllen, manche Gäste waren aber zunächst skeptisch.

„Nein, das mach ich nicht“, sagt ein älterer Herr. Er ist Gast in der Seniorentagespflege Tagestreff in Birkenhard. Gemeinsam mit den Mitarbeitern und den anderen Gästen hat er Girlanden vorbereitet und Deko gebastelt. Man ist sich einig: Bei einer Eröffnung darf ein rotes Band zum Zerschneiden auf gar keinen Fall fehlen.

Nun geht es darum, wer denn später bei der Eröffnung als erstes über den neu angelegten Barfußpfad gehen möchte. Knapp zehn Meter lang, befüllt mit vielen verschiedenen Materialien. Alle sorgsam ausgewählt, um anregend genug für die betagten Füße zu sein, ohne sie allerdings zu verletzen. Unter anderem Flusskiesel, weicher Sand, Holzstämme und abgerundetes Glas sorgen dafür, dass die Sinne der Senioren geweckt werden. Gleichzeitig soll die Koordination und das Gleichgewicht trainiert werden.

Menschen mit Demenz erleben ihre Umgebung überwiegend über Gefühle und profitieren besonders davon. Aber auch für geistig fitte Senioren bietet der Barfußpfad eine sehr gute Möglichkeit, spielerisch die Kraft in ihren Beinen zu trainieren und so Stürze zu vermeiden.

Damit möglichst viele Gäste den neuen Barfußpfad erfühlen können, haben sich die Mitarbeiter einige Gedanken dazu gemacht. So können auch Menschen am Rollator oder im Rollstuhl den Barfußpfad benutzen - hat er doch praktischerweise die richtige Breite. Angelegt wurde der Barfußpfad in Eigenleistung vom Tagestreff. Gemeinsam mit dem Nachbar samt Bagger wurde die oberste Erdschicht abgetragen. In gebogenem Stahl wurden die Flächen des Pfades angelegt, die umliegende Fläche mit gelbem Split aufgefüllt und verdichtet und im Anschluss das Material ausgesucht. Zwei gespendete Skulpturen werden aufgestellt, selbst gebaute Wellenliegen runden das Bild ab.

Am Tag der Einweihung probt die Pflegedienstleitung Kerstin Hänsler mit den Gästen einen Tusch. Alle bekommen ein Instrument. Es gibt Schellen, Trommeln, Handtrommeln, Glockenspiele, eine Djembe und noch vieles mehr. Den Senioren gefällt es sichtlich, erst ganz leise, dann immer lauter um am Ende mit einem riesigen Trommelschlag den Barfußpfad zu eröffnen. Hauptsache laut scheint das Motto. Das Band wird zerschnitten.

Wer geht denn nun darüber? Die ersten mutigen Senioren trauen sich mit Begleitung. Ein Lächeln erscheint in ihren Gesichtern. „Doch ganz weich, ich war ganz überrascht“, freut sich eine Frau. Eine andere bekommt gar nicht genug, möchte ein weiteres Mal darüber. Vergräbt die Zehen im Sand, strahlt übers ganze Gesicht.

Ein paar Mitarbeiter haben sich ein Spiel ausgedacht. Das Team soll im Spurt mit Ei-Löffeln um die Wette über den Barfußpfad rennen. Die Senioren lachen und feuern die Teams an. Wem rutscht das Ei als erstes vom Löffel? Der ältere Herr schaut sich alles aus der Entfernung an. Am Ende möchte er auch darüber gehen. Auch er hat sichtlich Freude daran. „Das war ja gar nicht so schlimm“ sagt er mit einem Augenzwinkern.

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